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ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

ANLÄSSLICH der Beerdigung
von Frau Dr. Hildegard ANNA Zimmermann

(Berlin, 13. September 2007)

* * *

Verehrte Trauergemeinde,

„Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“ (Offb 2,10)

Unter diesen Bibelspruch habe ich vor einigen Tagen die Todesanzeige für die verstorbene Frau Dr. Zimmermann gesetzt, weil ich überzeugt bin, dass dieses Wort der Offenbarung wie kein anderes über der Lebensleistung dieser außergewöhnlichen Frau stehen kann.

Wie Sie wissen, wurde Frau Dr. Zimmermann vor etwa 35 Jahren von meinem Vorgänger, Metropolit Irineos, als Mitarbeiterin in der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland angestellt, und diese Tätigkeit hat sie buchstäblich „getreu bis an den Tod“, wie es in der von ihr so geschätzten Übersetzung Martin Luthers heißt,  wahrgenommen. Sie hat dabei durch ihr fundiertes theologisches Wissen und ihren Fleiß schon bald eine maßgebliche Position in unserer Metropolitanverwaltung erreicht, die sich durch keine – wie immer geartete – Arbeitsplatzbeschreibung hinreichend beschreiben lässt. Durch ihren Rat und ihre Kompetenz nahm sie nämlich eine Aufgabe wahr, die ich in gewisser Weise als kirchenleitende Tätigkeit bezeichnen möchte; ihrem eigenen Bekenntnis stets treu verbunden hat sie damit der jungen Griechisch-Orthodoxen Metropolie einen unschätzbaren ökumenischen Dienst erwiesen. Nennen Sie mir eine andere Kirche in unserem Land, in der ein Konfessionsfremder eine derartige Schlüsselstellung in einer anderen Kirchenkanzlei innehat, und das über drei Jahrzehnte! Lassen Sie es mich mit der klassischen Formel sagen: Frau Dr. Zimmermann hat sich um die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland verdient gemacht. 

„Sola scriptura!“ Diesem Prinzip der Reformatoren hat sich die Verstorbene als lutherische Pastorentochter und Theologin in besonderer Weise verpflichtet gefühlt. Dies begann bei der morgendlichen Lektüre der Herrnhuter Losungen, und dies endete bei der fundierten biblischen Exegese, die Frau Dr. Zimmermann häufig vornahm. In gleicher Treue „bis an den Tod“ war sie eine regelmäßige Besucherin unserer Gottesdienste, die in der Kirche der Metropolie stattfinden.

Und „getreu bis an den Tod“ war auch Ihre Arbeitsauffassung. Sie einen „Workaholic“ zu nennen, hätte ihr nicht gefallen, nicht zuletzt weil ihr jede Verhunzung der deutschen Sprache durch Anglizismen ein Gräuel war. Ich glaube, der Begriff einer „bedingungslosen Loyalität“ trifft den Sachverhalt besser; bedingungslos deswegen, weil sie in ihrer Arbeitsmoral keine Begrenzungen durch einen frühen Feierabend duldete; das Neue Testament nennt diese Art des Dienstes „diakonia“.

Ich selbst nehme heute Abschied von meiner engsten Mitarbeiterin, mit der ich buchstäblich „Tür an Tür“ 35 Jahre zusammenarbeiten durfte. „Getreu bis an den Tod“ hat sie bis vor einigen Tagen in unserem Haus gearbeitet. Im orthodoxen Trauergottesdienst gibt es einen Hymnus, der in ganz besonderer Weise die Plötzlichkeit des Todes zum Ausdruck bringt. Und gleichzeitig spricht aus dem Hymnus eine Zuversicht, die auch zu der Glaubenstreue unserer Verstorbenen passt.

„Die ihr mich hier sprachlos und ohne Odem liegen seht, weinet über mich, Geschwister und Freunde, Verwandte und Bekannte: Denn gestern noch habe ich mit euch Gespräche geführt und plötzlich überfiel mich die furchtbare Stunde des Todes. So kommt denn alle, die ihr mich geliebt, und küsst mich mit dem letzten Kuss! Nicht mehr werde ich mit euch umherwandeln, noch mit euch Gespräche führen; ich gehe hin zu dem Richter, bei dem kein Ansehen der Person gilt; dort stehen gemeinsam der Knecht und der Gebieter, der Herrscher und der Söldner, der Reiche und der Arme, alle in gleicher Würde; denn ein Jeglicher wird nur nach den eigenen Werken Ruhm oder Schmach finden. Euch alle aber bitte und flehe ich an: Betet unablässig für mich zu Christus unserem Gott, damit ich nicht wegen meiner Sünden hinabgeführt werde zu einem Ort der Qual, sondern dass Er mich dorthin stelle, wo das Licht ist.“

Ja, das ist unser Gebet in dieser Stunde, im Vertrauen auf den treuen Herrn über Leben und Tod! Mit dem Hebräerbrief bekennen wir: „Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, denn ER ist treu, der sie verheißen hat.“ Amen.


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