(Dortmund, 21. Oktober 2006)
* * *
Im Februar 1963 errichtete das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel unter dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland. Damit war die kirchenrechtliche Grundlage für die Organisation der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinden in Deutschland geschaffen. Daß eine solche in den folgenden Jahren geschehen konnte, ist vor allem den Männern zu verdanken, die sich in jenen Jahren zum priesterlichen Dienst in Deutschland entschlossen hatten, um ihren Landsleuten zur Seite zu stehen, die als damals sogenannte "Gastarbeiter" mit ihren Familien in die Bundesrepublik gekommen waren.
Zu diesen geistlichen "Pionieren" gehört V. Tilemachos Margaritis. Sein kirchlicher Aufbaudienst bezog sich aber nicht nur auf die Einrichtung der Gemeinden, auf Gottesdienste in nichtvorhandenen Kirchen, auf die Seelsorge und Sozialarbeit an den orthodoxen Landsleuten, - genauso einsatzfreudig wirkte er auch mit am höchst notwendigen Aufbau einer kirchlichen Zentralverwaltung mit einem korrekten Kirchenbuchwesen und einer geordneten Finanzverwaltung. Über viele Jahre hin versah er den Dienst des Generalvikars der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland.
Alle diejenigen von uns, die damals in dieser nicht leichten Arbeit standen, erinnern sich voll Dankbarkeit an die Bereitschaft der anderen christlichen Kirchen in Deutschland, uns zu helfen und unsere kirchliche Aufbauarbeit zu unterstützen. Der eigene kirchliche Aufbau nach der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg, die Integration von Millionen und Abermillionen von Flüchtlingen und Vertriebenen in die hiesige Gesellschaft lagen ja noch nicht allzulange zurück.
Allerdings hatte die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen hierzulande eine Voraussetzung, die für uns Griechen eine besondere Herausforderung bedeutete: Es ging um ökumenische Zusammenarbeit und um kirchliches Zusammenleben, woran wir von Griechenland her nicht gewöhnt waren. In die deutsche Ökumene wurden die orthodoxen Geistlichen und ihre Gemeinden ganz selbstverständlich aufgenommen, zumal bekannt war, daß die Mutterkirche der Griechen, das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, zu den Gründungskirchen der Ökumenischen Bewegung im 20. Jahrhundert gehörte. V. Tilemachos hat sich in dieser deutschen Ökumene, die nicht geringe Anforderungen in theologischer und kirchlich praktischer Hinsicht an alle Beteiligten stellte, geradezu beispielhaft bewährt. Mit seiner Familie - mit seiner Frau, die ihn nach Kräften unterstützte, und seinen vier Kindern, die alle als Griechen in Deutschland aufwuchsen - lebte er seiner Gemeinde vor, was eine gute und Vernünftige Integration ist und bedeutet. Nach über vierzig Jahren priesterlichen Dienstes in Deutschland kehrt V. Tilemachos Margaritis mit seiner Frau in die griechische Heimat zurück. Er ist nun frei von der Last eines Pfarramtes in der Diaspora, aber - wie wir ihn kennen - sicher nicht von der Verantwortung eines Christen und Priesters, Christus zu dienen ein Leben lang.
Er und seine Frau werden begleitet vom immerwährenden Dank seiner Gemeinde und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie, von den herzlichsten Wünschen für alle weiteren Lebensjahre und von den Gebeten, die göttlichen Schutz und reichen Segen für ihn und seine Familie von dem dreieinen Gott erflehen.
Wir nehmen von ihnen Abschied mit einem Wort des Apostels Paulus aus dem Römerbrief, das zugleich unsere Wünsche für sie zusammenfaßt: "Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes" (Rom.15,13).