(19.05.2006)
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Sehr geehrte Damen und Herren,
XPICTOC ANECTH!
CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!
Der heutige Besuch in diesem Haus ist für mich in gewisser Weise eine Heimkehr, da ich, wie Ihnen bekannt ist, nach meinem Theologiestudium in Chalki auch an dieser Universität studiert habe. Ich erinnere mich gut an jene Zeit, Anfang der 60er Jahre: es war eine Zeit des politischen Tauwetters zwischen Ost und West. Gleichzeitig war es, wenn ich diesen Ausdruck übertragen darf, auch eine Zeit des kirchlichen Tauwetters, in der ich in Münster lebte und die hiesige politische, kirchliche und soziale Wirklichkeit kennen lernen durfte. Es war mit anderen Worten eine Zeit des Umbruchs, in der sich die Horizonte der gegenseitigen Wahrnehmung von Ost und West verschoben.
Ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass wir auch heute eine ähnliche Zeit des Umbruchs und der neuen Sichtung und Wertung vieler Dinge erleben. Deshalb ist die Existenz und die Arbeit des Centrums für Religiöse Studien ja so eminent wichtig, damit es möglich ist, in einer Welt, die trotz Globalisierung und anderer Phänomene auseinanderdriftet, gemeinsame Aussagen zu machen, zum Wohl der Welt und der Menschen, die uns anvertraut sind.
Lassen Sie mich als orthodoxer Metropolit, der seit über 46 Jahren in diesem Land lebt, auch meine Freude darüber ausdrücken, dass der Lehrstuhl für orthodoxe Theologie in der Person von Professor Kattan einen jungen und dennoch kompetenten Inhaber gefunden hat. Ohne Eulen nach Athen tragen zu wollen, möchte ich sagen, dass ihn seine Biographie, ebenso wie seine Bibliographie, geradezu prädestiniert, an diesem Projekt der Westfälischen Wilhelms-Universttät mitzuwirken.
Genauso wie er versucht auch die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland, ebenso wie die Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland, deren Vorsitzender ich seit kurzem bin, in diesem Land einen authentischen Beitrag gelebten christlichen Zeugnisses im großen Konzert der Ökumene und im Dialog der Religionen zu leisten. Dass wir dabei so geschwisterlich aufgenommen wurden, erfüllt uns mit Dankbarkeit und Freude. So verstehe ich auch Ihre freundliche Einladung, heute hier sein zu dürfen und dieses Grußwort zu sprechen. Auch hierfür danke ich Ihnen.
Und nun wünsche ich Ihnen allen Kraft und Mut bei Ihrer Arbeit. Gestatten Sie mir, dass ich es mit den Worten des großen Dichters Gibran tue, der ja aus der Heimat von Professor stammt:
Gib nicht auf!
Gleiche nicht jenem,
der am Kamin sitzt und wartet,
bis das Feuer ausgeht,
und dann umsonst in die erkaltete Asche bläst.
Gib die Hoffnung nicht auf,
und verzweifle nicht wegen vergangener Dinge!
Unwiederbringliches zu beweinen,
gehört zu den ärgsten Schwächen des Menschen.
Ich danke Ihnen!