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Grusswort
des Botschafters von Griechenland
Dr. Konstantinos Ailianos

Es ist für mich eine besondere Ehre, heute an diesem glanzvollen Fest anläßlich des 60. Geburtstags und des 25jährigen bischöflichen Dienstes Seiner Eminenz des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos teilzunehmen. Es ist nicht meines Amtes, auf die geistliche, philosophische Bildung und überhaupt auf die Gelehrsamkeit des Metropoliten Augoustinos ausführlich einzugehen. Ich möchte dennoch auf seine Studien an der Theologischen Hochschule von Chalki, der wichtigsten Bildungseinrichtung des Ökumenischen Patriarchats hinweisen; eine Hochschule, die, solange sie in Betrieb war, eine enorme Ausstrahlung hatte und an der hervorragende Hierarchen studiert haben. Diese Schule hat sicherlich auch den Metropoliten Augoustinos durch ihre besondere orthodoxe Spiritualität unauslöschlich geprägt, die er seitdem in tiefem Glauben, in Gehorsam und mit hohem persönlichen Einsatz weiterträgt.

Die Aufgabe eines Geistlichen ist vielfältig; sie ist das Preisen Gottes, das Bekanntmachen des Glaubens, das Hinführen der Gemeinde zur göttlichen Gnade und Liebe und das Teilhaben an dieser Gnade. Sie bedeutet in sich bereits soziales Dasein, da sie die praktische Anwendung der Religion ist, deren Diener der Geistliche ist. Auf diesem Hintergrund ist die Aufgabe Seiner Eminenz in Deutschland von unschätzbarer Bedeutung. Sein Bestreben ist es nämlich nicht nur, die orthodoxen Gläubigen dieses Landes anzunehmen und der Kirche näherzubringen. Darüber hinaus versucht er mit offenem Geist, seinen Beitrag zur Verständigung mit den anderen Konfessionen und den anderen Religionen zu leisten. In dieser Zeit, in welcher der Begriff  "Globalisierung" das Motto der modernen Kommunikation beim größtmöglichen Zusammenwachsen unseres Planeten geworden ist, stellen die entschiedenen Bemühungen Seiner Eminenz um Verständigung mit den anderen Konfessionen und Religionen einen gleichermaßen wichtigen Beitrag dar. Schließlich ist die Seele des Menschen, gleich um welchen Menschen es sich handelt, immer die gleiche und hat dieselben religiösen Bedürfnisse.

Was, meiner Meinung nach, bei Seiner Eminenz besonders hervortritt, ist das Zusammenwirken von religiöser Vision und Realitätssinn. Es ist überraschend, wie er mit seinem Glauben an sein Werk und seine Aufgabe nicht nur die Anerkennung der Orthodoxie als offizieller Konfession in Deutschland, sondern u.a. auch die Errichtung orthodoxer Gemeindezentren und den Bau von Kirchen erreicht hat, die für die Gläubigen hierzulande und insbesondere für die Griechen ganz besonders wichtig sind.
Wir Griechen sind ein religiöses Volk. Die Religion ist ein gestaltendes Element unseres Bewußtseins und bildet eine Einheit mit unserer Geschichte. Deshalb ist es ,von unschätzbarer Bedeutung, daß die Griechen Deutschlands an diesen Orten, den "neuen Heimaten", die unser Metropolit überall in Deutschland begründet hat, Mitgefühl und einen "Fels der Zuflucht" finden, wie der orthodoxe Hymnendichter sagt. Dies ist die Aufgabe der Kirche, wie Seine Eminenz sie begreift, dazu beizutragen, daß die griechische Diaspora in diesem so gastfreundlichen Land ihre geistliche Identität beibehält.

Neben dieser Dimension "Griechenland" repräsentiert die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland insbesondere einen Teil des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel in diesem Land, jenes Patriarchats also, das als "Primus inter pares" die Orthodoxie in die ganze Welt hinausstrahlt und weltweit vertritt. Man kann nicht genug den Beitrag Seiner Eminenz zur Tätigkeit des Ökumenischen Patriarchats insgesamt hervorheben.

Bei der Erfüllung seiner Aufgabe hat ein Geistlicher - und vor allem ein Metropolit - mit einer Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen. Das, was mich während meiner bisherigen kurzen Amtszeit in Deutschland am meisten beeindruckt hat, ist der unerschütterliche und unermüdliche Wille des Metropoliten Augoustinos, mit Gottes Hilfe seine Ziele und Visionen zu verwirklichen. Die Ergebnisse sind greifbar. Ich brauche nicht weiter auf sie einzugehen. Eines möchte ich jedoch hervorheben: die Heranbildung einer dynamischen Priesterschaft, die ihm bei seiner Aufgabe wertvolle Hilfe leistet. Die Anerkennung, die Seine Eminenz in Deutschland genießt, wird heute durch Ihre Anwesenheit, Herr Bundespräsident, wie auch durch die Anwesenheit von so vielen anderen prominenten Persönlichkeiten bei diesem Fest unterstrichen.

Eminenz! Mit 60 ist man noch jung und hat zugleich den Vorteil, die geistige Reife und die daraus gewonnene Gelassenheit zu besitzen. Ein tatkräftiger Mensch glaubt nie, seine Mission bereits erfüllt zu haben. Ich meine, daß er tatsächlich jeden Tag nach neuen höheren und immer schwieriger erreichbaren Zielen strebt. Daher möchte ich Ihnen wünschen, daß Sie sich in Gesundheit, seelischem Frieden und Stärke weiterhin neue Ziele setzen, die Sie mit der Sie bezeichnenden geistigen Kraft zum Wohl des orthodoxen Glaubens und des Griechentums erreichen können.


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