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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

an
die EKD
- Synode

(Berlin, 6.-10.11.2005)

* * *

Die Synodalversammlung der EKD im Jahr 2005 grüße ich mit allen ihren Teilnehmern in Dankbarkeit für die Einladung und mit meinen Segenswünschen!

Die 4. Tagung der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland findet sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Wenn auch die Grundordnung der EKD erst drei Jahre später beschlossen wurde, so bildeten sich die Grundlagen der heutigen EKD bereits im August 1945 und drei Monate später wurden durch das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" die Beziehungen zur Ökumene in Genf hergestellt.

Das ist für uns heute kaum noch in den Einzelheiten bekannt und die Bischöfe und Kirchenmänner jener Jahre sind zu ehrwürdigen historischen Gestalten geworden. Ihr Mut, Ihre Tatkraft und Entschlossenheit sollten allerdings nie vergessen werden; denn sie haben nicht nur eine Neuordnung und den Wiederaufbau der Kirchen in Deutschland begonnen, sondern wirkten nach zwölf Jahren Nazidiktatur wegweisend für ihr Volk.

Ich selbst kam zwar erst wesentlich später nach Deutschland. Ich habe aber noch lebhafte Eindrücke von dieser Zeit und ihren Persönlichkeiten empfangen dürfen, obwohl durch die inzwischen eingetretene Teilung Deutschlands sich manches stark verändert hatte.

Heute nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der voneinander getrennten Regionen der EKD, erinnert dennoch die geplante sog. Strukturreform in der EKD an frühere Zeiten und an bis heute unterschiedliche Traditionen in den einzelnen Landeskirchen.

Auch das Schwerpunktthema Ihrer Synode weist darauf hin, dass sich die deutsche Lebenswelt stark verändert hat. Hatten wir uns während langer Jahrzehnte auch in Deutschland auseinanderzusetzen mit der Intoleranz aggressiver Ideologien, so steht heute die Toleranz im Vordergrund. Man rechnet mit einem fortdauernden Pluralismus - auch auf religiösem Gebiet - und muss sich darüber klar werden, welche Bedeutung die Toleranz: für die Christen hat.

Soweit ich sehe, stammt das Wort Toleranz aus der Begrifflichkeit der westlichen Aufklärung und kommt in der Heiligen Schrift nicht vor - die Sache aber wohl; man denke nur an 1.Kor l0. Zu denken ist aber nicht nur an menschliche Nachsicht und Rücksicht, sondern vor allem an die Langmütigkeit und Geduld - was auch etwas mit Duldung zu tun hat - des barmherzigen Gottes. Von hier kommt der theologische Anstoß, Gott nachzufolgen im Ertragen des Mitmenschen. Natürlich wird stets eine Spannung bestehen zwischen der christlichen Glaubensfestigkeit und einer nachsichtigen Duldung.

In der orthodoxen Kirche gibt es das Prinzip der Oikonomia, eine Art Flexibilität in der Heilsordnung, sozusagen eine heilsgeschichtliche Toleranz. Tatsächlich kann der eigentliche Grund der Toleranz nach christlichem Verständnis nur die Liebe sein, die das Werk der Versöhnung des Menschen mit Gott vollenden will. Diese Liebe ist allerdings nicht denkbar und existent ohne die Wahrheit Gottes. Die Toleranz der Christen aus dem Glauben kann also nur darin bestehen, dass wir "wahrhaftig sind in der Liebe", wie der Apostel Paulus sagt (Eph.4,15) .

Für die Arbeit Ihrer Synode und die Kundgebung von der christlichen Toleranz, die von Bedeutung für die Öffentlichkeit sein wird, wünsche ich Ihnen den Beistand des Heiligen Geistes.

Sie alle aber möge der Schutz und Segen des dreieinigen Gottes begleiten und Sie vor allem Übel gnädig bewahren!


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