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ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

bei der Übernahme der neuen Griechisch-Orthodoxen Kirche
zu Hamburg

(10 Dezember 2006)

* * *

Sehr geehrte Frau Bischöfin, liebe Frau Jepsen,
sehr geehrter Herr Präsident der Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Generalkonsul von Griechenland,
sehr geehrter Herr Generalkonsul von Zypern,
sehr geehrter Herr Oberkirchenrat,
sehr geehrte Pröbstinnen und Pröbste,
liebe Mitglieder der Hammer Gemeinden,
liebe Schwestern und Brüder, 

1. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt. 18,20), wir aber haben uns heute hier in einer weit größeren Anzahl im Namen des Dreifaltigen Gottes versammelt, um zu danken; einerseits für die Verwirklichung des lang ersehnten Wunsches unserer Hamburger Kirchengemeinde, eine eigene Kirche zu erwerben und andererseits allen denjenigen  unseren Dank auszusprechen, die daran beteiligt waren, dass dieser Wunsch in Erfüllung ging.

Im Griechischen nennen wir die Kirche als Institution „EKKLISIA“; wenn wir vom Kirchengebäude  sprechen, sagen wir „NAOS“.

Dieser Begriff kommt vom Verb „Ναίω“, welches „Ich wohne“ bedeutet. Er bezeichnet also eine Wohnung, hauptsächlich aber die Wohnstatt Gottes. So konnte in vorchristlicher Zeit der Tempel in Jerusalem als NAOS bezeichnet werden, galt doch das Allerheiligste dort als die Wohnstatt Gottes.

Im Gespräch mit der Samariterin sagt Jesus allerdings zu ihr: „Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet... Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (vgl. Joh 4, 19ff.) Und Paulus sagt in seiner Areopag-Rede zu den Athenern „Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.“ (Apg 17,24).

Es ist die feste Auffassung der Alten Kirche, dass durch die Menschwerdung Christi, die wir in einigen Tagen wieder feiern werden, Gott nicht nur an einem bestimmten Ort wohnt; der verstorbene Erzpriester Ambrosius Backhaus pflegte immer wieder den Zusammenhang zwischen dem Vorhang im Tempel zu Jerusalem und der Ikonostase der orthodoxen Kirche zu betonen: in der Todesstunde Jesu zerriss der Vorhang, Gott ist in die Welt gekommen, er ist nicht mehr unsichtbar und verborgen, sondern mitten unter uns.

2. Mitten unter uns, „wo wir in Seinem Namen versammelt sind“ ist der Herr, wenn wir sein Wort hören und auslegen, wenn wir die heiligen Sakramente der Kirche feiern, insbesondere das Sakrament der Heiligen Eucharistie und daran teilnehmen; kurz: wenn wir Gott anbeten und lobpreisen. Orthodoxie heißt ja nicht nur „rechter Glaube“, sondern auch „rechter Lobpreis“ Gottes.

In diesem Sinn ist das Kirchengebäude nicht nur der Mittelpunkt des Lebens der Gemeindemitglieder und grundsätzliche Voraussetzung für die Seelsorge an ihnen, sondern auch der Ort, an dem unser alltäglicher und irdischer Lobpreis Gottes und die kosmische Liturgie der himmlischen Heerscharen zusammentreffen. Hier ist der Ort, wo der „Himmel die Erde umarmt“, wie es Simeon von Thessaloniki ausdrückt.

3.In Hamburg versucht unsere Metropolie schon seit Jahrzehnten geeignete Räume für unsere Kirchengemeinde zu finden. Heute haben wir das Glück und die Freude, diese Kirche aus Ihren Händen, den Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen Kirche entgegenzunehmen und unser Eigen nennen zu dürfen.

Die Verhandlungen über den Kauf des Gebäudes hatten im Januar 2002 begonnen und sind durch diverse Stadien gegangen, darunter waren Zeiten voller Hoffnung und andere der Hoffnungslosigkeit, welche aber mit Gottes Hilfe einen guten Ausgang genommen haben.

Wir sind glücklich, dass dieses Gebäude nicht abgerissen wurde, sondern weiterhin seine Funktion als Kirche behält und ein Ort zur Anbetung Gottes durch gläubige, arbeitsame, freundschaftlich gesinnte Menschen, verbleibt, die für das Land, das ihnen seit Jahrzehnten Gastfreundschaft gewährt, großen Respekt  hegen.

Am 09. März 2005 wurden die Verträge unterschrieben und am 03. April, genau 50 Jahre, nach  Gründung der Kirchengemeinde in Hamburg, fand unser Einzug statt. Am 8. April 2005 konnten wir die erste Göttliche Liturgie hier feiern. Es folgten seitdem große Sanierungsarbeiten im Inneren und Äußeren der Kirche, die mit Hilfe der Gemeindemitglieder durchgeführt wurden und deren Ergebnis Sie heute sehen können.

4. Nach dem Dank an den dreifaltigen Gott gilt es nun auch den Menschen zu danken, den Gläubigen dieser Kirchengemeinde für ungezählte Stunden freiwilliger und ehrenamtlicher Arbeit, für ihre Spenden und die sonstige Unterstützung ihrer Kirchengemeinde. Unser Dank gilt unserem Pfarrer Erzpriester Georgios Manos, der zunächst in der Assistenz des damaligen Pfarrers, Vater Sotirios, und später als Vorsteher dieser Gemeinde, zur Verwirklichung dieses Traumes der Hamburger Griechen beigetragen hat. Gemeinsam mit seiner Familie hat er dieses Kreuz getragen und ich beglückwünsche ihn heute ganz herzlich. Unser Dank gilt Ihnen allen, die Sie in unterschiedlichen Funktionen und auf unterschiedliche Art und Weise dieses Projekt unterstützt haben. Gestatten Sie mir, dass Sie nicht einzeln namentlich erwähne – mit einer Ausnahme: Ich möchte Ihnen, sehr geehrte Frau Bischöfin Jepsen, ganz besonders danken und damit spreche ich auch für die Mitglieder unserer Gemeinde hier, dass Sie unserer griechisch-orthodoxen Kirche in Hamburg stets mit freundlicher Gesinnung und Liebe begegnet sind. Dadurch wurde all das, was wir heute feiern, erst möglich!

5. So grüße ich Sie, verehrte Frau Jepsen, und alle Anwesenden im Namen dessen, der „mitten unter uns“ ist. In Seinem Namen wird das gute und friedliche Zusammenleben mit den anderen Gemeinden in Hamburg Hamm weitergehen und noch intensiver werden. Als Metropolit des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel überbringe ich Ihnen allen die Segenswünsche des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und grüße Sie in der Liebe Jesu Christi. Amen.


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