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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

Gedenken an die Griechische Erhebung
von 1821

(München, 18.03.2001)

* * *

Die Erinnerung an den Freiheitskampf der Griechen ist bis zum heutigen Tag in unserem Volk in bemerkenswerter Weise lebendig. Das liegt gewiss auch daran, dass es Jahrzehnte und Jahrzehnte bis ins 20. Jahrhundert.. hinein dauerte, ehe die drückende Fremdherrschaft in allen Teilen Griechenlands abgeschüttelt werden konnte. Der drängende Wunsch nach Freiheit blieb nach der Erhebung von 1821 durch mindestens hundert Jahre erhalten, und der Freiheitsgedanke ist bis zum heutigen Tage eines der großen Ideale unseres Volkes geblieben.

Die Tatsache, dass es bei der Befreiung nicht nur um ein politisches Ziel ging, sondern vor allem um den Erhalt der griechischen Kultur und um den christlichen Glauben, erklärt die selbstverständliche und aktive Beteiligung der Kirche an dem Geschehen. Darin setzte sich die treue Fürsorge der Kirche fort, die während der Fremdherrschaft dem Volk Sprache, Kultur und Religion bewahrte. Hier liegen die Wurzeln der engen Bindung zwischen dem griechischen Volk und seiner Kirche.

Es hindert uns übrigens aber nicht daran, dass wir heute zusammen mit den anderen christlichen Kirchen den Dialog mit dem Islam suchen. Gerade als orthodoxe Christen bringen  wir dafür die notwendige Erfahrung mit.

Im Bereich der kulturellen und religiösen Befreiung erwuchs auch eine Bewegung außerhalb Griechenlands, die nicht unerwähnt bleiben darf: Der Philhellenismus. Diese Griechenfreundschaft entstand unter den Romantikern und im deutschen Idealismus, und es wären hier eine ganze Reihe bedeutender deutscher Repräsentanten zu nennen, - von dem bayerischen König Ludwig I.., dem Homerübersetzer Voß, über Adalbert von Chamisso und dem Freiherrn vom Stein bis hin zu Goethe und Hölderlin. Der Philhellenismus wurde schließlich in ganz Europa zu einer weitverbreiteten, sehr volkstümlichen Bewegung, die alle freiheitlich Gesinnten in der Begeisterung für den Freiheitskampf eines unterdrückten Volkes gegen eine überalterte Zwingherrschaft vereinte. Auch daran gibt es bis zum heutigen Tage eine lebhafte Erinnerung, -insbesondere hier in Bayern.

Das Gedenken an ein Ereignis der Geschichte und ein Nachdenken darüber darf aber nicht nur im Rückblick bestehen, sondern ebenso in der Betrachtung seiner Bedeutung für unsere Gegenwart und für die Zukunft unseres Volkes.

Hinter uns liegt das zwanzigste Jahrhundert, das in außerordentlicher Weise den Freiheitswillen der Menschen, und zwar weite Teile der Menschheit, herausgefordert hat. Für die Freiheit wurden viele Opfer gebracht. Es wurde aber auch vor allen möglichen Arten von Terror kapituliert. Die Freiheit wurde zu oft missachtet und aufgegeben.

Mehrfach wurde allerdings eine geistliche Freiheit entdeckt, die im Leiden die Unfreiheit ertragen oder sogar überwinden half. Das ist die Freiheit, von der Jesus Christus spricht, wenn er zu seinen Jüngern sagt: "Wenn ihr an meinem Wort bleibt, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen" ( Joh.8,32f).

Nach diesen Worten gehören Wahrheit und Freiheit untrennbar zusammen, und das ist etwas, was wir uns immer wieder neu bewusst machen müssen. Wir sprechen von politischer, von demokratischer Freiheit, von .Religions- und Glaubensfreiheit, von Gedanken- und Redefreiheit, wir diskutieren über soziale oder sexuelle Befreiung und beziehen dabei alles auf unsere persönlichen Belange. Dabei vergessen wir, dass die echte Freiheit nur aus der Wahrheit kommen kann, die Christus heißt. Wahrheit und Freiheit kleben nicht an unserem Egoismus, sondern sollen allen zuteil werden. Die ganze Menschheit, den gesamten Kosmos will Christus zu Gott hin befreien.

Dieser Wahrheitserkenntnis müssen wir uns öffnen und unsere Situation und die unseres Volkes durch sie kritisch sehen lernen. Ich meine, dass wir einer geistlichen Vertiefung unserer Freiheitsvorstellung dringend bedürfen.  Und gewiss nicht nur wir Griechen, sondern alle Völker Europas.

Unsere weltlichen Freiheiten sind ohne die geistliche Substanz tatsächlich hohl und leer. Wenn sie aber unser Leben retten und. mit Sinn erfüllen sollen, müssen wir der Wahrheit und Freiheit Jesu Christi unter uns Raum geben. Das ist die Aufgabe und Forderung auch einer solchen Stunde des Gedenkens an den Freiheitskampf unserer Väter.

Folgen wir der Verheißung des Evangeliums, denn "wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2.Kor.3,17)


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