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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

ZUr ERÖFFNUNG
DER PRIESTERTAGUNG
2006

(Frankfurt am Main, 31. Oktober 2006)

* * *

Zur Eröffnung unserer diesjährigen Priestertagung heiße ich alle Teilnehmer, vor allem aber auch die Gäste des heutigen Abends sehr herzlich willkommen! Ich kann unmöglich jeden Einzelnen willkommen heißen, obwohl ich das gern täte.

Dennoch darf ich sagen, daß es mir und allen Geistlichen unserer Metropolie eine überaus große Freude ist, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Prof.Dr.Dr. Karl Kardinal Lehmann, den Bischof von Mainz, hier begrüßen zu dürfen! Für uns ist dies ein Zeichen enger ökumenischer Verbundenheit und auch innerer Teilnahme am Geschehen in unserer Metropolie.

Besonders möchte ich zum ändern natürlich unseren Gast aus Griechenland begrüßen: Den Hochwürdigsten Metropoliten Hieronymos von Theben und Levadia, der sich von weither auf den Weg gemacht hat, um mit uns theologisch zu arbeiten.

Bedauerlicherweise hat die Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Frau Petra Roth,aus terminlichen Gründen ihr. Kommen absagen müssen. Statt ihrer dürfen wir Herr Stadtrat Peter Mensinger sehr herzlich unter uns begrüßen.

Was das Thema unserer Tagung betrifft, so scheint die Griechisch-Orthodoxe Metropolie wie viele andere Institutionen einem Zug der Zeit zu folgen, - sich nämlich auch in kirchlicher Hinsicht über die Gegenwart hinwegzusetzen und nicht ohne Besorgnis in die Zukunft zu blicken.

Um uns herum ist fast überall von Reformen die Rede. Ich erinnere mich, daß wir uns vor dreißig Jahren in den Kirchen um eine geistliche Erneuerung bemühten, um damit ein leichteres Fortschreiten auf dem Weg zur ökumenischen Einigung zu verbinden.  Heute erhofft man sich von kirchlichen Strukturreformen und Profilierungen eine Stärkung des kirchlichen Lebens. Zudem soll eine neue Bibelübersetzung nach gewissen ideologischen Kriterien in sogenannter "gerechter Sprache" ein vor­urteilsfreies Lesen der Bibel und damit eine befreiende, lebens- und friedenstiftende Wirkung ermöglichen.

Was soll es in dieser Lage bedeuten, wenn wir als Orthodoxe über die Zukunft der Metropolie sprechen und arbeiten wollen?

Unser Interesse ist ein solches der praktischen Theologie im Blick auf den weiteren Aufbau und Ausbau unserer Kirchengemeinden hier in Deutschland. Kürzlich haben wir einen unseren Priester nach 42jährigem Pfarrdienst in seiner deutschen Gemeinde in den Ruhestand und in die Heimat verabschiedet. Den Rückblick auf seine Wirksamkeit unter den orthodoxen  Christen zweier Generationen in einer Region der Diaspora, der Aufbau von Gemeinden, das gottesdienstliche Leben, die Seelsorge und Sozialarbeit an den Landsleuten in der Migration, aber auch die Einrichtung einer funktionierenden kirchlichen Zentralverwaltung konnte nur mit viel Glaubensmut, Zuversicht und Vertrauen auf Gottes Hilfe so gelingen, wie sie tatsächlich gelungen ist. Die Auswirkung eines solchen Dienstes kann man eigentlich nur mit den Psalmworten beschrei­ben: "Groß sind die Werke des Herrn... Was er tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Er hat ein Ge­dächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. . . Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Ord­nungen sind beständig... Er sendet eine Erlösung seinem Volk; und ver­heißt, daß sein Bund ewig bleiben soll" (Ps. 111).

Die Glaubenserfahrung von vor über zweieinhalbtausend Jahren unter­scheidet sich nicht so sehr von der der Gegenwart. In den vierzig Jahren des Bestehens unserer Metropolie haben wir das immer wieder erlebt. Wir schätzen deshalb die Vergangenheit der Heilsgeschichte nicht gering, wurzelt doch in ihr das Gedächtnis der Wunder Gottes. Diese großen Taten Gottes begleiten uns durch die Gegenwart auch in die Zukunft hinein.

Gott würdigt uns, an der Heilsgeschichte mitzuwirken. Die Aufgabe der Kirche ist es, die Erlösung und den Bund Gottes mit den Menschen anzubieten und zu verkünden in Liturgia, Martyria und Diakonia. Hierin liegt die Stärke der Kirche, so armselig und schwach sie auch in der Welt dastehen mag. Da der dreieine Gott, Vater, Sohn und Heili­ger Geist, selbst in ihr wirkt, dürfen und brauchen wir uns um die Zukunft auch unserer Metropolie nicht zu ängstigen. Natürlich werden wir in der Kirche mit Überlegung handeln, die Kenntnisse und Erkenntnisse der Wissenschaft nicht beiseite lassen, die modernen Mittel einer Verwaltung  nutzen und vernünftig mit den Finanzen um­gehen.

Entscheidend aber für die Kirche ist, daß wir Gott und seinem Wort gehorsam sind. Die Anbetung Gottes in Lob und Dank, das Zeugnis von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, von seinem Erlösungstod und seiner Auferstehung, und der Dienst der Liebe an den Menschen, -das sind die Grundpfeiler unseres Wirkens in der Kirche. Das vor allem anderen sind wir der Welt schuldig, und danach sehnen sich sehr viele Menschen.

In diesem Sinn soll unser Dienst auch in Zukunft geschehen. Nicht nur für unsere Kirche und für unsere Gläubigen tun wir das, sondern auch für das Land, in dem wir hier leben, und für alle seine Bewohner. Für unsere Tagung erbitten wir den Beistand Gottes, damit alles, was wir beraten, überlegen, durchdenken und für die Praxis nutzbar machen wollen, uns allen zum Segen gereiche.


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