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ANSPRACHE

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich der Verleihung des "Rheinlandtalers"
an H.H. Erzpriester Sokratis Ntallis

(Bonn, 29. September 2001)

Mit großer Freude erlebe ich diese Veranstaltung des Landschaftsverbandes Rheinland, auf der einem Geistlichen unserer Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland der "Rheinlandtaler' verliehen wird.

Erzpriester Sokratis Ntallis ist der Pfarrer unserer Griechisch-Orthodoxen Kirchgemeinde Agia Trias in Bonn, und er lebt seit nahezu vierzig Jahren in Deutschland, davon die längste Zeit im Rheinland, in Bonn.

Obwohl V. Sokratis ganz bewusst Grieche und orthodoxer Christ und Priester ist, sich voll für seine griechischen Landsleute und Gemeindeglieder einsetzt und sich mit ihnen eins weiß, sind seine Familie und er seit langer Zeit in Deutschland heimisch geworden und haben einen großen deutschen Bekannten- und Freundeskreis. Diese griechisch-orthodoxe Pfarrersfamilie ist ein Beispiel gelungener Integration - wie man das heute nennt -, als solche auch ein Vorbild für seine Gemeinde.

Dieses Hineinwachsen und sich Einfügen in die fremde Lebenswelt sowie in die ökumenische Gemeinschaft mit den christlichen Schwestern und Brüdern in den deutschen Kirchengemeinden fällt niemandem in den Schoß, vielmehr bedarf es einer großen Lernfähigkeit und unausgesetzter Bemühung um das Verstehen der anderen. Aber es muss auch das Wissen um die griechisch-orthodoxe Identität erhalten bleiben und gepflegt werden, damit sich ein gegenseitiges Verständnis entwickeln kann.

Erzpriester Sokratis Ntallis gehört zu den Griechen, denen das sehr gut gelungen ist. Die Verleihung des "Rheinlandtalers" durch den Landschaftsverband Rheinland an V. Sokratis beweist außerdem, dass es ihm gelang, seine Integration in die Öffentlichkeit einzubringen und für den kulturellen Austausch nutzbar zu machen.

Ich gestehe offen, dass ich bis zu diesem Ereignis der Rheinlandtaler-Verleihung an V. Sokratis nicht wusste, was der Rheinlandtaler überhaupt ist. Es war für mich - und nicht nur für mich -, keine geringe Überraschung, dass der Rheinlandtaler selbst das Ergebnis einer gegenseitigen kulturellen Durchdringung ist. Auf seiner Vorderseite zeigt er das Haupt einer Medusa, nachgebildet einem in Stein gemeißelten Schutzzeichen vom Beginn des 3.Jhdts.n.Chr., das man in der Nähe von Euskirchen fand.

Ein solches antikes griechisches Symbol ist natürlich für uns Griechen nichts Unbekanntes. Vor dem modernen Migranten taucht in der Fremde plötzlich etwas Bekanntes auf, und das alte Kulturland am Rhein gibt uns das vertraute Gefühl eines vorweggenommenen vereinigten Europa.

In diesem Sinne grüße ich die hier Versammelten. Ich danke dem Landschaftsverband Rheinland für seine Initiativen und Aktivitäten, die die ausländischen Mitbürger unvoreingenommen mit einschließen. Und ich sage auch einen Dank an meine Landsleute dafür, dass sie sich selbstverständlich am kulturellen Leben der Region, in der sie jetzt wohnen, beteiligen und dabei anbieten, was sie aus ihrer Heimat an Frömmigkeit und Kultur, an Sitten und Gebräuchen mitgebracht haben.

Im Zusammenwirken von Deutschen und Griechen geht es nicht um einen multikulturellen Pluralismus, sondern um ein Zueinanderfinden auf einer kulturellen Basis, die stets vorhanden war, - manchmal zwar verdeckt, in glücklichen Augenblicken aber wiederentdeckt wurde und jeden von uns bereicherte.

Uns allen wünsche ich für ein ungestörtes und erfolgreiches Zusammenleben und -arbeiten Gottes Schutz und reichen Segen!

Metropolit Augoustinos von Deutschland
und Exarch von Zentraleuropa


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