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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anläßlich der Eröffnung der Ausstellung
"Byzanz - Das Licht aus dem Osten"

(Paderborn - 05. Dezember 2001)

* * *

Hochverehrter Herr Kardinal,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren!

Der britische Filmemacher urd Künstler John Christie schrieb 1997 über die Farbe „Gold folgende Gedanken:

Für einen byzantinischen Betrachter

Der hauptsächlichste Aspekt der Farbe
- ihr Lichtwert
das Gold und Silber der Lampen
das Schimmern der Seide
das Email und die Edelsteine der Ikonen
- alles Behältnisse (und Abbilder) des Lichts

Es fällt bei diesem kurzen Text auf, daß er die Farbe Gold sofort mit Byzanz beziehungsweise mit dem - ansonsten nicht näher bezeichneten - „byzantinischen Betrachter" identifiziert.

In der Tat: Man könnte sagen, dass alle Kunst in Byzanz dem „Licht" zu dienen hat, dass sie stets „Behältnis' und „Abbild", d.h Ikone des Lichts zu sein hatte.

Nicht von ungefähr taucht auch im Titel der Ausstellung, die wir heute abend eröffnen der Begriff des Lichtes auf und ein genaueres Betrachten der Exponate wird uns diese Sichtweise John Christies bestätigen. Für den Byzantiner ist aas Licht natürlich nicht in erster Linie ein naturwissenschaftlicher, ein „physischer" Begriff, sondern ein „meta-physischer", der sich der wissenschaftlichen Anafyae und Definition entzieht.

Weit davon entfernt, das oströmische Reich, das wir gemeinhin das „byzantinische" nennen, idealisieren zu wollen, lässt sich doch festhalten, dass diese transzendentale Dimension des Lichtes etwas ist, was unbedingt zum Erbe von Byzanz gehört.

Bernard Sartorius spricht von zwei großen geistigen und kulturellen Strömungen, welche Byzanz kennzeichnen. Eine hatte den Kaiserhof zum Mitteipunkt: Dem Kaiser, der sich als „in Christo treuer König der Rhomäer" bezeichnete, oblag die irdische Verwaltung der Christenheit, dem Patriarchen dagegen ihr geistiges Wohl.

„Unter diesen Umständen igt es nicht verwunderlich, dass die Kultur des Kaiserhofes in mehrfacher Hinsicht auf das kirchliche Leben abfärbte. Die wahrhaft königliche Pracht der orthodoxen Liturgie ist zum Teil ein Spiegelbild des prunkvollen Hofzeremoniells, ja einige Gebetewurden ursprünglich vom Kaiser selbst gesprochen und erst später den Priestern übertragen."
Die andere Strömung entstand in den Klöstern, die - nach einer Zeit vorübergehenden Rückgangs - selbst in den Städten das Kaiserreichs in großer Zahl vorhanden waren. In diesen Klöstern herrschte eine auf das Weltende gerichtete Geistigkeit, erne kompromißlose Gottsuche, aber auch echte Freiheit.

Interessant - und für viele heutige Menschen schwer nachvollziehbar - ist dabei, dass diese beiden Pole der byzantinischen Kultur nicht gar nicht voneinander getrennt waren: Wie viele Kaiser haben auf ihr Slaatsamt verzichtet, um ihren Lebensabend im Kloster zu verbringen? Wie viele Klöster wurden nicht durch kaiserliche Schenkungen und Privilegien reich ausgestattet? Und wurde nicht jedem Kaiser bei seiner Inthronisierung ein Säckchen Asche präsentiert, um ihn an sein eigenes und der Welt Ende zu erinnern?

Mitten in der Welt stehend war der Byzantiner sich der jener Dimension jenseits von Raum und Zeit stets bewußt. „Das Eschaton wird Geschichte" nennt Anastasios Kallis diesen Vorgang. Man könnte man auch sagen: Weltimmanenz und gleichzeitige Gottesnähe. Diesem Programm fühlt sich auch die Kirche, der ich angehöre, verpflichtet. Ihr byzantinisches Erbe geht ja weit über den Ritus oder den Baustil oder die Art und Weise der Musik hinaus. Bestandteil dieses Erbes ist auch unsere Botschaft an die Gläubigen, die da lautet: „in der Welt zu sein, aber nicht von der Welt zu sein".

Mit diesem Auftrag versuchen wir auch hier in Deutschland, einen authentischen Beitrag gelebten christlichen Zeugnisses im großen Konzert der Ökumene zu leisten. Dass wir von den anderen Kirchen dieses Landes dabei so geschwisterlich aufgenommen wurden, erfüllt uns mit Dankbarkeit und Freude. So verstehe ich auch Ihre freundliche Einladung, Herr Kardinal, heute abend hier anwesend sein zu dürfen und dieses Grußwort zu sprechen. Auch hierfür danke ich Ihnen.

Und nun wünsche ich Ihnen allen, dass Sie im Sinne des eingangs Gesagten zu byzantinischen Betrachtern dieser Ausstellung werden.


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