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ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich der Fertigstellung der Ausmalung
der Kirche "Hagia Trias" in Bonn

(18. November 2001)

Mit besonderer Freude begrüße ich Sie alle hier in unserer Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit "Hagia Trias", um den Abschluss der Ausmalung dieser Kirche zu würdigen und dies mit ihnen gemeinsam zu feiern. Dass dieser Tag heute gleichsam in einer "heiligen Trias" begangen wird, indem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock ihre Freundschaft und Nähe zu unserer orthodoxen Kirche bezeugen, ist ein weiterer Grund zu großer und aufrichtiger Freude. Aber auch die Anwesenheit so vieler weiterer Gäste aus Kirche und Gesellschaft zeigt, dass die "kleine Herde" der orthodoxen Christen in Bonn und Umgebung nicht allein dasteht. Dafür danke ich Ihnen allen sehr herzlich.

Es ist schön, dass es gelungen ist, dieses Kirchengebäude nach Art und Weise der orthodoxen Kirche auszumalen. Es ist ja nicht nur im Ökumenischen Kontext wichtig, sozusagen ein Anschauungsobjekt byzantinischer Kunst aus der Hand des bedeutenden Malers Christophanis Voutsinas aus Thessaloniki hier in Bonn zu besitzen. Nein, auch für unsere eigenen Gläubigen ist die Ausmalung der Kirche eine ständige Quelle der Auseinandersetzung mit der Heilsgeschichte und der Lehre der Kirche. Dies bedeutet nicht, dass die orthodoxe Ikonenmalerei - wie vielfach behauptet - eine "biblia pauperum" sei, eine "Bibel der Armen" für jene, die weder materiell noch intellektuell in der Lage sind, das geschriebene Wort Gottes, die Heilige Schrift, zu lesen. Ganz im Gegenteil: Gerade die Ausmalung dieser Kirche zeigt, dass es materieller Opfer und intellektueller Anstrengung bedarf, um das Wort Gottes und das Kerygma der Kirche in gemalter Form zu erstellen und zu verstehen.

Der große spätbyzantinische Ausleger der orthodoxen Liturgie, der heilige Symeon von Thessaloniki schreibt: "Das Kirchengebäude ist das Abbild der von Gott gestifteten Kirche; es stellt dar, was auf Erden ist, was im Himmel ist und was über dem Himmel ist."

Man könnte also die Idee einer Einheit zwischen Himmel und Erde, die ursprünglich vorhanden war und durch das Heilswirken Jesu Christi wieder hergestellt wurde, als Grundmotiv jeder Kirchenausmalung bezeichnen:

Beginnend vom Pantokrator, dem Schöpfergott, dessen Hand alles schafft und erhält, in der Kuppel bis zum Boden auf dem, wir stehen, finden wir also eine Darstellung der Heilsgeschichte, wir erleben das Kommen Gottes in unsere Welt. Ausgehend von der kosmischen Liturgie, die in der Kuppeltonne dargestellt wird und den ewigen Lobpreis Gottes durch die Engel und Erzengel illustriert, sehen wir darunter die Gestalten der Propheten des Alten Bundes, welche das Kommen Christi erwarten und vorhersagen. In den vier sphärischen Dreiecken, welche die Kuppel mit dem Schiff verbinden, sieht man die vier Evangelisten, welche eben diese Heilsgeschichte aufschreiben. Und dieses Kommen Gottes in Seine Welt, Seine Menschwerdung ist dann in den Szenen der Verkündigung und der Geburt Jesu Christi, in Seinen Wundern, in Seiner Kreuzigung und Auferstehung dargestellt. Und mit Seiner Himmelfahrt und der Ausgießung des Heiligen Geistes ist die Geschichte nicht zu Ende: wir entdecken die Gestalten der Heiligen aus Ost und West, ja sogar die Bonner Stadtpatrone Kassius und Florentius, wir sehen Bischöfe und Märtyrer, Männer und Frauen. Und ganz unten ist das Chorgestühl, da gibt es den Platz des Bischofs und der Sänger und vieler anderer Gläubigen. Ein zeitgenössischer Theologe sagt: "Hier ist dein Ort. Hier in dieser langen Reihe von Zeugen und Verkündern des Reiches Gottes, hier ist noch ein Platz für dich frei. Hier gehörst du hin." So ist die Ausmalung einer Kirche Darstellung und Auftrag zugleich, Bericht und Aufforderung, gemalter Zuspruch und Auftrag zur Mission, zur "Liturgie nach der Liturgie".

Es wird Ihnen auffallen, dass der Hintergrund der Bilder dieser Kirche entweder der Goldgrund (wie bei der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit oben am Ostfries Ober dem Altarraum) oder das in der Maltechnik der sogenannten makedonischen Schule verwendete Blau ist, das in diesem Raum dominiert. Man könnte sagen: hier gelten nicht mehr die üblichen Gesetze der Perspektive und der dritten Dimension in der Malerei. Hier geht es vielmehr um das, was bei der Göttlichen Liturgie im "Hymnus der Cherubim" gesungen wird: "Wir bilden die Cherubim geheimnisvoll ab und singen der lebenschaffenden Dreieinigkeit den Lobgesang des Dreimalheilig, lasst uns jede irdische Sorge ablegen, denn wir werden den König des AlIs empfangen, Ihn, der von den Engelscharen unsichtbar begleitet wird."

"Lasst uns jede irdische Sorge ablegen!" bedeutet nicht ein Verschließen der Augen vor der Realität um uns herum. Der Satz "Jegliche soziale Aktivität ist dem orthodoxen Christentum fremd" ist und bleibt falsch. Der Ausgangspunkt für unser Tun ist aber nicht eigene Leistung und dumpfe Selbstverwirklichung. Es ist das "Empfangen des König des Alls" im Sakrament der Heiligen Eucharistie und in der Feier der Göttlichen Liturgie überhaupt. Und einen Teil dieser Feier, die den ganzen Menschen betrifft, stellen neben dem gesprochenen und gesungenen Wort Gottes auch die Bilder dar, die man als "gemaltes Wort Gottes" oder als "gemalte Verkündigung" bezeichnen könnte.

Anders gesagt: es geht bei der Ausmalung einer orthodoxen Kirche stets um die Darstellung einer anderen Realität als jene, die wir üblicherweise "in der Welt" wahrnehmen. Und das Schauen dieser Bilder bedeutet für uns Annahme der Schöpfung als Geschenk Gottes, denn nicht die Perspektive des Menschen steht im Mittelpunkt, sondern die Perspektive Gottes.

In diesem Sinne bitte ich Sie nun, diese Bilder zu betrachten. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, Ihnen eine detaillierte Erklärung aller Malereien dieser Kirche zu geben. Vielleicht haben Sie ja im Anschluss etwas Zeit, dich die einzelnen Bilder und Szenen anzuschauen und erklären zu lassen.

Sie werden bei Ihrer Besichtigung der Ausmalung feststellen: die Bundesstadt Bonn hat eine neue Sehenswürdigkeit erhalten, auf die sie - lassen Sie es mich so sagen - durchaus stolz sein kann. Dass dies ein Ergebnis des Wirkens unserer kleinen orthodoxen Gemeinde an diesem Ort ist, belegt meines Erachtens die gelungene Integration unserer Gläubigen in Bonn, ebenso wie in anderen Städten. Es gilt also auch hier der Satz: aus Fremden werden Mitbürger.

Es bleibt mir, dafür dem Pfarrer unserer Bonner Kirchengemeinde, Erzpriester Sokratis Ntallis und seinem Kirchengemeinderat sowie den vielen genannten und ungenannten Spendern, die diese Bild gewordene Theologie ermöglichten, meinen Dank und meinen Glückwunsch aussprechen.

Gestatten Sie mir, meine Ausführungen mit jenem Hymnus zu schließen, der am Ende jeder Göttlichen Liturgie unserer Kirche steht:

"Als Himmel voll Licht erweist sich die Kirche,
und ruft alle Gläubigen zur Freude:
in ihm stehen wir und rufen:
Befestige dieses Haus, o Herr!"
Amen.


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