Ehrwürdige Priester, geliebte Gläubigen, liebe Kinder!
Mein heutiger Besuch bei Ihnen geschieht aus Anlaß des zehnjährigen
Bestehens dieser Gemeinde, das Sie in diesem Jahr feiern. Ich freue mich deshalb,
heute hier sein zu können, um gemeinsam mit Ihnen die Göttliche
Liturgie zu feiern.
Als Sie diese Gemeinde seinerzeit gegründet haben, haben Sie als Namen und Patrozinium das Fest der „Auferstehung des Herrn“ gewählt.
Dies ist kein zufälliges Datum für eine christliche Kirchengemeinde, insbesondere für eine orthodoxe Kirchengemeinde.
Ostern ist schließlich das Fest der Freude darüber, daß das Leben den Tod besiegt hat. Alle orthodoxen Christen in der ganzen Welt empfangen in der Osternacht das heilige Licht; sie singen das Ostertroparion "Christus ist erstanden", sie nehmen teil am Gottesdienst der Osternacht und kehren erfüllt von Glaube, Hoffnung und Liebe in ihre Häuser zurück, um dort an der festlichen Tafel das Fest der Freude fortzusetzen.
Der heilige Apostel Paulus sagt uns, daß unser Glaube bedeutungslos und alles sinnlos wäre, wenn Christus nicht von den Toten auferstanden wäre. "Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube leer, dann seid ihr noch in euren Sünden" (1 Kor 15,17). Doch hören wir jeden Sonntag und bei jeder Göttlichen Liturgie, wie die Hymnen unserer Kirche den Sieg Christi besingen: Er hat den Tod getötet. Er hat die Kraft seiner Herrschaft vernichtet und getilgt. Er hat ihn erbittert und aufstöhnen lassen. Er hat sein Herz verwundet. Er hat seine Fundamente erschüttert. Er hat unsere Fesseln gesprengt. Er hat uns aus der Verwesung befreit. Er hat die Gräber geleert und uns aus der Finsternis ins Licht, aus dem Tod ins Leben, von der Erde in den Himmel versetzt. Er hat uns die wahre Erlösung geschenkt. Seine allen Trost schenkende Verheißung hat sich als wahr erwiesen: "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20).
Nach der Auferstehung Christi ist nichts mehr so, wie es vorher war. Der Tod hat seine absolute Macht verloren. Die Ewigkeit, die die Menschen aller Zeiten unterschiedslos ersehnen, ob sie es eingestehen oder nicht, ist nicht länger ein trügerischer Traum, sondern handgreifliche Wirklichkeit. Für Verzweiflung ist kein Raum mehr in unseren Herzen. Christus selbst gibt uns die Gewißheit: "Wer mein Wort hört und Dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist schon vom Tod zum Leben übergegangen" (Jo 5,24). Diese Gewissheit und dieser tiefe Glaube hat den Menschen in Ihrer Heimat geholfen, die schlimmen Jahre des Kommunismus zu überstehen.
Wie ich Ihnen bereits bei meinem letzten Besuch gesagt habe, hatte ich die Gelegenheit, diesen Glauben der Menschen in Rumänien persönlich zu erleben, als ich im September 1987 Seine Allheiligkeit, den damaligen Ökumenischen Patriarchen Dimitrios auf seiner Reise durch Rumänien begleiten durfte.
So ist dieser Name Ihrer Gemeinde gleichzeitig ein Glaubensbekenntnis ihrer Mitglieder. Ihnen allen möchte ich zu Ihrem Jubiläum gratulieren und Sie in Ihrem Auferstehungsglauben bestärken. Und wie bei meinen früheren Besuchen in dieser Gemeinde oder auch in Frankfurt, Freiburg oder Düsseldorf, möchte ich Sie auch heute ermutigen und auffordern, ihre rumänische Identität zu bewahren. Nur wer sich seiner eigenen Herkunft bewusst ist, kann in seiner neuen Umgebung Wurzeln schlagen, ja, dann kann sogar das Land, in dem er lebt, zu seiner neuen Heimat werden.
Insbesondere möchte ich Vater Vasile Molnar für seinen langjährigen Dienst in unserer orthodoxen Kirche in Deutschland und Frankreich danken. Mein Dank richtet sich in gleicher Weise an seine Ehefrau und seine Kinder.
Ein weiterer Dank geht an die Mitglieder des Kirchengemeinderates und des Frauenkomitees. Ich habe mir gestattet, Ihnen diesen Dank in schriftlicher Form mitzubringen und ich werde die Dankesurkunden den Mitgliedern beider Gremien dann überreichen.
Gestatten Sie mir aber zuvor, die Vertreter der anderen Kirchen dieser Stadt herzlich zu grüßen. Ich tue dies, indem ich die orthodoxen Christen von Saarbrücken, unabhängig von Ihrer Nationalität, auffordere, auf dem Weg der ökumenischen Zusammenarbeit weiterzugehen. Und ich erbitte für Sie alle Gottes reichen Segen.