Eminenz, verehrter lieber Bruder in Christus,
mit meinem Grußwort reihe ich mich in die große Zahl der Gratulanten ein, die Ihnen aus Anlaß Ihres 60. Geburtstages und Ihres 25jährigen Bischofsjubiläums gute Wünsche überbringen und den dreieinigen Gott um Segen für Ihren weiteren Lebensweg bitten. „Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten", heißt das Psalmwort, das wir in unserer evangelischen Kirche an Ihrem Geburtstag als Tageslosung meditierten.
Sie vertreten gegenüber der Evangelischen Kirche in Deutschland diejenige orthodoxe Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland durch die Anwerbung von Arbeitskräften entstand und für viele Deutsche auf neue Weise zu Begegnungen mit orthodoxem Christentum führte. Sie leiten nun nach 1980 die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und das Exarchat von Mitteleuropa. Dadurch sind Sie für uns auch der Vertreter des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, das in Ihrer Diktion die Große Kirche ist, zugleich aber auch ein Symbol für die Auswirkungen wechselnder politischer Verhältnisse.
Hier in Deutschland ist Ihre Metropolie geprägt durch besondere und sich verändernde Gegebenheiten. Im Unterschied zum Ursprungsgebiet Ihrer Kirche ist Ihre Metropolie keine durch lange Tradition gewachsene und organisierte kirchliche Körperschaft. Zwar haben Sie jetzt auch Gemeindemitglieder, die schon hier geboren sind, aber der größere Teil kommt aus anderen Traditionen und hat von dort seine Identität empfangen. I^ der Anfangszeit ist Ihre Herde vor allem durch die Ankunft von Arbeitskräften gewachsen. Im Vergleich damit war die Zahl der Selbständigen und Akademiker klein. Zu dieser Besonderheit kam noch hinzu, daß die Gläubigen Ihrer Kirche aus unterschiedlichen geographischen Regionen stammten. Aus diesen verschiedenen Gruppen mußten Sie, auf der Arbeit Ihrer Vorgänger aufbauend, eine Einheit bilden. Das haben Sie erreicht. Sie haben Gemeinden gegründet. Sie haben Kirchen gebaut. Sie haben Ihre Gläubigen dazu angehalten, sich um Priester und Kirchen zu scharen.
Sie haben sich mit dieser Aufbauarbeit aber nicht auf die eigene Kirche zurückgezogen, nicht nur die nationale und orthodoxe Identität gepflegt, sondern die Universalität des orthodoxen Glaubens zur Geltung gebracht und einen Schwerpunkt Ihrer Bemühungen auf die ökumenische Zusammenarbeit gelegt. Sie haben die Hierarchen der orthodoxen Schwesterkirchen zusammengeführt zu gesamt-orthodoxen Strukturen. Sie haben in diesen Jahren die Delegationen geleitet, die das Ökumenische Patriarchat zum theologischen Dialog mit der EKD berufen hat. Mit dem Sinn für das Machbare haben Sie vor Harmonisierungen an falschen Stellen gewarnt. Auch in dieser Zeit antiökumenischer Stimmungen haben Sie an der ökumenischen Begegnung und am Dialog festgehalten. Unsere Delegation hat das zuletzt wieder beim Dialog auf Rhodos erlebt.
Es ist erfreulich, daß Sie sich klar dafür ausgesprochen haben, daß keine Neutaufen vollzogen werden, wenn es aus persönlichen Gründen zu Konversionen zur Orthodoxie gekommen ist. Über das Tagesgeschäft hinaus sind Sie in der ökumenischen Landschaft Deutschlands zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit mit kritischer Herzlichkeit und Augenmaß geworden. Im Rückblick auf Ihre Arbeit ist zu erkennen, daß damit in Deutschland die konfessionelle Pluralität der Christen deutlich unterstrichen wird. So sage ich Ihnen meine herzlichsten Segenswünsche im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland und auch besonders im Namen der Evangelischen Kirche im Rheinland, in dem Sie Ihr Kirchenzentrum haben.
Mit dem Dank für Ihre Lebensarbeit in Deutschland
verbinde ich die Hoffnung auf weitere gute Zusammenarbeit in unseren Bemühungen
um das Wachsen und Erstarken des christlichen Glaubens. Auch im Blick auf
Europa stehen wir vor gemeinsamen Aufgaben. Möge unser gemeinsamer
Herr Sie bei Gesundheit erhalten und Ihre Arbeit segnen. Wir vertrauen
auf ihn, der da spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt,
der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens
haben".