(Würzburg, November 2006)
* * *
Alle Teilnehmer und Gäste der 5. Tagung der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland möchte ich sehr herzlich grüßen! Das sind nicht nur unsere ökumenischen Grüße oder gar nur höfliche Worte, vielmehr drücken sie das große Interesse aus, das unsere Geistlichen und Kirchgemeinden in Deutschland an der Kirchenversammlung der Schwesterkirche haben, - zumal das Schwerpunktthema dieser Synodaltagung nicht nur die evangelischen Christen in Deutschland betrifft, sondern alle Menschen die in diesem Land gemeinsam leben und arbeiten.
Deshalb danke ich der Frau Präses der Synode ganz besonders für die Einladung zu dieser Tagung. Bereits die Texte, die zur Vorbereitung des Schwerpunktthemas versandt wurden, sind eines aufmerksamen Studiums wert.
Das Gotteswort aus dem biblischen Buch der Sprüche "Gerechtigkeit erhöhet ein Volk", und wie es dann dort weiterheißt, "aber die Sünde ist der Leute verderben", ist gewiß eine Spruchweisheit, die für manches Volk und für viele Menschen im Laufe der Geschichte entweder eine erhebende oder sehr bittere Wahrheit geworden ist. Und sicherlich geht es bei dieser Gerechtigkeit nicht nur um eine gerechte Verteilung von materiellen und ideellen Gütern, um Armut oder Reichtum. Wenn die Bibel von Gerechtigkeit spricht, ist in erster Linie die Gerechtigkeit Gottes gemeint, die viel umfassender ist als unser schmales juristisches und soziologisches Verständnis von Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit ist Gottes Handeln zum Heil des Menschen, und deshalb ist sie hier auch im Gegensatz zur Sünde, zur Abwendung des Menschen von Gott gesetzt. Die wahre Problematik von Armut und Reichtum liegt im Menschen beschlossen, der sich von Gott getrennt hat. Erst der mit Gott versöhnte Mensch, die neue Schöpfung in Christus kann diese Problematik lösen. Der Beitrag des Vorbereitungsausschusses zu dieser Synode stellt ganz richtig fest, daß nur die Kräfte von Glaube, Liebe und Hoffnung unter uns wahrer Gerechtigkeit Raum schaffen können. Das und nur das kann eine wirklich tragende Grundlage einer kirchlichen Soziallehre sein, die auf jeden Fall über die Grenzen der Immanenz hinausgehen muß.
Eine solche Erkenntnis kann in all den zahlreichen Bemühungen um Armut und Reichtum in Theorie und Praxis wirklich helfen. Mögen alle Ihre Beratungen und Überlegungen auf dieser Synodaltagung zu praktischen Ergebnissen führen, die uns helfen und uns zur Gerechtigkeit Gottes weisen und erhöhen.
Ihnen und uns allen wünsche ich eine in diesem Sinne erfolgreiche Synodalarbeit, und den Schutz und Segen des dreieinen Gottes.