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GRIECHISCH-ORTHODOXE METROPOLIE PRESSEMITTEILUNG |
Es war das erste Mal, dass unsere Priestertagung (S. Tagungsprogramm) in Bayern abgehalten wurde. Am Montag, dem 30. Oktober, um 18.30 Uhr, wurde sie offiziell in der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in der Ungererstraße 131 von S.E. Metropolit Augoustinos von Deutschland eröffnet. Es waren S.E. der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, Herr Landesbischof Johannes Friedrich und die Kultusministerin Frau Monika Hohlmeier anwesend, die auch Grußworte gesprochen haben. Die Grüße der Landeshauptstadt München wurden vom Stadtrat Theodor Gavras überbracht.
Nach der Vesper haben Teilnehmer und Gäste die Gastfreundschaft der Münchener Kirchengemeinden beim festlichen Abendessen im Gemeindesaal genossen. Motto der Tagung war „2000 Jahre Christentum -Theologischer Stand und Perspektiven“, und das Programm wurde von den Professoren und den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mitvorbereitet. Als Tagungsort diente das Exerzitienhaus Fürstenried.
Am Dienstag betonte S. E. Metropolit Augoustinos in seinem einführenden Referat unter anderem folgendes: „Wir müssen untersuchen, m welchem Maß die biblische Botschaft lebendig und der heutigen Welt und dem heutigen Menschen gegenwärtig ist, und wie sie als Lehre der Kirche interpretiert, mit Hilfe der Theologie als Wissenschaft, weitergegeben wird. ... .Nach diesem Gesichtspunkt muss sich auch das Wirken der Kirche ausrichten, um die rettende Botschaft des Evangeliums zu erweisen. ... Die pastoralen Nöte und Probleme, die hier in Deutschland von besonderer Art und zahlreich sind, geben die Gelegenheit zu einer konkreten und praktischen Umsetzung dieser Botschaft. ... Unser Erlöser, unser Herr und Gott, Jesus Christus, wird täglich zu unserem Heil gekreuzigt und geopfert. Wenn es also in der Orthodoxen Kirche am Anfang des dritten Jahrtausends eine Perspektive gibt, dann kann sie uns nur zu den letzten Dingen, zur Erlösung, fuhren. Das entspricht, auch ganz und gar der Botschaft des Evangeliums und unserer Erlösung.“ (s. Aktuelles)
Der Leiter der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Theodor Nikolaou sprach anschließend über das Thema „Theologische Konstanten in der patristischen Tradition". Ausgehend von der bleibenden Bedeutung der patristischen Tradition für den Glauben und die Ökumenische Annäherung der Kirchen exemplifizierte er dies an folgenden theologischen Grundpositionen: l. Treue zum überlieferten Glauben, 2. Unterscheidung zwischen „Dogma der Theologie" und „Mysterium der Ökonomie", bzw. zwischen Wesen und Energien Gottes und 3. Glaube und Vernunft. Bei seinen Ausführungen legte er besonderen Wert darauf, dass auf der Grundlage dieser Grundpositionen gewichtige Verpflichtungen für alle Kirchen heute entstehen. So z.B. bezüglich der Treue aller Kirchen zu dem von Anfang an überlieferten einen Glauben, wie dieser in den für alle Christen verbildlichen sieben ökumenischen Konzilien zum Ausdruck gekommen ist; dieser Glaube ist das einzige Fundament für die Wiedervereinigung der Kirchen. Als weitere konkrete Beispiele nannte er unter anderem die Nicht-Abbildbarkeit Gottes des Vaters und die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft, die im Zuge der Aufklärung vernachlässigt wurden. Das Korreferat von S. Exzellenz Vikarbischof Basileios von Aristi diente zu Vertiefung und zur Eröffnung einer Ausführlichen Diskussion.
Am Nachmittag setzte sich Prof. Dr. Athanasios Vletsis mit dem Thema „Dogma und Ethos in der Postmodeme“ auseinander und untersuchte dabei die Entwicklung der Dogmen - und Theologiegeschichte in den verschiedenen Epochen der Kirchengeschichte. Hierbei unterstrich er besonders den paradigmatischen Charakter von Kontinuität im Leben und Lehre der Orthodoxen Kirche. Die Gefahr des Traditionalismus wird dabei durch kritische, aber liebevolle Aufnahme der Welt abgewehrt. Die orthodoxe Theologie erlebt die Dogmen in der Vielfalt ihres kirchlichen, v.a. liturgischen Lebens nicht bloß als unveränderte Wahrheiten. Die ökumenischen Konzilien sprechen eben gerade nicht von Dogmen, sondern von den Horoi des Glaubens, ein Begriff, unter dem man die Voraussetzungen und Grenzen im Ausdruck und Erleben des Glaubens zu verstehen hat. S. Exzellenz Vikarbischof Dimitrios von Thermai hat mit seiner Subsummierung gute Voraussetzungen auch für die Diskussion geliefert. Diskussion und die Vesper in der Hauskapelle rundeten den Tag ab.
Am Mittwoch, nach dem Frühgottesdienst, referierte Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos über das Thema „Biblische Fragestellungen zwischen Ost und West“. Hierbei haben die im Osten und Westen unterschiedlich entwickelten wissenschaftlichen Methoden im Bereich der Schriftauslegung seit den Mittelalter und bis in unseren Tagen dazu geführt, dass die östliche und westliche Hermeneutik jeweils ihren eigenen Weg gegangen sind. Anhand ausgewählter Beispiele aus der östlichen patristischen Exegese und der modernen westlichen (röm.-kath- und protestantischen) Interpretation des Neuen Testaments wurde der überwiegend übernatürlich-göttliche (im Osten) wie auch der historisch-rationale (im Westen) Charakter der beiden Hermeneutiken veranschaulicht. Der Archidiakon priv. Doz. Dr. Dr. Wassilios Klein, Bonn, widmete sein Korreferat der Darstellung der Hhistorisch-kritischen Exegese an Deutschen Universitäten und der Rolle der orthodoxen Kirche. Abschließend sprach er über pastorale Aspekte des unterschiedlichen Umgangs mit der Heiligen Schrift. (s. Aktuelles)
Am Mittwoch Nachmittag sprach Dipl. theol. Miltiadis Vanco über ,,Die Bioethik in der heutigen Problematik der Theologie“, wobei er den Inhalt und das Ziel der Bioethik, deren hauptsächlich vertretenen Strömungen sowie deren theologische Bedeutung und Zugänge hervorhob. Dabei berücksichtigt die Sichtweise der Orthodoxie die Beziehung zwischen Gott und Mensch, den Menschen als Abbild Gottes und seine eschatologische Aussicht und gibt dem Wert des Lebens eine andere Dimension.
Dipl. jur., Dipl. theol. Anargyros Anapliotis nahm Stellung zum Thema „Sozialstaat und kirchliche Diakonie in Europa“. Er betonte, dass der große europäische Markt Perspektiven für die diakonische Tätigkeit der orthodoxen Kirche eröffnet, aber auch ihre Schwächen hervortreten lässt. Die orthodoxen Ortskirchen Europas müssen ihre Stellung in dem sich entwickelnden europäischen Markt verteidigen, sich konzentrieren und neu gruppieren. Dazu gehört auch, dass sie sich zusammenschließen, ihre liebgewonnene, traditionell kleine Räumlichkeit überwinden und sich öffnen müssen.
Dipl. theol. Andreas Wolf sprach in seinem Referat mit dem Thema „Pastorale Probleme der Orthodoxie in Deutschland“ die durch das sog. westliche, nicht orthodoxe und nur mehr teilweise christlich geprägte Umfeld hervorgerufenen Pastoral-Probleme an. In einer Zeit der Globalisierung und des Werteverfalls muss vor allem der dritten Generation der griechischen Bevölkerung, sowie den sonst von Sekten und anderen pseudoreligiösen Gruppen umworbenen Heilsuchenden durch die gemeinsame Basis der deutschen Sprache, durch die Präsenz der orthodoxen Kirche und durch besondere Zuwendung und Nächstenliebe geholfen werden.
Nach einer informativen Stadtrundfahrt haben sich die Teilnehmer und viele Gläubige in der Salvatorkirche zur Besichtigung und Andacht getroffen.
Am Donnerstag, 02.11.2000, wurde die 31. Priestertagung mit der Göttlichen Liturgie in der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche abgeschlossen. Der Hauptzelebrant, S. E. Metropolit Augoustinos von Deutschland, wurde von allen in München ansässigen orthodoxen Priestern (russisch, serbisch, rumänisch etc.) assistiert. Diese panorthodoxe Liturgie war gleichzeitig der Eröffnungsgottesdienst für das Akademische Jahr 2000/2001.
Zum Abschluss und nach dem Frühstück hat S. E. der Metropolit
Augoustinos gesprochen. Dabei hat er sich bei allen bedankt, die zur
Vorbereitung und Durchführung dieser Priestertagung beigetragen haben.
Er konnte noch die fröhliche Mitteilung machen, dass auch die 32.
Priestertagung in München vom 30.10. bis 02.11.2001 –so Gott will-
stattfindet.