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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

zum Jahresempfang 2005
der Griechisch-Orthodoxen Metropolie
von Deutschland

(13.06.2005)

* * *

Zur Feier des Namenstages unseres Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel und zu unserem diesjährigen Jahresempfang begrüße ich alle, die sich heute hier versammelt haben sehr herzlich!

Ich bin hocherfreut darüber, dass Sie in so großer Zahl unserer Einladung gefolgt sind. Durch Jahrzehnte hindurch hat sich die ökumenische Verbundenheit zwischen uns gefestigt und vertieft. Dabei gleicht auch unsere heutige Zusammenkunft wieder eher einem christlichen Familientreffen als einem offiziellen unverbindlichen Empfang. Unter Ihnen und für Sie alle begrüße ich nun vor allem unseren Vortragenden, Herrn Prof. Dr.Dr. Grigorios Larentzakis, der bereitwillig die weite Reise auf sich nahm, um uns einen Vortrag über das Thema „Der Beitrag der orthodoxen Kirche für Europa“ zu halten.

Heute ist es für uns fast selbstverständlich geworden, dass die Kirchen ihre Vertreter bei der Europa-Behörde akkreditiert haben. Einer solchen Bürokratisierung muss aber entsprechen, dass auch zuhause in den Kirchengemeinden über dieses Thema des Vereinten Europa gesprochen und diskutiert wird. Und natürlich ist es auch angezeigt, daß wir uns in der Ökumene darüber austauschen. Deshalb bin ich Herrn Professor Dr. Lareatzakis sehr dankbar dafür, dass er unserer Einladung so selbstverständlich gefolgt ist, um zu uns über die orthodoxe Kirche in Europa zu sprechen. Die nächsten beiden Staaten, die der Europäischen Union beitreten werden - Bulgarien und Rumänien - sind zudem zwei Länder mit vorwiegend orthodoxer Bevölkerung. Es gibt also Gründe, sich im Hinblick auf Europa mit der orthodoxen Kirche zu beschäftigen.

Wie es wohl überhaupt notwendig ist, über die christliche Kirche und Europa ausführlicher nachzudenken. Gewiss soll Europa nicht ein „Club der Christen“ sein oder werden, - aber doch ist das Christentum, wie der Europäer Jacques Delors es einmal ausdrückte, „die Seele Europas“. Sich darüber Gedanken zu machen, ist auch noch aus einem anderen Grunde wichtig. Wenn man heute an Europa denkt, ist man mit Sorge erfüllt; denn die jüngsten Ereignisse „um die europäische Verfassung haben deutlich gemacht, wie zerbrechlich die politische Einheit Europas ist. Die Absichten der Politiker und die Regelungen der europäischen Verwaltungsbehörde stimmen nicht überein mit der Meinung der Bevölkerung.

Der deutsche -Bundespräsident weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Idee einer europäischen Einigung für die Bürger nicht mehr erkennbar ist. Ist sie nicht mehr erkennbar, oder ist sie - wie andere meinen – nur „nicht bei den Menschen angekommen“? Vielleicht ist diese Idee eines vereinigten Europa uns einfach abhanden gekommen. Denn zweifellos hat es sie am Anfang der Bemühungen um ein z~ vereinendes Europa gegeben.

Ich glaube, es besteht bei allen, die wir heute hier beisammen sind, Übereinstimmung darin, dass das vereinte Europa sich nicht in einer Einigung über die ökonomischen, militärischen oder politischen Probleme erschöpfen kann. Es muss wiederum ein europäischer Geist erwachen, eine Einmütigkeit im Denken der Menschen entstehen, es muss die Idee Europas bei den friedlich zusammenlebenden und gemeinsam handelnden Völkern dieses Kontinents wieder lebendig werden. Auf keinen Fall dürfen wir uns an dieser Stelle mit einem Vakuum abfinden.

Ich habe die Hoffnung, dass wir heute hier etwas davon hören werden, wie diese Leere auszufüllen ist. Die orthodoxe Kirche hat etwas anzubieten und ist auch bereit, etwas zu tun. Und nun möchte ich Herrn Prof. Dr. Larentzakis bitten, zu uns über Europa und die Orthodoxie zu sprechen. Er kann ja als wahrhaft kompetent für diese Frage gelten, da er seit vielen Jahren maßgeblich beteiligt ist an den ökumenischen und kirchlichen, aber auch an politischen Bemühungen um ein vereintes Europa, - so z.B. an der Arbeit der Konferenz Europäischer Kirchen, die mit dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen zusammenarbeitet, oder an der Charta Oecumenica sowie am Dialog zwischen Orthodoxie und den Europäischen Parlamentariern.

Deshalb bin ich besonders froh, dass ich ihn für einen solchen Vortrag hier gewinnen konnte. Bitte, Herr Professor, Sie haben das Wort!


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