(3.6.2007)
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit besonderer Freude begrüße ich Sie auf ihrem heutigen Pilgerweg an diesem so bedeutenden Tag für Aachen und für uns alle, die wir uns auf dem Weg der geistlichen Pilgerschaft zu Christus befinden.
Ich möchte Ihnen aus diesem Anlass einen Vers des Alten Testaments sozusagen als Pilgernahrung mitgeben. Er steht am Beginn des Buches Kohelet und lautet: „Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ (Koh 1,9)
Es scheint zu stimmen: in der Welt, in der wir leben, haben wir immer mehr den Eindruck, in einer unaufhörlichen Kette von Wiederholungen zu leben, die Routine unserer Arbeitswelt droht uns zu ersticken. Und wenn man daran denkt, wie alt das Buch Kohelet ist, scheint dies ja nicht nur eine Erfahrung der Moderne zu sein. Andersrum gesagt: wie modern ist dieses Buch, das uns bereits in seinem ersten Vers daran erinnert: „Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch“ (1,1). Und aus dieser Bedingtheit des Menschen führt uns der alttestamentliche Autor schließlich zur Undurchschaubarkeit Gottes, zur Größe Gottes, welcher der Herr der Geschichte ist.
An der Schnittstelle zwischen der Größe Gottes und der Geschichtlichkeit des Menschen lebt und wirkt auch die Kirche. Denn sie feiert die Schöpfung, die Anfang und Ende hat; sie geht von Gott aus und wird ihre Vollendung finden im achten Schöpfungstag Gottes, in der Zeitlosigkeit Seiner Ewigkeit. Deshalb ist für uns die Geschichte Heilsgeschichte, deshalb bedeutet Ökonomie (OIKONOMIA) nicht nur Haushalten und Wirtschaft, sondern für die Christen ist es die Feier des Heils, die Heilsökonomie.
Dieses Heil feiern wir auch hier und heute, römisch-katholische, evangelische und orthodoxe Christen gemeinsam, aus Anlass der diesjährigen Wallfahrt. Und wir werden es weiterhin feiern, weiterhin gemeinsam unterwegs sein; denn „Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun!“
Gott segne Sie alle! Amen!
Metropolit
Augoustinos von Deutschland
und Exarch von Zentraleuropa