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„Von Tisedi nach Magdeburg“
 

GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

anlässlich der Einführung
von Bischof Dr. Gerhard Feige in Magdeburg

(16.4.2005)

* * *

Von Tisedi nach Magdeburg - so würde es wohl in den Bischofskatalogen vergangener Jahrhunderte stehen, wenn man die Vita von Bischof Gerhard beschreiben wollte. Für die Bischöfe unserer Kirchen ist ja diese Vita immer an den konkreten Sitz unseres Bistums gebunden, selbst wenn es uns manchmal schwer fällt, die Konkretion einer Titulardiözese, zu erfahren. (Ähnlich ging es mir vor 25 Jahren, als ich den Titel eines Bischofs von Elaia ablegte, um Metropolit von Deutschland zu werden.) Und wie für Sie, lieber Mitbruder Gerhard, heute, so war für mich damals die neue Diözese keineswegs unbekannt. Beide haben wir die Chance bekommen, unser zukünftiges Wirkungsfeld kennen und lieben zu lernen. Beide hatten wir die Möglichkeit, das Amt der „episkope“ in einer geradezu paulinischen Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ auszuüben. Beide haben wir die Gelegenheit, anlässlich des Übergangs vom bischöflichen Wirken von den „partes infidelium“ zu den „partes fidelium“ über die Relativität auch dieser Begriffe nachzudenken; ist nicht das bischöfliche Handeln ein stetes Neubeginnen in der Suche nach der Mitte unseres Glaubens, nach dem Geheimnis der Menschwerdung des ur-ewigen Gottes in der Person Jesu Christi?

Doch noch viel mehr verbindet uns, lieber Mitbruder: ich nenne insbesondere unsere langjährige Zusammenarbeit in der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, wo wir ja gerade in letzter Zeit über die theologischen und pastoralen Fragen des priesterlichen – und damit auch des bischöflichen Dienstes nachdenken. Im Laufe der Jahre konnte ich dabei feststellen, dass Ihre profunde Kenntnis der orthodoxen Dinge nicht nur etwas mit der geographischen Nähe zum christlichen Osten zu tun hat; dahinter scheint vielmehr eine - lassen Sie mich es so offen formulieren -Liebe zur Theologie und zur Liturgie der orthodoxen Kirche auf, die ihresgleichen in diesem Lande sucht. So ist ihre Beauftragung für die „Kirchen des Ostens“ seitens der Deutschen Bischofskonferenz aus meiner Sicht nicht nur konsequent und richtig, sondern auch ökumenisch effektiv und weise.

In diesen Tagen zwischen dem westlichen und dem östlichen Osterfest verbindet uns natürlich auch die Trauer um Papst Johannes Paul II., dessen vielfältiges Wirken - auch für die Ökumene - an dieser Stelle nicht angemessen gewürdigt werden kann. Lassen Sie mich nur dieses eine sagen: die Geste dieses großen Papstes, die Reliquien der „großen Kirchenväter und Lehrer des Erdkreises“ Johannes Chrysostomus und Gregor von Nazianz im November des vergangenen Jahres an die Kirche von Konstantinopel zurückzugeben, stellt sich ruf uns heute als Vermächtnis und Auftrag dar, noch bewusster auf dem Weg des „Dialogs der Liebe und der Wahrheit“ fortzuschreiten.

Auf diesem Weg werden Sie in uns, lieber Bischof Gerhard, treue und aufrichtige Wegbegleiter haben. Anlässlich seines Besuchs in Magdeburg am 27. Oktober 1993 legte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios den Menschen dieser Stadt folgendes Wort des Propheten Ezechiel (11,19) aus: „Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz aus Fleisch“. Als Exarch des Ökumenischen Patriarchen grüße und beglückwünsche ich Sie mit dem gleichen Wort der Ermutigung und des Zuspruchs. Und nach orthodoxem Brauch rufe ich Ihnen aus ganzem Herzen zu: Würdig! Dignus! Axios! 

Metropolit Augoustinos von Deutschland
und Exarch von Zentraleuropa


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