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ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich der Fertigstellung der Ausmalung
des Hl. Apostel Paulus in Nürnberg

(13. Mai 2006)

Mit besonderer Freude begrüße ich Sie alle hier in unserer Kirche des Heiligen Apostels Paulus, um den Abschluss der Ausmalung dieser Kirche zu würdigen und dies mit Ihnen gemeinsam zu feiern. Die Anwesenheit so vieler Gäste aus Kirche und Gesellschaft zeigt, dass die „kleine Herde“ der orthodoxen Christen in Nürnberg und Umgebung nicht allein dasteht. Dafür danke ich Ihnen allen herzlich!

Gestatten Sie mir, Ihnen eine Begebenheit aus meiner Zeit als Gemeindepfarrer in Berlin zu erzählen. Der große russische Theologe Leo Zander war aus Paris gekommen, um über die Ikonen zu sprechen. Nach seinem profundem theologischen Vortrag trat ein junger Mann nach vorne - ich glaube, er war sogar Theologiestudent oder Vikar in jenen bewegten Jahren der Studentenrevolution - und meinte zum Redner: „Das war ja wohl ein überholtes Verständnis von Christentum, das Sie uns hier präsentiert haben! Was nützen einem bunte Bilder oder Holztafeln, wenn es darum geht, die Welt zu verändern!?“ Das ganze Auditorium hielt inne und war gespannt, was der Redner dazu sagen würde. Leo Zander lächelte freundlich und sagte dann zu seinem Kritiker: „Kommen Sie mich doch mal in Paris besuchen; nicht nur unsere Kirche, auch meine Wohnung ist voller Ikonen, voller heiliger Bilder und heiliger Gestalten. Und sie sind es, die mir Gesellschaft leisten. Und ohne sie könnte ich gar nicht existieren, ohne sie wäre ich allein.“ Und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Sie wissen ja, wenn man allein ist, kann man die Welt ja nicht verändern!“

Die Welt verändern oder verwandeln ist ein Thema, das den orthodoxen Christen sehr nahe liegt. Damit ist natürlich nicht die Weltrevolution gemeint, sondern das, was wir am Ende jeder Göttlichen Liturgie beten:

„Aus Himmel voller Licht erweist sich die Kirche
und ruft alle Gläubigen zur Freude.“

Diese Idee einer Einheit zwischen Himmel und Erde ist sozusagen das Grundmotiv jeder Kirchenausmalung nach orthodoxer Tradition - auch hier in Nürnberg. Dies ist ja nicht nur für unsere eigenen Gläubigen wichtig. Auch im ökumenischen Kontext ist es schön, das Wort Gottes in gemalter Form und gleichzeitig ein Anschauungsobjekt byzantinischer Kunst hier in Nürnberg zu besitzen. Denn bereits heute lässt sich sagen: Die Stadt Nürnberg hat eine neue Sehenswürdigkeit erhalten, auf die sie - lassen Sie es mich so sagen - durchaus stolz sein kann. Dass dies ein Ergebnis des Wirkens unserer orthodoxen Gemeinde an diesem Ort ist, zeigt meines Erachtens die gelungene Integration unserer Gläubigen in Nürnberg, genau wie in anderen Städten, wo ähnliches geschieht. Auch dafür möchte ich heute dem Pfarrer dieser Kirchengemeinde, Herrn Erzpriester Alexandros Tzatzanis, seinem Kirchgemeinderat und den vielen, vielen genannten und ungenannten Spendern, die diese Bild gewordene Theologie ermöglichten, von ganzem Herzen Dank sagen. Und so wünsche ich Ihnen allen den Schutz und Segen des dreieinigen Gottes!

Christos anesti!


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