(Timmendorfer Strand, 3. bis 8. November 2002)
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Alle Teilnehmer der 7. Tagung der 9. Synode der Evangelischen Kirche in
Deutschland im Jahr 2002 grüße ich herzlich mit meinen Segenswünschen
für eine gute und ertragreiche Arbeit auf dieser Kirchenversammlung!
Das Schwerpunktthema Ihrer Synode “Was ist der Mensch?” ist heute in mehr
als einer Hinsicht aktuell. Auf allen Gebieten menschlichen und gesellschaftlichen
Lebens tritt uns diese Frage entgegen. Auch von der christlichen Kirche
werden Antworten erwartet oder gar gefordert. Und es ist notwendig, daß
wir uns der Verantwortung dafür bewußt sind, daß unsere
Antworten auf diese Frage “Was ist der Mensch?” über unsere irdische
Realität hinausgeht und die umfassendere Wirklichkeit Gottes einschließt,
-oder besser gesagt, von Gott augehen. Wir sind verantwortlich dafür,
den Menschen zu sagen, daß nicht alles in unsere Beliebigkeit gestellt
ist; vielmehr sind wir den Menschen die Wahrheit Gottes schuldig.
Die Gelegenheit dieses Grußwortes möchte ich aber vor allem
dazu benutzen, um ein Wort zur Ökumene zu sagen. Derzeit ist die kirchliche
Atmosphäre erfüllt von Sorgen um den Ökumenischen Rat der
Kirchen, der sich offensichtlich seit einiger Zeit in einer Krise befindet.
Die Stimmung schwankt zwischen Aufgeregtheiten und Resignation, und die Gründe
für ökumenische Mißhelligkeiten werden leider zumeist unterschiedslos
bei den Orthodoxen gesehen.
Als Griechisch-Orthodoxer Metropolit von Deutschland möchte ich Ihnen
deshalb sagen, daß sich von uns aus in der deutschen Ökumene
nichts geändert hat. Wir haben in Deutschland ein ökumenisches
Zusammenleben erreicht, das nicht einfach wieder rückgängig gemacht
werden könnte.
Die evangelische, katholische und orthodoxe Kirche anerkennt gegenseitig
die christliche Taufe, die im Namen des dreieinigen Gottes und mit Wasser
vollzogen wird. Mit beiden Kirchen hat die Griechisch-Orthodoxe Metropolie
Gespräche über praktische Fragen, so z.B. über die kirchliche
Trauung bei sogenannten gemischten Ehen, geführt. In diesen Gesprächen
ist mindestens manches geklärt worden. Wir feiern außerdem auch
weiterhin unsere ökumenischen Gottesdienste, in denen ich allerdings
zu oft die eigentliche Gemeinde vermisse. Statt dessen scheinen solche Gottesdienste
eher die Veranstaltung von Ökumenikern und ökumenisch Interessierten
zu sein. Ökumene ist aber doch eine Sache des gesamten Gottesvolkes
oder sollte es wenigstens sein.
Für die ökumenische Haltung der griechischen Orthodoxie ist nach
wie vor maßgebend das Wort des großen Ökumenikers, des
Patriarchen Athenagoras, vom “Dialog in Wahrheit und Liebe” (nach Eph.4,15).
Ursprung und Ziel kirchlicher Einheit kann nur in Jesus Christus liegen,
mit dem die göttliche Wahrheit und Liebe in dieser Welt “Fleisch wurde”.
Ökumene und kirchliche Einheit sind daher für uns nicht Visionen
einer näheren oder ferneren Zukunft, die wir nur richtig organisieren
müssen; vielmehr ist uns mit ihnen eine göttliche Wirklichkeit
geschenkt, die die Christen aller Zeiten und Räume umfaßt und
in die wir uns in gläubigem Gehorsam einfügen dürfen.
In diesem ökumenischen Sinn möchte ich der Synodaltagung Gottes
Segen und den Beistand des Heiligen Geistes wünschen, damit alle Ihre
Beratungen und Beschlüsse zum Wohle Ihrer Gläubigen, der Gemeinden
und Landeskirchen geschehen.