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GRUSSWORT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

zum Jahresempfang 2006
der Griechisch-Orthodoxen Metropolie
von Deutschland

(12.06.2006)

* * *

Verehrte, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
verehrte Festversammlung!

Eine gute Tradition ist der alljährliche Jahresempfang unserer Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, der anlässlich des Namenstages Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios Freunde und Weggefährten unserer Kirche in diesem Gotteshaus versammelt. Ich begrüße Sie alle, Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, des deutschen und des griechischen Staates, der Bundesstadt Bonn, des öffentlichen Lebens und der Presse, in  gleicher Verbundenheit und Herzlichkeit. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich Sie in dieser allgemeinen Art und Weise anspreche und nur einen einzigen Gast namentlich begrüße. Es handelt sich um unseren heutigen Festredner, Bischof Gerhard Feige von Magdeburg, den ich besonders willkommen heiße.

Als er vor knapp 7 Jahren, zum Weihbischof ernannt worden war, erinnerte ich in meinem damaligen Grußwort daran, dass eine wichtige Aufgabe der Kirche der Kampf gegen das Vergessen, die λήθη (Lethe) ist. Die griechische Sprache hat bekanntlich das Nichtvergessen A-LETHEIA (αλήθεια) genannt.  Das Nichtvergessen ist die Wahrheit! Und zu Zeugen dieser Wahrheit sind wir alle berufen worden. Heute haben wir in der Person von Bischof Feige nicht nur den der Wahrheit verpflichteten Bischof, sondern auch den Patristiker, Kirchenhistoriker und Ostkirchenkundler als Festredner gewinnen können, dem insbesondere die alte, ungeteilte Kirche am Herzen liegt.

Aus jener Zeit stammt ein Gedanke Basilius des Großen, der des Öfteren die Menschheit als den geistigen Tempel Gottes in der Welt bezeichnet. Trotz der Finsternis und der Unsicherheit des Zustandes der Wanderschaft wohnt Gott uns inne. Er ist mit uns nicht etwa nur wie ein Künstler mit seinem Werk, sondern wie ein Freund mit seinem Freund, ein Gatte mit seiner Gattin, ein Vater mit seinem Kinde. Er wohnt wirklich in uns, nicht nur kraft seiner Ähnlichkeit, seiner Macht und als der Urgrund, sondern mit seinem Wesen, wenn man so sagen darf, persönlich. Diesen Zustand nennt der große kappadokische Kirchenvater “ΕΝ-ΟΙΚΗΣΙΣ”, ”Innewohnen“.

Vielleicht liegt hierin ja eine weitere wichtige Aufgabe der Kirche, eine zerbrechende und zum Teil bereits zerbrochene Menschheit daran zu erinnern, dass Gott ihr innewohnt. Und dies kann sicherlich nur ökumenisch geschehen.

Aber ich will, Ihren Ausführungen, lieber Bischof Gerhard, nicht vorgreifen und bitte Sie deshalb jetzt um Ihr Wort!


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