(Stuttgart, 16.01.2006)
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Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr herzlich möchte ich Sie willkommen heißen und Ihnen dafür danken, dass Sie unsere heutige Veranstaltung durch Ihre Anwesenheit ehren.
Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland beobachtet mit Sorge die dramatischen Entwicklungen in der Welt und das weithin herrschende Klima der Unsicherheit unter den Menschen. Sie ist von der Notwendigkeit überzeugt, die Werte der Menschlichkeit, zu denen sich die orthodoxe Kirche ebenso wie die gesamte Christenheit bekennt, hervorzuheben bzw. neue zu beleben.
Die Universalität des orthodoxen Christentums und die Rolle, die es in ähnlich kritischen Zeiten der Vergangenheit als Träger der Stabilität und des Friedens gespielt hat, stärkt unsere Überzeugung und unsere Erwartung, dass es auch heute einen substantiellen Beitrag dieser Art leisten wird.
Europa durchlebt augenblicklich eine Zeit, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich in der Einheit seiner Völker Symptome einer Krise zeigen. Die Kultur als geistige Größe ist aufgerufen, die einigende Substanz der europäischen Völker zu sein. Sie gibt Zeugnis von dem Ringen um einen gemeinsamen Ort, der die europäische Einheit garantieren könnte, was die wirtschaftliche und die politische Einigung nicht in dem Maße vermochten, wie wir es erwartet hatten. Die erhoffte Versöhnung zwischen den konfessionell getrennten Kirchen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einheit der Völker und Gesellschaften Europas.
Was aber können die Religionen für das gegenseitige Verständnis und das friedliche Zusammenleben der Völker leisten? Die Kriege, die Folgen der technologischen Entwicklung in der Wirtschaft, der Umwelt, in der Genetik und der Biotechnologie, der Hunger, die Armut, das Auftreten von Rassismus und Fundamentalismus sind zusätzliche Erschwernisse in einer Lage, die an sich schon bedrohlich genug ist. Heutzutage besteht die einzige Chance für friedliche Koexistenz und geistiges Gleichgewicht darin, den anderen in seiner Eigenart anzunehmen und die Würde jedes Menschen anzuerkennen. Das aber setzt eine tiefere Kenntnis und Erfahrung des Anderen voraus. Die Gesellschaften des vereinten Europa müssen ihre Bemühungen intensivieren, das geistige Fundament seiner Einheit neu zu entdecken. Die Grundlage dafür kann insbesondere der christliche Glaube gewähren.
Dieses Bemühen durch ökumenische Annäherung zu würdigen, bedeutet Austausch, Beziehung und Zusammenarbeit. Es bedeutet, mit Elan und Sicherheit an der Zukunft unserer Kinder zu bauen.
Mit dem Ziel einer vertieften Erkenntnis und des Austauschs von Erfahrungen unterstützen wir eine Reihe von Maßnahmen, die durch die Veranstaltung von Reisen nach Griechenland Besucher aus ganz Deutschland mit dem kulturellen und religiösen Reichtum, den Jahrhunderte alten Überlieferungen, dem täglichen Vollzug und den Werten des orthodoxen Christentums in Griechenland in Berührung bringen. Die Erneuerung der Programme dient der Stärkung der lebendigen Erfahrung der Besucher und der Vertiefung des Kontaktes mit der orthodoxen Kirche in Griechenland.
Das Reiseprogramm legt besonderen Wert auf die Einbeziehung religiöser Stätten und die Begleitung durch spezialisierte Fremdenführer. Das Ziel ist, die Besucher mit der Geschichte, der Struktur und der Organisation der orthodoxen Kirche, vor allem aber mit der Spiritualität bekannt zu machen. Das Verweilen an ausgesuchten Orten, die von besonderem Interesse für das orthodoxe Christentum sind, wie z. B. Klöster, und die Teilnahme der Reisenden am Alltag und am liturgischen Gebet dient der geistlichen Erneuerung, der Selbsterkenntnis und dem seelischen Gleichgewicht.
Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland unterstützt aktiv diese Initiative, die maßgeblich dazu beiträgt, das Klima gegenseitigen Verständnisses, wechselseitigen Respektes und geistiger Gemeinschaft unter den Völkern Europas zu festigen. Darum möchten wir Sie alle zur Teilnahme ermutigen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Gott sei mit Ihnen und Gott segne unser gemeinsames Haus Europa.