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KURZPREDIGT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

im Ökumenischen Gottesdienst
zur Interkulturellen Woche 2005

(Text: Ev. Joh. 14,27)

(Berlin, 25.09.2005)

 

"Jesus Christus spricht: Den Frieden lasse ich euch;
meinen Frieden
gebe ich euch. Nicht gebe ich wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht
."

Das Erstaunlichste an diesem Friedenswort Jesu aus dem Johannesevangelium ist der Schluss des Verses, nämlich "euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!".

Nun ist die Tatsache, dass der Mensch sich fürchtet unbestritten. Zwar herrscht die Meinung vor, dass die jeweiligen Lebensumstände, Zwänge und herrschende Systeme die Angst und Furcht des Menschen hervorrufen; folglich können gesellschaftliche Veränderungen, soziale Revolution und Befreiung von Zwang und Unterdrückung auch die Furcht und Angst des Menschen beseitigen.

Die Bibel sagt uns allerdings etwas anderes, weil sie tiefer sieht: Die Furcht hat ihre Ursache nicht irgendwo außerhalb des Menschen, sie wurzelt vielmehr in seinem Herzen, d.h. im Kern des menschlichen Wesens und Lebens.

Gott ruft Adam - und dieser Name heißt auf Deutsch nichts anderes als "Mensch" -, und Adam, der Mensch, fürchtet sich! Das Gleiche lesen wir an unzähligen weiteren Stellen der Heiligen Schrift: Die Menschen fürchten sich vor Gott. Gott erscheint, Gott spricht, - und es fürchtet sich Abraham, der G6ttesfreund, - es fürchtet sich Jakob, der doch den Segen hat, - es fürchtet sich Mose, der heilige Gottesmann und Führer Israels, - die Propheten packt Entsetzen, wenn Gott sich ihnen naht! Und genauso im Neuen Testament: Die Hirten auf dem Felde fürchten sich sehr, als ihnen die himmlische Freudenbotschaft verkündet wird, - das Volk entsetzt sich, wenn der Gottessohn Jesus in göttlicher Kraft Wunder tut, - die Jünger kommt Furcht und Schrecken an, wenn der Herr und Retter im Seesturm erscheint, - wenn sie von der Auferstehung des Gekreuzigten aus dem Grabe hören oder dem Auferstandenen selbst begegnen, - und am Pfingsttag entsetzt sich die Volksmenge und ist bestürzt, als der Heilige Geist die Apostel ergreift und wandelt.

Immer dann, wenn Gott in diese Welt einbricht, erfasst die Menschen Furcht. Warum aber entsetzt sich der Mensch vor dem Heiligen, warum erschrickt er vor Gottes Stimme, warum sucht sich das Geschöpf vor dem Schöpfer zu verbergen?

Die Ursache dieser Furcht und aller Furcht des Menschen ist seine Trennung von Gott. Das Geschöpf hat sich vom Schöpfer losgesagt. Der Mensch will frei sein - wie er es versteht -, will nach seinen eigenen Gesetzen leben. Er zerbricht die Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott. An die Stelle des Urvertrauens treten Angst und Furcht; und zwar nicht nur die Furcht vor Gott, sondern Furcht und Angst befallen ihn, wenn er seine Hilflosigkeit und Ohnmacht fühlt und erlebt.

Diese Furcht kann nur überwunden werden, wenn das Vertrauen zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt wird, wenn zwischen Gott und Mensch Frieden geschlossen ist und der Mensch wieder eintritt in die Gemeinschaft Gottes.

Gott selbst macht uns das Friedensangebot, er reicht uns in Jesus Christus die Hand zu neuer Gemeinschaft und schafft durch den Heiligen Geist in uns ein neues Herz, ein neues Leben. Furcht und Schrecken dürfen wir ablegen und vergessen. Jesus Christus sagt uns: Euer Herz erschrecke und fürchte sich nicht. Ich bringe euch meinen Frieden.

Diesen Frieden bringt er in eine Welt, die immer wieder voll Unfrieden ist und in der wir Menschen vergebens Frieden zu schaffen versuchen. Wir wollen Frieden schaffen, damit wir unsere Ruhe haben, damit wir selbst nicht Böses erleiden. Wenn aber Christus Frieden schafft, so opfert er sich der tiefsten Friedlosigkeit und befriedet damit den Menschen und seine Welt. Seine Erlösungstat schafft Frieden, weil sie in göttlicher Wahrheit und Freiheit, in wahrer Gerechtigkeit und echter Liebe geschieht.

Weil Jesus Christus mit diesem Frieden unter uns erschienen ist und uns diesen Frieden schenken will, sind wir von Gott geliebte Menschen. Deshalb können wir uns auch untereinander lieben und zusammen mit Gott Frieden schaffen in Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit.

Hierin liegt die Aufgabe der Christen in dieser Welt des Unfriedens. Nicht in einem kämpferischen Aktionismus sollen wir tätig werden, sondern als kraftvolles Salz die Erde mit der Freiheit und Gerechtigkeit Gottes durchdringen, als Licht der Welt dieser durch Gottes Wahrheit Erleuchtung, bringen und als ein geringer Sauerteig der Liebe Gottes in die Menschheit hineinwirken und die Friedlosigkeit Oberwinden. Die neue Gemeinschaft mit Gott schafft Gemeinschaft der Menschen untereinander, neues Vertrauen zu Gott schafft auch Vertrauen unter uns. Und nur aus dem Frieden mit Gott kann der wahre Friede für diese Welt entspringen.

Möge der allmächtige und barmherzige Gott uns allen immer aufs Neue die Herzen öffnen, damit wir frei von aller Furcht den Frieden Jesu Christi empfangen und weitergeben können. Und das nicht nur in zeichenhafter Handlung in diesem Gottesdienst, sondern vor allem im alltäglichen Leben, in all unserem Reden und Tun. Dazu helfe uns der dreieinige Gott!  

Amen.


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