[Zurück zur vorigen Seite]


Grusswort
des Bischofs von Mainz
und Vorsitzenden
der Deutschen Bischofskonferenz
Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann

Hochverehrter Herr Bundespräsident,
verehrter, lieber Metropolit Augoustinos,
liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
sehr verehrte Damen und Herren!

In der Mitfreude über Ihren 60. Geburtstag, den Sie, Eminenz, am 7. Februar feiern konnten, und gleichzeitig über Ihr 25jähriges Bischofsjubiläum überbringe ich persönlich sowie im Namen der Deutschen Bischofskonferenz herzliche Glück- und Segenswünsche.

Sie leiten seit nun fast 18 Jahren das orthodoxe Pleroma der Heiligen Metropolie von Deutschland und des Exarchats von Zentraleuropa, und Sie haben sich in dieser Zeit nicht nur maßgeblich darum verdient gemacht, daß die griechisch-orthodoxen Gemeinden in unserer Gesellschaft ein fester Bestandteil geworden sind; Sie haben vielmehr als geistlicher und geistiger Schüler des unvergessenen Patriarchen Athenagoras vor allem auch den von diesem ins Leben gerufenen ökumenischen Dialog in unserem Land und darüber hinaus vorangetrieben und vertieft.

Als Vertreter der größten orthodoxen Kirche in Deutschland und der drittstärksten christlichen Konfession sind Sie ein Mann intensiver ökumenischer Kontakte und Gespräche. Obgleich dies insgesamt sehr viele zeitliche Belastungen durch die ganze Bundesrepublik hindurch mit sich bringt, sind Sie fast allgegenwärtig und immer engagiert sowie herzlich dabei. Von römisch-katholischer Seite nenne ich nur die "Regensburger Ökumenischen Symposien", die "Gemeinsame Kommission" zwischen der Metropolie und der Deutschen Bischofskonferenz. Ich erinnere nur an die wichtigen Dokumente "Die Eucharistie der Einen Kirche. Liturgische Überlieferung und kirchliche Gemeinschaft" und die Handreichung über "Ehen zwischen orthodoxen und katholischen Christen".

Als langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in unserem Land haben Sie das ökumenische Klima in einem positiven Sinne mitbestimmt. Man kann Sie mit gutem Recht als einen Brückenbauer zwischen den Christen der westlichen und der östlichen Kirche bezeichnen. Ihre geistlichen und theologischen Beiträge haben im ökumenischen Dialog Gewicht.

Unvergeßlich bleibt in diesem Zusammenhang auch der von Ihnen initiierte und maßgeblich vorbereitete Besuch Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Ende 1993, an den ich mit besonderer Dankbarkeit denke.

In seinem apostolischen Schreiben "Tertio Millennio Adveniente" mißt Papst Johannes Paul II. gerade in unseren Tagen der Ökumene eine herausragende Bedeutung bei. "Unter den dringendsten Bitten dieses außergewöhnlichen Augenblicks angesichts des herannahenden neuen Jahrtausends erfleht die Kirche vom Herrn, dass die Einheit zwischen allen Christen der verschiedenen Konfessionen bis zur Erlangung der vollen Gemeinschaft wachsen möge" (Nr. 16).

Zwar gibt es auf diesem Weg nach wie vor Probleme zwischen unseren Kirchen, weniger grundlegend theologischer als vielmehr historischer, rechtlich-struktureller und kirchenpolitischer Natur; doch bin ich zuversichtlich, daß wir den "Dialog der Liebe" und den "Dialog der Wahrheit" positiv fortsetzen werden, um die noch trennenden Fragen möglichst bald zu lösen. Möge der Heilige Geist uns zu einer immer tieferen und umfassenderen Gemeinschaft führen. Das Zusammenwirken mit Ihnen ist ein verläßliches Unterpfand für diese Hoffnung.

Unvergeßlich ist mir selbst die gemeinsame Reise zu einem kleinen Gegenbesuch beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Ende Mai 1997. Wir waren damals im Chora-Kloster und haben gemeinsam die überwältigenden Mosaiken betrachtet. Ich darf Ihnen als Zeichen der Erinnerung, des Dankes und der Wertschätzung eine soeben erschienene neue Gesamtdarstellung von Peter Weiss "Theologie in Bildern aus spätbyzantinischer Zeit" übergeben. Vielleicht haben Sie ein wenig Freude daran.

Ich möchte schließen mit einem Wort von Patriarch Bartholomaios I. beim gemeinsamen Gebet im Bonner Münster am 23. Oktober 1993: "Wir sind sicher, daß (der) herzliche und geschwisterliche Geist auch weiterhin unsere zwischenkirchlichen Beziehungen bestimmen, ja mit Gottes Hilfe noch zunehmen wird, durch den wir berufen worden sind 'zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn' (1 Kor 1 , 9)".

Ich schließe mich dieser Überzeugung voll an und wünsche Ihnen nochmals von ganzem Herzen Gottes reichen Segen für Sie persönlich und für Ihre apostolische Arbeit in unserem Land.
 


[Zurück zum Seitenanfang]

[Zurück zur vorigen Seite]