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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich des Festes der Drei Hierarchen
in der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde
Dortmund

(28.01.2006)

* * *

Verehrte Anwesende, liebe Brüder und Schwestern in Christo!

Der heutige Tag der heiligen drei Hierarchen, wie wir die Kirchenväter Basilius den Großen, Johannes Chrysostomus und Gregor den Theologen in der orthodoxen Kirche nennen, soll für mich der Anlass sein, einige Worte zum Verhältnis zwischen Glaube und Wissenschaft an Sie zu richten.

Bekanntlich hat ja die Frage nach der Beziehung von Glaube und Wissenschaft oder Glaube und Erkenntnis die Menschheit ab dem 19. Jahrhundert und insbesondere im 20. Jahrhundert beschäftigt; denken Sie nur einmal an die Evolutionstheorie Darwins. Manche sind sogar der Auffassung, dass wir es auch im 21. Jahrhundert mit der gleichen Fragestellung zu tun haben werden. Allerdings geht man, wenn man fragt ψentweder Glaube oder Wissenschaft“, von zwei falschen Voraussetzungen aus:

Zum einen wird dann nämlich die Wissenschaft als unerschütterliche objektive Erkenntnis dargestellt, die in der Lage wäre, alle Probleme der Menschheit unmittelbar zu lösen. Diejenigen, die diese Position vertreten, dass also die Wissenschaft über der Religion stehe, tun dies üblicherweise mit einem fast schon religiös zu nennenden Eifer, denn ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren zumeist auf ihrer ideologischen Einstellung. Anders gesagt: für sie kommt zuerst die Weltanschauung und dann die wissenschaftlichen Belege für diese Welt...

Dies lässt sich einfach am Beispiel der Entstehung unserer Welt zeigen: wenn es keinen Schöpfergott geben darf, sind ja  Jahrmillionen  nötig, um die Evolution vom Affen zum Homo sapiens zu vollziehen. Also werden zweifelhafte Theorien aufgestellt, welche diese Zeitspanne überbrücken sollen, was aber – nach den Kriterien, welche eine seriöse Wissenschaft für sich in Anspruch nimmt – nicht gelingt. Deshalb ist es der Wissenschaft auch bis heute nicht gelungen, einen untrüglichen Beweis für die Evolutionstheorie zu liefern. Und ebenso wenig kann dies der biblische Bericht tun, der bekanntlich auch nicht den Anspruch der Wissenschaftlichkeit erheben möchte. Es geht in beiden Fällen im Grunde darum, wem ich vertraue bzw. wem ich Glauben schenken möchte, Für den gläubigen Menschen ist es im Grunde gleich, ob die Welt vor Jahrtausenden oder Jahrmillionen erschaffen wurde: in beiden Fällen bleibt die Frage nach dem Ursprung bzw. dem Urheber aller Dinge offen.

Die zweite falsche Voraussetzung ist, dass vielfach von einem Glauben ausgegangen wird, der als individuelles, subjektives Geschehen ohne jede soziale Dimension verstanden wird. Der Glaube ist aber nicht nur eine Verbindung zu dem, was die alten Griechen μετά τά φυσικά, also Metaphysik nannten. (Damit meinten sie die Dinge, die sich jenseits der Wissenschaft befinden, die damals immer eine Naturwissenschaft war.) Da der Glaube aber stets auch das Ethos des Menschen in seinem Alltag bestimmt, hat er immer auch soziale Konsequenzen. Jemand hat mal gesagt: ich werde stets jenen Menschen, der meinetwegen an die Heiligkeit der Kuh glaubt, dem Vorzug geben vor jenem, der an gar nichts glaubt, denn letzterer ist zu allem fähig. Der wahre Gläubige ist der, der forscht, der nach den Mysterien der Schöpfung und letztendlich nach dem Schöpfer forscht. Jener Satz ψGlaube und forsche nicht!“ ist nicht nur überholt; er wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer… Für den Christen gilt vielmehr: ψErforschet die heiligen Schriften!“ und ich möchte hinzufügen ψ… und alle anderen Schriften auch!“

Wenn wir heute die drei Kirchenlehrer Basilius den Großen, Johannes Chrysostomus und Gregor den Theologen feiern, ehren wir nicht nur drei Bischöfe der alten, ungeteilten Kirche, sondern in gleichem Maße auch drei Gelehrte der Spätantike, für die eben Glaube und Wissenschaft kein Widerspruch oder Gegensatz war.

Auch für uns heute sollte es dieses so genannte Dilemma nicht mehr geben: als Nachfolger der Heiligen sollte es uns gelingen Theorie und Praxis, Erkenntnis und Glaube, Naturerkenntnis und Gotteserkenntnis miteinander zu vereinbaren. Dies sollte die Botschaft des heutigen Festes für uns alle sein!


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