(München, 30.10.2001)
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Auch in diesem Jahr wird die Priestertagung unserer Griechisch-Orthodoxen
Metropolie mit einem Gottesdienst eröffnet, zu dem ich Sie, die Vertreter
der Schwesterkirchen, ebenso wie die Vertreter des Freistaats Bayern, der
Landeshauptstadt München sowie des griechischen Staates herzlich begrüße.
Ihre Anwesenheit bezeugt: Die Kirche und ihre Theologie leben nicht im luftleeren
Raum. Sie manifestieren sich vielmehr immer an einem konkreten Ort und zu
einer konkreten historischen Zeit. Es ist deshalb nur selbstverständlich,
dass wir immer wieder über den Gartenzaun der eigenen Kirche schauen,
um Neues zu lernen und unseren eigenen Standpunkt neu zu entdecken.
Unsere diesjährige Tagung widmet sich der Frage "Die Frau und ihre
Stellung in der Kirche". Man könnte meinen, dies sei ein von außen
herangetragenes, ein "importiertes Thema". Schließlich erhalten im
ökumenischen Miteinander jene Kirchen, welche die Frauenordination
nicht praktizieren, sehr häufig das Etikett einer gewissen Frauenfeindlichkeit.
Hiervon kann auch unsere Kirche - oder gerade unsere Kirche - ein Lied singen.
Und doch handelt es sich um ein Thema, das unsere Kirche nicht erst seit
heute beschäftigt. So schreibt der große Kirchenvater Gregor von
Nazianz schon im 4. Jahrhundert: "Männer waren es, welche die Gesetze
machten und deshalb ging die Gesetzgebung zu Lasten der Frau. Diese Art der
Gesetze kann man jedoch weder akzeptieren noch begrüßen, da sie
dem göttlichen Willen widerspricht. Gott ehrt in Seinem Gesetz in gleicher
Weise das Gute, wie er das Schlechte bestraft, ob es nun vom Mann oder von
der Frau getan wird. Dies ist die wahre Gleichheit vor dem Gesetz. Denn der
Schöpfer des Mannes und der Frau ist derselbe. Aus dem gleichen Material
sind beide erschaffen. Und beide tragen das gleiche Bild Gottes in sich."
Zwei Aspekte lassen sich in diesem Zitat erkennen: Zum einen, der theologische
Grundsatz von der Ebenbürtigkeit der Geschlechter, und zum anderen,
die Schwierigkeit, diesen Grundsatz glaubwürdig in die Praxis umzusetzen.
Darüber werden wir auf unserer Tagung sprechen. Unser Ziel kann dabei
weder ein säkularer Feminismus, noch ein den patriarchalischen Strukturen
des antiken Orients entlehntes Weltbild sein.
Paul Evdokimov hat seinerzeit einer Abhandlung zu diesem Thema den bezeichnenden
Titel "Die Frau und das Heil der Welt" gegeben. Dieses Heil der Welt, einer
Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, ist und bleibt unser Auftrag,
über den wir in Fürstenried sprechen werden. Dass dies in aller
Offenheit geschieht, versteht sich - wie immer - von selbst. So wird etwa
auch die Haltung unserer Kirche zur Frauenordination Thema eines Vertrags
unserer Priestertagung sein.
Ich bedauere, dass unsere Verhältnisse es nicht gestatten, dass mehr
Frauen an dieser Tagung teilnehmen. An erster Stelle wären hier die
Ehefrauen unserer Priester zu nennen, ohne deren Mitwirken - gerade in unseren
Kirchengemeinden der Diaspora - das kirchliche Leben schlechterdings unvorstellbar
wäre. Ich darf deshalb bereits heute, ohne meinen Ausführungen
bei der Tagung selbst vorgreifen zu wollen, meinen aufrichtigen Dank für
diese Diakonia, welche die Ehefrauen unserer Priester leisten, öffentlich
aussprechen.
Mein Dank gilt ferner allen, die diese Priestertagung vorbereitet haben,
insbesondere der Lehr- und Ausbildungseinrichtung für orthodoxe Theologie
an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Unsere Priestertagung
ist ja eine Veranstaltung zur Weiterbildung unserer Geistlichen in Deutschland.
Darüber hinaus ist sie in gewisser Weise ein Pfarrkonvent, der leider
nur einmal im Jahr stattfinden kann. Dies bedeutet, um nur einige Schwerpunkte
zu nennen: Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, aber auch zur seelsorgerlichen
Begleitung der Seelsorger, gegenseitige Tröstung und Hilfestellung,
Information und Gespräch, Beisammensein und Feiern, und nicht zuletzt:
das gemeinsame Gebet und die Göttliche Liturgie.
All dies erwartet uns in den nächsten Tagen. Gott gebe uns Seinen Segen
dazu. Amen.