zur Eröffnung
des
"Zentrums für ökumenische Forschung"
(München, 29.10.2001)
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Heute sind wir hier zur Eröffnungsfeier des "Zentrums für ökumenische
Forschung" an der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammengekommen.
Es ist also ein ökumenischer, d.h. kirchlicher Anlass, der diese Versammlung
zusammenführte, eine Versammlung, die ihre Wurzel hat in der Ekklesia
als einer Versammlung der Herausgerufenen - so die Übersetzung des griechischen
Wortes ins Deutsche. Denn in Christi Namen versammeln sich diejenigen, die
an ihn glauben. Der kirchliche Charakter unserer Zusammenkunft wird noch
deutlicher dadurch, dass die neue Institution auf theologische Verständigung
und das ökumenische Gespräch zielt. Und er wird verstärkt
durch die Anwesenheit von Vertretern der drei großen Kirchen, für
die die Ökumene eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Dafür
danken wir dem dreieinigen Gott!
Auch die drittgrößte, jüngste christliche Kirche in diesem
Lande, die orthodoxe Kirche, kann auf eine lange Teilnahme an der ökumenischen
Bewegung zurückblicken. Hier in Deutschland denke ich mit Freude und
in Denkbarkeit als Metropolit des Ökumenischen Patriarchats und als
"Erster unter Gleichen" unter den hiesigen orthodoxen Bischöfen an unsere
jahrzehntelange Mitarbeit in der deutschen Ökumene. Willig wurden wir
Orthodoxe als ökumenische Partner aufgenommen, als eine Bereicherung
des zwischenkirchlichen Dialogs und eine ökumenische Erweiterung der
kirchlichen Zusammenarbeit. Von der Errichtung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie
von Deutschland im Jahr 1963, über ihre Anerkennung als Körperschaft
des deutschen öffentlichen Rechts ab 1974 festigte sich die Stellung
unserer Kirche hierzulande mehr und mehr. Sie integrierte sich in die deutsche
Ökumene und beteiligt sich an den Arbeitsgemeinschaften Christlicher
Kirchen auf allen Ebenen, an der theologischen Arbeit des Deutschen ökumenischen
Studienausschusses - unser erster langjähriger Vertreter im Ausschuss
war Prof. Dr. Nikolaou - und ab heute am Dienst des Zentrums für ökumenische
Forschung an der Münchener Universität.
Die Eröffnung eines solchen Zentrums ist aber im Zusammenhang mit einer
noch wichtigeren ökumenischen Entwicklung zu sehen. Das ist die Gründung
der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität,
wozu die beiden Großkirchen in Deutschland ebenfalls beigetragen haben.
Nun gibt es in München das einmalige Angebot eines vollständigen
Studiums der orthodoxen Theologie an einer staatlichen Universität Westeuropas.
Diese Studienmöglichkeit kann von den orthodoxen Studenten mit dem Besuch
von Lehrveranstaltungen an den beiden Theologischen Fakultäten in München
verbunden werden. Das ist für unsere Kirche von großer Bedeutung,
insbesondere für die Ausbildung von Geistlichen, Religionslehrern und
Katecheten. Der Studiengang Orthodoxe Theologie bietet aber zugleich auch
den evangelischen und katholischen Theologiestudenten Gelegenheit, ihren
theologischen und ökumenischen Horizont zu erweitern. Diese in der ganzen
Welt wohl einmalige Vertretung der Theologie aller drei Kirchen an derselben
Universität ist ein sehr hohes Gut, das nicht nur bewahrt, sondern weiter
gestärkt werden muss. Wie ich weiß, wird die gegenseitige theologische
Bereicherung auch durch interdisziplinäre, ökumenische Lehrveranstaltungen
gefördert. Die Einrichtung des "Zentrums für ökumenische Forschung"
ist der ernsthafte Versuch, einmal die inzwischen lange ökumenische
Praxis hier zu bündeln und nach außen hin durchsichtig zu machen;
andererseits wird es außerdem darum gehen, das ökumenische Geschehen
und die zwischenkirchliche Annäherung durch Projekte wissenschaftlich
zu erforschen und voranzubringen. Das ist ein sehr wichtiges Ziel.
Deshalb möchte ich den Gründern des Zentrums, den Herren Professoren
Neuner, Nikolaou und Wenz, sehr herzlich zu ihrem Werk gratulieren. Für
ihren Dienst wünsche ich ihnen Gottes Segen und jeden denkbaren Erfolg
zum Wohle unserer Kirche auf ihrem Weg zur christlichen Einheit!