[Zurück zur vorigen Seite]


ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich des Vespergottesdienstes in der Kirche
„Entschlafen der Gottesmutter“ (Alt St. Heribert)
zu Köln

(20. Oktober 2007)

* * *

Im Jahr 1987 wurde im Kloster Simonos Petras auf dem Heiligen Berg Athos mit der Ausgabe eines mehrbändigen Werkes begonnen, die 1996 ihren Abschluss fand. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Synaxarion, das heißt um einen ausführlichen Kalender, der nicht nur die Namen der an einem bestimmten Tag im Kirchenjahr gefeierten Heiligen, sondern auch ihre Vita – zumindest in Kurzform – wiedergibt. Derartige Synaxarien hat es im Verlauf der Kirchengeschichte immer wieder gegeben, das Neue an dieser Ausgabe, die im übrigen vor kurzem auch ins Deutsche übersetzt wurde, war, dass neben den Heiligen der Frühzeit und der byzantinischen Zeit auch die so genannten Neumartyrer der Türkenzeit sowie die wichtigsten Heiligen der Kirchen von Russland, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Georgien usw. sowie jene, deren Verehrung in jüngster Zeit von der Kirche anerkannt worden ist, hinzugefügt wurden.

Zum ersten Mal in einer orthodoxen Heiligenleben-Sammlung wurde auch eine Anzahl von westlichen Heiligen aufgenommen, die vor der Grossen Kirchenspaltung des Jahres 1054 lebten. Vater Makarios, der Herausgeber des Synaxarions bemerkt hierzu: „Hier jedoch standen wir vor einem nicht geringen Problem, besitzen wir doch keinen offiziellen orthodoxen Katalog der westlichen Heiligen. Das Datum von 1054 ist allzu willkürlich, um als Auswahlkriterium gelten zu können, denn die abweichenden Auffassungen betreffend Theologie, Heiligkeit und Spiritualität traten im Westen lange vor dem Schisma auf In Ermangelung objektiver Kriterien und eines offiziellen Entscheids der Kirche zur Frage, welcher dieser Heiligen „orthodox" ist und welcher nicht, beschränkten wir unsere Auswahl auf die Zeit vor der Herrschaft Karls des Grossen (768-814).“ Und er fährt fort: „Das bedeutet selbstverständlich keinen Vorentscheid über die Heiligkeit der Heiligen des Westens, die zwischen dem Ende des 8. und dem 11. Jahrhundert lebten, doch wird es wahrscheinlich erst nach einer langen Reifung der orthodoxen Gegenwart im Westen und einer sorgfältigen Untersuchung jedes einzelnen dieser Heiligen möglich sein, einen orthodoxen Kalender des Westens zu erstellen.“

So kommt es, dass der heilige Heribert von Köln nicht in diesem Synaxarion auftaucht, obwohl wir orthodoxen Christen in Deutschland und ganz besonders hier in Köln von der Rechtgläubigkeit seines Denkens und von der Heiligmäßigkeit seines Lebens überzeugt sind. Ohne einer gesamt-orthodoxen Entscheidung vorgreifen zu wollen, war es kein Problem für uns, diese Ikone anfertigen zu lassen – ein Privileg, das bekanntlich nur einem Heiligen zusteht – und sie heute zu segnen. Und da der heilige Heribert über kein eigenes Apolytikion, d.h. keinen eigenen Festhymnus, in unserem Kalender verfügt, wurde eigens für den heutigen Tag, dieser Hymnus gedichtet und erstmals gesungen. In deutscher Übersetzung lautet er:

„Als guter Oberhirte Kölns hast du dich erwiesen,
und wurdest durch dein heiliges Leben geschmückt,
weiser Heribert,
wahrer Hirte und Lehrer der Mönche,
Stütze der Kirche, Gefäß des Parakleten,
bitte nun ohne Unterlass,
dass unsere Seelen Erbarmen finden.“ 

Eine gesegnete Fügung hat es mit sich gebracht, dass in unserem Vespergottesdienst einer weiteren Heiligen gedacht wurde, der Stadtpatronin Kölns, der heiligen Ursula, deren morgiger Gedenktag mit dem heutigen Vorabend beginnt. Auch für sie und ihre Gefährtinnen, die heute zum ersten Mal in dieser Form in unserer Kirche gefeiert wurden, haben wir einen neu gedichteten Hymnus gesungen. Seine Übersetzung lautet. 

Von Gott gesammelte, heilige Heerschar,
ihr habt rechtmäßig gekämpft zur Ehre Christi
im Heiligen Geist.
Märtyrerinnen und Jungfrauen,
mit der ehrwürdigen Ursula,
ihr habt durch eure Kämpfe
die Belagerung der Feinde vernichtet,
bittet zu Christus, unserem Gott
für unsere Seelen.

 So wird, hochverehrter Herr Kardinal, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, in dieser Kirche das Lob Gottes in seinen Heiligen fortgesetzt; Ost und West begegnen sich hier erneut und ständig. Diese Kirche, die wir unter das Patrozinium des Entschlafens der Gottesmutter gestellt haben, ist ein Ort der alten ungeteilten Kirche geblieben! Deo gratias!


[Zurück zum Seitenanfang]

[Zurück zur vorigen Seite]