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Osterbotschaft 2000

des Metropoliten Augoustinos
 von Deutschland
und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Die Liebe und die Vorsehung Gottes würdigen uns auch in diesem Jahr, zusammen mit allen unseren christlichen Brüdern in der ganzen Welt das heilige Osterfest zu feiern. Das alttestamentliche Vorbild dieses Festes ist die Befreiung der Hebräer aus der harten Knechtschaft der Ägypter und der wunderbare Durchzug durch das Rote Meer auf dem Weg in das Land der Verheißung, in das Land Kanaan. Auch unter christliches Osterfest bedeutet einen Übergang: den Übergang vom Tod zum Leben und von der Erde zum Himmel. Genau das meint eine Strophe des Festkanons: "Christus, unser Gott, hat uns vom Tod ins Leben und von der Erde in den Himmel versetzt - uns, die wir Ihm singen das Siegeslied".

Von diesem Ereignis der Auferstehung sagt auch die Osterperikope der Apostelgeschichte, daß der auferstandene Christus selbst nach Seinem Leiden SeinenJüngern vierzig Tage lang erschien "und zu ihnen über das Reich Gottes redete" (Apg 1,3). Dieses Ereignis bestätigt auch die durch die Jahrhunderte hindurch nicht abgerissene Kette zahlloser Heiliger. Dieses wunderbare Ereignis bezeugen heute auch die von feiernden gläubigen Christen jeglichen Alters dicht gefüllten Kirchen; die Kirchenglocken, die die freudige Botschaft von Ostern bis an die Enden der Erde tragen; das Frühlingserwachen der Natur, die in ihrer Pracht an der Osterfreude teilnimmt; die Liebe zum auferstandenen Christus, die die Seelen der Kleinen und Großen, der Jungen und Alten, der Selbstbeherrschten und der Ausschweifenden, derer, die gefastet, und derer, die nicht gefastet haben, der Reichen und Armen - um die unvergleichliche katechese Rede des hl. Johannes Chrysostomuw in Errinnerung zu rufen - erfüllt.

Es ist wahr, und wir wollen es betonen, daß uns die Liebe Gottes durch die Auferstehung Christi, Seines Fleisch gewordenen Sohnes, zuteil wird und auf einzigartige Weise die Herzen aller kräftigt, die in sich den Glauben an das große Wunder unerschütterlich bewahren. Nur mit einem solchen Glauben können die Augen unserer Seele dem leeren Grab Christi und Ihm selbst als dem Überwinder des Todes begegnen.

Warum sind die nicht glücklich, die das Wunder der Auferstehung, sei es unter dem Einfluß eines ungehemmten Skeptizismus, sei es durch die Not eines unüberwindbaren Zweifels, in Frage stellen. Solche Menschen löschen in sich auch den letzten Funken des Glaubens. Aber was noch schlimmer ist: Sie machen ihr Leben zu einem Golgotha ohne Auferstehung, zu einem Karfreitag ohne Ostern, zu einem Winter ohne Frühling. Sie handeln, mit anderen Worten, wie die Hohenpriester der Hebräer. Wie jene die Soldaten, welche das Grab bewachten, bestachen, um sie zuder Falschaussage zu bewegen, die Jünger hätten den Leichnahm Jesu in der Nacht des großen Sabbats gestohlen, ebenso handeln die Leugner und die Ungläubigen zu jeder Zeit. Sie versuchen mit allen Mitteln, die Aufertehung Christi als Lug und Trug zu erweisen.

Glücklich sind hingegen jene Christen, die zugleich mit dem Osterlicht auch das Licht ihres Auferstehungsglaubens entfachen. Ihr Glück liegt in dem Umstand, daß sie in Einfalt und Unbekümmertheit den auferstandenen Christus erfahren als Den, "der da wohnt in ewigem Licht", als "Sonne der Gerechtigkeit", als "Bezwinger des Hades", als Sieger über den Tod und als Spender der Auferstehung, jenerAuferstehung, deren Vermächtnis Christus noch vor Seiner Auferstehung Martha anvertraut hatte, als Er ihr verkündete: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben" (Jo 11,25-26). Dieses Vermächtnis bekennen wir als den Gegenstand unserer Erwartung, sooft wir im Glaubensbekenntnis sprachen: "Ich harre der Auferstehung der Toten und des Lebens des Äons".

Es zeigt sich also: Die Auferstehung ist nicht nur der Gipfel, sie ist auch die Substanz und die Mitte des Erlösungswerkes Christi. Die Auferstehung ist der Grund unseres Glaubens. Zurecht betont der hl. Apostel Paulus: "Wenn Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, so ist unsere Verkündigung nichtig, nichtig auch euer Glaube" ( 1 Kor 15,14). Die Auferstehung ist die Kraft, die unserem Glauben Halt gibt und uns die Hoffnung schenkt, erlöst zu werden. Sie stärkt uns für den harten Kampf des Lebens, die alltäglichen Nöte und Trübsale, das Mißlingen und die Trauer, die vielfältigen Schwierigkeiten und Widerstände unserer alltäglichen Mühsal.

Geliebte Schwestern und Brüder,

Sie wissen, daß wir uns von heute an vierzig Tage lang, also bis zum Fest der Himmelfahrt des Herrn, mit dem Gruß "Christus ist auferstanden! - Er ist wahrhaft auferstanden!" begrüßen. Dieser Gruß soll, ich bitte Sie, nicht eine leere Formel in unseren gesellschaftlichen Beziehungen bleiben, ein Gruß, der uns einzig und allein an die Frömmigkeit unserer Väter erinnert. Vielmehr sollte er uns die tiefere Bedeutung des Wunders der Auferstehung vergegenwärtigen und uns zu einer tiefergehenden Selbsterkenntnis führen und einer wirksameren Erleuchtung unserer Herzen führen. So werden wir die Kraft erlangen, Haß und Ungerechtigkeit. Leidenschaften und Vergeltung zu verbannen und die Fehler und Unterlassungen unserer Mitmenschen zu verzeihen.

Wir dürfen nicht vergessen, daß das Osterfest schon seit der apostolischen Zeit "Agape", "Liebe" genannt wurde. Christus selbst hat die geschwisterliche Verbundenheit der Menschen untereinander gelehrt, und nach Seiner Auferstehung hat die erste christliche Gemeinde in Jerusalem diese geschwisterliche Verbundenheit gelebt. Möge diese zugleich brüderliche und göttliche Liebe auch heute unter allen Menschen dieser Welt walten.

Der auferstandene Christus, unser wahrer Gott, segne Sie alle!

Christus ist auferstanden!
Ihnen allen ein gutes und gesegnetes Osterfest!

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland

Ostern 2000 


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