(Bonn, 10.6.2009)
* * *
Mit besonderer Freude begrüße ich Sie alle zum diesjährigen Jahresempfang der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland. Haben Sie bitte Verständnis dafür, wenn ich Sie nicht einzeln begrüße, sondern Sie alle in mein „Herzlich willkommen!“ einschließe: die Vertreter der orthodoxen Diözesen unseres Landes und der evangelischen, der römisch-katholischen, der altkatholischen sowie der übrigen Kirchen, die Vertreter der Politik und der Wirtschaft, des diplomatischen und des konsularischen Corps, der Wissenschaft, der Künste und der Presse und alle Freunde der Metropolie, die heute da sind: Καλῶς ἤλθατε! Herzlich willkommen!
Es ist bereits eine gute Tradition, dass wir anlässlich unseres Jahresempfangs nicht nur mit kulinarischen Spezialitäten körperlich gestärkt werden, sondern auch geistige Nahrung empfangen, und zwar in Form eines Festvortrages, der ein aktuelles Thema der Ökumene behandelt.
Heute ist es der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, den wir um diesen ökumenischen Dienst gebeten haben. Bruder Schneider ist nicht nur unser ökumenischer Partner und Nachbar aus Düsseldorf, sondern – gestatten Sie es mir, so offen zu sagen – ein guter Freund, dem ich persönlich viele gute Gespräche und ein intensives ökumenisches Miteinander zu verdanken habe. Diese Freundschaft macht es möglich, auch heikle Themen in aller Offenheit und Aufrichtigkeit anzusprechen; sie erlaubt es, Freud und Leid in unseren jeweiligen Kirchen geschwisterlich zu teilen, um so den Anderen kennen zu lernen, immer besser kennen zu lernen.
Ich vermute, dass auch das Thema, das Bruder Schneider für den heutigen Tag ausgesucht hat, auf diese Weise zustande gekommen ist: er wird über die Bedeutung des Kreuzestodes unseres Herrn Jesus Christus zu uns sprechen. Mit Interesse haben wir – gerade in Bonn – die Diskussionen zu dieser Frage verfolgt, die in letzter Zeit in Ihrer Kirche und darüber hinaus geführt wurden. Für uns Orthodoxe gilt dabei stets ein ganz einfacher Merksatz: Zum Kreuz gehört im gleichen Atemzug die Auferstehung. Als Christen können wir den Karfreitag nur aus der Sicht des Ostersonntags verstehen. Diese österliche Perspektive ist es, die unsere Spiritualität, unsere Theologie, ja unseren orthodoxen Alltag auszeichnet. Deshalb sind wir auf die reformatorische Stellungnahme zum Thema gespannt. In diesem Sinn bitte ich nun Bruder Schneider um sein Wort!