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GRIECHISCH-ORTHODOXE METROPOLIE PRESSEMITTEILUNG |
Anlässlich des Ereignisses der Überschreitung 2000 Jahre seit der Geburt unseres Heilands Jesu Christi, fand zwischen dem 18. und 25. Juni 2000 die erste Weltkonferenz Orthodoxer Jugend in Konstantinopel unter der Schirmherrschaft und dem Segen Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios statt. Das Hauptthema der Konferenz, die im Rahmen einer Reihe von feierlichen Veranstaltungen anlässlich dieses Jubiläums des Ökumenischen Patriarchats organisiert wurde, war "Die Jugend in der Kirche des dritten Jahrtausend".
Ungefähr sechshundert junge Menschen aus verschiedenen Ländern des Globus folgten der Einladung nach Fanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel. In der Konferenz, die in vier verschiedenen Sprachen stattfand, nahmen junge Menschen aus allen orthodoxen Kirchen teil. Unter anderem waren mehrere Klöster, theologische Fakultäten und Institute, altorientalische und sonstige christliche Kirchen vertreten sowie internationale kirchliche Organisationen.
Bei dieser Konferenz nahm auch ich als eine der insgesamt acht offiziellen Vertreter der Griechisch - Orthodoxen Metropolie von Deutschland teil, wobei ich als Vertreterin der Orthodoxen Jugend in Bielefeld war. Im folgenden Bericht geht es um eine grobe Schilderung von dem, was wir während unseres Aufenthaltes in Konstantinopel erlebt haben.
Am Abend des 18. Juni, Pfingstsonntag in der orthodoxen Kirche, nachdem alle Konferenzteilnehmer in Bezug auf ihren Aufenthalt alles erledigt hatten, versammelten sie sich im Konferenzzentrum des Hilton Hotels. Nach einer kurzen Ansprache des Metropoliten von Sasima Gennadios wurde die offizielle Eröffnung der Konferenz von Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verkündet.
Nachdem Seine Allheiligkeit in seiner Ansprache die Anwesenden begrüßt und ihnen seinen väterlichen Segen gegeben hatte, sprach er über das Ziel der Konferenz, welches, wie er betonte, sich nicht darauf beschränkt, allein über die Jugendlichen zu reden, sondern vielmehr den offenen, konstruktiven Dialog mit ihnen zum Ziel hat, in Bezug auf Themen, mit denen sie sich auseinandersetzen und die sie auch weiterhin in der Zukunft beschäftigen werden. Und dies auf der Ebene, welche die geistige Entwicklung und Bildung der jungen Menschen fördert, damit sie schließlich zu voller Reife, zum Vollmaß der Gestalt in der Fülle Christi hingelangen mögen.
Des weiteren bezog sich Seine Allheiligkeit kurz auf die einzelnen
Themen, mit denen wir uns an den nächsten Tagen beschäftigen
würden. Diese Themen betrafen u.a. aktuelle Probleme sozioökonomischer,
kultureller, psychosozialer, theologischer, sowie ökologischer Natur,
wie z.B. die berufliche Orientierung der Jugendlichen, die Sprache, die
Beziehungen der Geschlechter, Krankheiten wie AIDS oder die Drogensucht,
die soziale Gerechtigkeit und die Menschenrechte, um einige davon zu erwähnen.
Schließlich beendete er seine Rede, indem er sich noch einmal auf
das jugendliche Alter bezog und den aus ihr entsprungenen Enthusiasmus
der Eingeladenen und betonte, dass Jesus Christus allein Spender der geistigen
Jugend sei.
Die folgenden Tage waren Tage intensiver geistiger Arbeit und Beschäftigung
mit den Themen der insgesamt zwölf Vorträge und Foren. Diese
Themen wurden von neunzehn hervorragenden Referenten und Referentinnen
dargestellt. Besonders intensive Diskussion haben die Themen über
Ordination und Mönchtum, die Sexualität, die Sprache,
die Erfahrungen der Jugendlichen als Mitglieder der Orthodoxen
Diaspora und das ökologische Problem hervorgerufen.
Nach den Vorträgen wurden offenstehende Fragen der übrigen Teilnehmer beantwortet. Die daraus entstandenen Diskussionen machten den lebendigsten Teil der Konferenz aus. Das Gespräch wurde auch über den Konferenzraum hinaus weiter fortgesetzt. In allen Diskussionen war sowohl der Eifer der jungen Menschen, die christlichen Tugenden im Alltag zu üben, offenbar, als auch ihre Bereitschaft für den Dienst am Nächsten. Manche dieser Diskussionen waren so intensiv, dass sie zwangsläufig unterbrochen werden mussten, damit wir uns überhaupt an den zeitlichen Rahmen halten konnten.
Wundervoll war für alle die Erfahrung unseres gegenseitigen Kennenlernens. Außer denen, die aus Deutschland kamen, lernte ich auch junge Menschen aus Amerika, Belgien, Simbabwe, Hong Kong und vielen anderen Ländern kennen, von denen ich nicht einmal wusste, dass bei ihnen die Orthodoxie vertreten ist. Wir waren so damit beschäftigt, uns kennenzulernen, Meinungen über die Vorträge und überhaupt Ideen auszutauschen, dass es manchmal vorkam, dass wir nicht mehr wussten, welche Sprache wir gerade sprachen. Wir waren z.B. Griechen unter Griechen und sprachen auf Englisch, weil wir kurz vorher mit denen aus Amerika sprachen.
Außer den Vorträgen war eine Reihe von Führungen durch Konstantinopel organisiert. Dichtbesiedelt und laut, mit ungefähr, wie gesagt wurde, 15 Millionen Einwohnern, unter denen etwa 2000 Griechen leben. Es beeindruckt einen nicht nur dieser Ort, sondern er ruft Ehrfurcht in einem hervor, welche bei mir persönlich die Gestalt von Freudentränen annahm, als ich da ankam, und Trauertränen als ich eine Woche später abreiste. Unter anderem besuchten wir die Chora-Kirche und natürlich die Hagia Sofia, die seit 1934 Museum ist und bewunderten die von unübertroffener Schönheit charakterisierten Mosaiken.
Außerdem besuchten wir das Patriarchat in Fanar. Großen Eindruck machte auf uns die Gestalt des Patriarchen, der nicht versäumt hatte, jeden von uns persönlich zu begrüßen und uns allen seinen väterlichen Segen zu geben. Uns überraschte seine Einfachheit und sein spontaner Humor, seine nachhaltige Erscheinung, seine Spontanität. Im Gebäude des Patriarchats hat uns der Diakon V. Elpidoforos geführt, der uns vieles in Bezug auf das Patriarchat und seine Geschichte erklärte. Wir waren enorm begeistert von dem, was wir gesehen und gehört hatten.
Wir haben außerdem das Kloster der Lebensspendenden Quelle von Baloukli besucht, das einer der bekanntesten Pilgerorte Konstantinopels ist und von dem man das berühmte heilige Wasser holen kann. Zum Museum von Nikaia, zum Topkapi - Serail u.a. sind wir auch gefahren. Dazu genossen wir eine Schifffahrt auf dem Bosporus, welche für uns unvergesslich bleiben wird. Wir sind unter den riesigen Brücken durchgefahren, die Europa und Asien verbinden. Wir wurden alle eine große Gruppe, wir haben gesungen, getanzt, gelacht, wir waren bewegt. Die Erfahrung, Mitglied einer solchen christlichen Gemeinschaft zu sein, sei es nur für eine Woche, ist ein seltenes und wertvolles Erlebnis. Das ständige Gefühl, dass die Kraft in einem zunimmt, und die Feststellung, dass dieses Gefühl auch in den Herzen der übrigen Anwesenden herrscht, füllt das Herz mit Freude. Als wir Abschied von einander nahmen, versprachen wir uns gegenseitig, uns nicht aus den Augen zu verlieren, sondern in Kontakt zu bleiben. Außer den sonstigen Versuchen, die unternommen werden, wird hier in Deutschland ein Treffen gegen Ende Oktober dieses Jahres in München geplant.
Ein großes "Dankeschön" verdienen alle, die an der Organisation der Konferenz beteiligt waren, und vor allem die Leute des Patriarchats, die uns in Konstantinopel ihre Gastfreundschaft gewährten. Die Organisation war perfekt und sie gaben uns dazu noch das Gefühl zu Hause zu sein. Dieses Gefühl war so stark, dass wir nicht mehr abreisen wollten. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg, nachdem wir allerdings den Wunsch geäußert hatten, uns nächstes Jahr wieder dort zu treffen, für die zweite Weltkonferenz orthodoxer Jugend. Die Konferenz endete in einer Atmosphäre voller Rührung und Euphorie, die, wie ich vermute, man nur in Konstantinopel zu erleben vermag.
Bielefeld, 20. August 2000