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NEUJAHRSbotschaft 2004

des Metropoliten Augoustinos
 von Deutschland
und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Mit Gottes Hilfe können wir uns in diesen Tagen ganz besonders der Erfolge der Medizin, der Erhöhung des Lebensstandards und der Verbesserung der sozialen Verhältnisse in unserer Heimat Europa rühmen. Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen, und der Wohlstand vermehrt die Lebensqualität. Wir alle sind damit einverstanden, der Jugend den Vorrang zu geben und alles dafür zu tun, die Lebenszeit zu verlängern. Gleichzeitig führt der wirtschaftliche Fortschritt die Menschen in neue, teils wirkliche, teils vermeintliche Zwänge. Der Konsumzwang ist dafür ein gutes Beispiel. Die Anhäufung von in den meisten Fällen unbrauchbaren oder überflüssigen Gütern verleiht uns die Illusion der Macht. Je mehr ich besitze, heißt es, desto größer ist meine Sicherheit, desto höher meine soziale Stellung.

Aber diese Kriterien, an denen wir heute gemessen werden, Reichtum und sein möglichst lang währender Genuß, sind nichtig und trügerisch, wenn wir sie verabsolutieren. Wenn wir einerseits akzeptieren, daß die genannten Faktoren Fortschritt bedeuten, so müssen wir doch andererseits, wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, ergänzen, daß sie allein unser Glück nicht gewährleisten können. Wie könnte man sonst den Umstand erklären, daß insbesondere in den sogenannten hochentwickelten Ländern die Suizide, die seelischen Krankheiten und die Flucht in Rauschmittel insbesondere unter jungen Menschen, denen es jedenfalls theoretisch an nichts gebricht, mit stark steigender Tendenz zunimmt? Die Qualität eines Menschen hängt demzufolge nicht davon ab, was er hat, sondern davon, was er ist. Das, was dem Menschen Wert gibt und ihn in der ganzen Schöpfung einzigartig macht, ist die Art und Weise, wie er seinem Leben Sinn gibt bzw. woran er glaubt. Wenn unsere Perspektive auf die Erde begrenzt ist, würden auch hundert Lebensjahre in Wohlstand möglicherweise nur ein Martyrium in Elend und Unzufriedenheit sein. Wenn sich dagegen unsere Perspektive auf die Ewigkeit hin öffnet - und das ist etwas, wonach sich jeder Mensch zutiefst sehnt, nämlich nach der Unsterblichkeit, die Gottes Liebe uns schenkt – dann können auch viel weniger Lebensjahre Jahre des Gelingens voller Kreativität sein.

Jemand hat einmal sehr klug gesagt: Sag mir, was du glaubst, damit ich dir sage, was für ein Mensch du bist. Unsere Ehre und unsere Verantwortung ist unser Glaube an den dreieinigen Gott der Liebe, der uns von unseren Lebenslügen befreit, der uns zur Verantwortung befähigt, der unsere Freiheit respektiert und der nichts sehnlicher wünscht als unsere Erlösung. Er erwartet also von uns, daß wir mit Ihm zusammenwirken, damit wir selbst sowohl in diesem Leben als auch in alle Ewigkeit unseres wahren Menschseins gewürdigt werden.

Mein väterlicher Wunsch am Anfang dieses neuen Jahres 2004 ist also, daß wir nicht halbe Menschen bleiben, die ihr Herz nur an äußerliche, vergängliche Dinge hängen, sondern daß wir in unserer heiligen Kirche die Freude des ungeteilten Menschseins  erleben, daß wir den Kern des Lebens erkennen und im Frieden um unsere personale Entfaltung ebenso ringen wie um die Umgestaltung der Welt in eine Welt schöpferischer Hoffnung und tatkräftiger Liebe.


In der Liebe Christi

Metropolit Augoustinos von Deutschland


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