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„Auf, werde licht!
Denn es kommt dein Licht“

ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich einer Vesper am 6. Januar 2000 in Allerheiligen,
mit Kardinal  Friedrich Wetter und Landesbischof Friedrich,
im Rahmen der ökumenischen Veranstaltungen in München

* * *

Vor einigen Jahren erschien in einer großen deutschen Tageszeitung die Fotomontage eines Bildes der ganzen Welt, und man konnte darauf die Gebiete sehen, die dank der Elektrizität auch nachts taghell waren, - vor allem in Japan,  Amerika und Europa. Die übrige Welt war nahezu in Finsternis versunken.

Dieses Dunkel über den Völkern erinnerte mich sofort an das Prophetenwort von der Finsternis über dem  Erdreich, dem aber der Aufgang der strahlenden Herrlichkeit des Herrn verheißen ist. In der Zeitung ging es natürlich um  das, was Menschen geschaffen haben, es ging um die Ausbreitung des elektrischen Stroms, den Lenin einst als unabdingbares Element des sozialistischen Paradieses auf Erden verstand.

Für uns Christen geht es allerdings bei der Rede vom Licht der Welt um etwas ganz anderes. Die innerweltliche  Erscheinung des Lichtes ist für uns nichts als ein schwaches Abbild der "ewigen und über alle Maßen wichtigen  Herrlichkeit" Gottes, von der uns in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments gesprochen wird. Bereits für  den Frommen des Alten Bundes ist noch der Abglanz des Lichtes auf Gottes Angesicht nicht zu ertragen. Doch wussten  diese Menschen, dass Gottes Licht für sie Heil und Wahrheit, Gesetz und Gerechtigkeit ist, - ein Licht, das ihnen auf  ihrem Wege leuchtet. Und sie wussten um die verheißungsvolle Hoffnung, dass dieses alles überstrahlende göttliche Licht  ihnen einmal erscheinen wird, dass sie hineingenommen werden in dieses Licht und selbst Licht werden.

„Auf, werde licht! Denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Finsternis  bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint  über dir.!“ (Jes 60,1-3).

Dieser alte Heilsspruch des Propheten ist heute so aktuell wie einst zur Zeit des Perserkönigs Kyros. Von diesem Wort göttlicher Verheißung lassen auch wir uns rufen und mahnen, wenn wir im Jahr 2000 der christlichen  Zeitrechnung der Geburt Jesu Christi gedenken, der von sich sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8,12).

Mit der Menschwerdung Gottes ist wahr geworden, was einst versprochen wurde. Das ewige göttliche Licht ging  ein in diese Welt, es leuchtet hinein in das Dunkel und die Finsternisse unserer Zeit und unseres Lebens. Es bringt uns den  Glanz der Herrlichkeit Gottes und will uns erleuchten. "Gott hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten und hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der  Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi", schreibt der Apostel (2Kor 4,6).

Auf, werde licht! Dein Licht ist gekommen! Diese Worte haben nichts mit einer Lichtmystik zu tun und sind auch  nicht nur Ausdruck einer feierlichen kirchlichen Stimmung, vielmehr weisen sie uns auf die Realitäten unseres Christenlebens hin. Das Apostelwort will uns in unserem Alltag treffen und nicht nur in erhebenden Peierstunden. Im Epheserbrief (5,8) sagt uns derselbe Apostel: „Vormals wart ihr Finsternis, nun aber seid ihr ein Licht im Herrn!“ Es hat sich also tatsächlich etwas bei uns geändert: Mit der Menschwerdung Gottes und der Rettung durch Christus sind wir der Finsternis entrissen und in das Gottesreich versetzt worden. Nun sind wir Kinder des Lichts und sollen "wandeln wie die Kinder des Lichts - die  Frucht des Lichtes ist lauter Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit- und prüfen, was dem Herrn wohlgefällig ist" (Eph 5,9).

Am Ende des zweiten Jahrtausends gilt wie am Anfang unserer Zeitrechnung der Ruf Jesu Christi zur Nachfolge.  Die Gnade Gottes schenkt uns immer wieder die Möglichkeit des Neuanfangs. Nehmen wir doch diese Chance war!  Machen wir uns auf! Lassen wir uns mehr und mehr durchdringen von göttlichem Licht und Leben! Christus selbst ruft uns zu. „Ihr seid das Licht der Welt ... euer Licht soll leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen!" (Mt 5,16).

Als Christen brauchen wir nicht zu fürchten, dass wir mit den guten Vorsätzen, die wir zu Beginn eines neuen  Jahres fassen, scheitern werden. Der dreieinige Gott hat uns hinein genommen in Seine Wirklichkeit und wir brauchen nur auszuleben, was Er uns zuvor schenkte. Er will und wind uns die Kraft verleihen, mitzuwirken an der Heilsgeschichte  der Welt. Folgen wir deshalb dem Wort des Apostels: „Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche  Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkünden sollt die Wohltaten des, der euch  berufen hat ??n der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht!“ (1Petr 2,9).

Quelle: St. Andreas-Bote, Februar 2000
 


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