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Zur Eröffnung der 34. Priestertagung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie
von Deutschland grüße ich Sie alle mit meinen herzlichen Segenswünschen!
Möge der dreieine Gott während dieser Zusammenkunft mit uns sein,
uns seinen Schutz und Beistand schenken und unsere Herzen bewegen, dass wir
sie in brüderlichem Gespräch dem göttlichen Wort öffnen,
damit wir es aufnehmen und reiche Frucht bringen zum Wohle unserer Gemeinden!
Ich möchte der Kirchengemeinde Hl. Johannes der Vorläufer in Brühl
und ihrem Pfarrer, Erzpriester Constantin Miron, von Herzen dafür danken,
dass sie uns an diesem Abend in ihrer Kirche und Gemeinde eine großzügige
Gastfreundschaft gewähren. Wir danken für alle Mühe und Arbeit,
die geleistet werden müssen, um eine so große Zahl von Gästen
zu empfangen.
Das Thema unserer diesjährigen Priestertagung beschäftigt sich
mit der kirchlichen Verkündigung. Das ist sicherlich ein aktueller und
notwendiger Gegenstand nicht nur unseres kirchlichen Lebens, vielmehr hat
er seine Bedeutung im weitesten Sinne auch für die Öffentlichkeit
dieses Landes. Noch sind zahlreiche Türen des Wortes geöffnet, auch
die Ohren und Herzen vieler Menschen sind aufnahmebereit für das, was
wir zu sagen haben.
Die Menschen brauchen Hilfe in ihren mannigfachen Nöten, sie haben
Sehnsucht nach wahrer Gemeinschaft und nach echtem Frieden, sie erwarten
Gerechtigkeit, die nicht nur diesen Namen trägt, sondern ihnen tatsächlich
Gerechtigkeit verschafft. Unter den vielen Irrwegen suchen die Menschen
den richtigen Weg; in dem Dickicht der Lügen in dieser Welt sehnen sie
sich nach Klarheit und Wahrheit; sie wollen herausgerissen werden aus ihrer
Todverfallenheit. Für all dies gibt es nur einen Helfer und Retter:
Jesus Christus, der von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das
Leben“ (Joh 14,6). An uns ist es, dieses Geheimnis Christi zu verkünden,
wie der Apostel Paulus es im Kolosserbrief sagt (Kol 4,3). Unsere Aufgabe
ist es, den Erwartungen der Menschen in einer rechten Verkündigung zu
entsprechen. Aber das Eingehen auf die Probleme der Gegenwart kann keinesfalls
der einzige Maßstab für unsere Predigt sein. Wir dürfen auch
zurückblicken und aus der reichen Überlieferung der christlichen
Kirche schöpfen, wenn wir predigen. Im Neuen Testament erleben wir die
Missionspredigt der Apostel, die als Zeugnis vom Heilsgeschehen die Christuswirklichkeit
vermittelt. In der nachapostolischen Zeit wird die Verkündigung dann
zur gottesdienstlichen Rede, die die Botschaft der Apostel und das in Christus
erfüllte prophetische Wort zum Inhalt hat. Der Predigt werden dabei
bereits Worte der Heiligen Schrift zugrunde gelegt. Schließlich wird
die gottesdienstliche Rede zur Homilie: Biblische Texte werden Satz für
Satz ausgelegt, es geht um die Vergegenwärtigung der göttlichen
Botschaft aus der vorhandenen geschichtlichen Form.
Bei den großen griechischen Predigergestalten des 4. Jahrhunderts
wird die Predigt, die sich auf Schriftwort und Schriftlektion gründet,
als fester Bestandteil des Gottesdienstes zur öffentlichen Bildungsmacht.
Die Kirchenväter dieser Zeit sind vorbildhafte Prediger, die wir nicht
genug studieren können, vor allem gilt das für den Hl. Johannes
Chrysostomos. Ihnen entsprechen im Westen Leo der Große, der Hl. Ambrosius,
Gregor der Große und vor allem der Hl. Augustin.
Bei ihm wird – wie beim Hl. Chrysostomos – deutlich, dass das innere und
äußere Lebensschicksal des Predigers Einfluss hat auf seine Wirkungsmächtigkeit
und seine geistige wie seelische Bewältigungskraft. Die Totalität
und Universalität des Evangeliums kommen in der Predigt nur dann wirklich
zur Geltung, wenn der Prediger selbst die Möglichkeiten menschlicher
Erkenntnis ausschöpfen kann und wenn er ein Gesamtverständnis des
christlichen Glaubens hat.
Um all das wird es auch in den Referaten und Diskussionen während der
Tagung gehen. Ich möchte dem in keiner Weise vorgreifen; es sei mir aber
erlaubt, noch auf einen wichtigen Faktor der Verkündigung hinzuweisen,
der mir selbst als Prediger stets von Bedeutung ist. Es geht um die Sprache.
Die Sprache der Predigt ist nicht die Sprache einer mehr oder weniger gelehrten
und frommen Abhandlung, sondern es ist die gesprochene Sprache, wie sie auch
der Predigthörer spricht. In dieser Sprache soll die Glaubenserkenntnis
ausgedrückt werden, die uns geschenkt ist, und in dieser Sprache müssen
wir die Glaubensanliegen vermitteln, die mit der menschlichen Existenz zusammenhängen.
Mit der Sprache müssen wir außerdem sehr sorgsam umgehen, weil
sie ein Medium des Glaubens ist, ein Instrument für die Vermittlung des
Glaubens. Denn wir sprechen ja nicht aus uns und für uns, sondern wir
sind der Sprecher eines anderen. „Wir sind Botschafter an Christi statt“,
wie der Apostel Paulus sagt. Dessen sollen wir stets eingedenk sein.
Wichtig ist also im Hinblick auf die Verkündigung die Sprache und Methode,
und darüber wird auf unserer Tagung ausführlich gesprochen und verhandelt
werden. Noch wichtiger aber ist natürlich der Inhalt der Predigt, die
eigentliche Botschaft, die verkündigt werden muss.
So darf ich mit dem Wort des Apostels Paulus aus dem 2. Korintherbrief das
Grußwort schließen und zugleich unsere Tagung beginnen lassen:
„Gott versöhnte in Christus die Welt mit ihm selbst und rechnete ihnen
ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott vermahnt durch uns;
so bitten wir nun an Christi statt: Lasset euch versöhnen mit Gott“
(2.Kor 5,19-20).
Die 34. Priestertagung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland
ist hiermit eröffnet.