Liebe orthodoxe Gläubige in Deutschland,
In wenigen Tagen beginnt die Große und heilige Fastenzeit. Was heißt das: Große Fastenzeit? Die Große österliche Fastenzeit ist eine Zeit der Vorbereitung auf die Feier des hierzulande Osterfest genannten heiligen Pas’cha, d. h. der Feier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn. Und was heißt, in diesem Zusammenhang •Vorbereitung"? Um Euch das zu verdeutlichen, erinnere ich Euch an die Vorbereitung der Athleten zu den Olympischen Spielen, die noch lange vor Beginn der Spiele die größten Anstrengungen unternehmen, um stets auf der Höhe ihrer erstklassigen körperlichen Kondition zu bleiben und ihre Bestform zu erreichen, insbesondere dann, wenn sie sich Chancen ausrechnen, auf einen der ersten Plätze zu gelangen. Es ist ganz und gar ausgeschlossen, dass jemand von ihnen den Siegeskranz -modern gesagt eine Medaille - gewinnt, ohne sich dem strengen Reglement des Wettkampfes zu unterwerfen.
So ähnlich sollten wir uns die Große Fastenzeit vorstellen, Alle orthodoxen Christen, also wir alle, ähneln diesen Kämpfern. Unser Ziel ist die würdige und reale Teilhabe an der Auferstehung Christi; In Ihm den Sieg des Lebens über den Tod, den Sieg der Hoffnung über die Verzweiflung, den Übergang von der Welt in das Reich Gottes zu erfahren!
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen auch wir uns bemühen und geistlich ins Schwitzen geraten, um uns mithilfe derjenigen Mitte! vorzubereiten, die unsere heilige Kirche uns an die Hand gibt. Welche Mittel sind das?
1. Das gewissenhafte Fasten, das uns befähigt, unseren Leib von
neuem ais Tempel des Heiligen Geistes zu entdecken -
2. das inständige Gebet und die häufige Teilnahme an den
Gottesdiensten der Fastenzeit in unseren Gemeinden -
3. die aufrichtige Buße, die Korrektur unserer Fehler und die
unerschütterliche Entscheidung, unser Leben zu ändern -
4. das ungeschönte Bekenntnis unserer Sünden, das unsere
Seele erleichtert und erleuchtet, und
5. die Göttliche Kommunion, das Heilmittel, das uns Gesundheit
und Unsterblichkeit
der Seele und des Leibes schenkt.
All das gehört zum Kampf des Glaubens. All das sind die Mittel und die Voraussetzung dafür, dem zu entkommen, was uns an die zeitlichen Qualen der Welt fesselt und und dazu verleitet, mitten im alltäglichen Einerlei unser Ziel zu vergessen. So zu leben, als sei Christus niemals in die Welt gekommen. Darin besteht ja die Sünde aller Sünden, die wahre Tragödie all deren die sich Christen nennen. Aber der, der den Kampf aufnimmt, wird auch die Freude des Sieges kosten. Er wird erfahren, wie sein Glaube wächst und sein Leben sich buchstäblich wandelt. Ich wünsche allen orthodoxen Christen in Deutschland eine gute Fastenzeit und den österlichen Lohn ihrer Mühe.
In väterlicher Liebe
Metropolit Augoustinos von Deutschland