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Osterbotschaft 2002

des Metropoliten Augoustinos
 von Deutschland
und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Heute feiern wir Christi Auferstehung, das Fest der Feste, das Fest des Lichtes, der Freude und des Lebens. Der Tod ist überwunden, der Teufel entmachtet. Und dennoch könnte man sogleich fragen: Ist diese Sicht von Ostern nicht zynisch, wenn wir gleichzeitig - trotz allen Fortschritts - um uns herum Anzeichen wahrnehmen, die das genaue Gegenteil zu belegen scheinen: Dunkel, Bitternis und Tod? Es stimmt; die Tatsachen zeigen uns, daß die Menschheit für jeden Schritt, den sie vorwärts tut, zwei Schritte zurück macht. Aber es bleibt die Frage: Warum ist das so? Was ist die Wurzel dieses Problems? Viele haben versucht, die Ursachen unserer gegenwärtigen Krise mit wissenschaftlichen Methoden zu analysieren. Aber nur wenige haben verstanden, daß der Kern des Problems geistlicher Natur ist. Mit anderen Worten: Es geht hier nicht vorrangig um Ökonomie, Gesellschaft oder Politik. Es geht um etwas, was noch grundlegender ist: Der Mensch hat den Sinn seines Lebens verloren. Auch wenn wir Wolkenkratzer errichten und die Welt der Sterne erobern - die menschlichen Beziehungen sind nicht besser geworden und werden von allgemein verbreiteter gegenseitiger Mißgunst vergiftet. Es herrschen Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Gewalt. Denn der Mensch hat seine Seele zugunsten seines materiellen Wohlergehens vergessen. Wenn der Mensch Gott aus der Mitte seines Lebens verbannt, wird das Recht des Stärkeren zur Norm und die Anarchie schrankenlos. Der Mensch hat seinen Glauben verloren, oder vielmehr auf seine Fähigkeit vertraut, allein, ohne Gott, der Gegenwart einen Sinn und der Zukunft eine Perspektive zu geben.

Aber wir Menschen sind keine Aktien an der Börse, wir sind auch keine Zahlen in einer Computerdatei. Wir sind Personen mit einzigartigen Charismen und Verantwortung. Wenn wir von diesen Charismen einen guten Gebrauch machen, verwandeln wir die ganze Welt. Menschen sind keine Produkte mit Verfallsdatum, dazu bestimmt, am Ende kompostiert oder wiederaufbereitet zu werden. Wir sind nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, und unser Ende ist nicht das Grab, sondern das ewige Leben. Wir sind nicht das, was wir essen und was wir trinken. Die weltlichen Genüsse sind flüchtig.

Warum hat niemand den Mut, uns zu sagen, was danach kommt? Und wenn doch, so heißt es meistens: Mit dem Tod ist alles aus. Das ist der uralte Versuch, die Seele zu leugnen und die Menschen zu überzeugen, es käme darauf an, uns hier so bequem wie möglich einzurichten, ohne jegliche Rücksichtnahme auf das, was um uns herum geschieht. Hauptsache, es geht uns gut.

Diesem verführerischen Sirenengesang widersteht seit zwei Jahrtausenden die klare Stimme der Kirche, die ununterbrochen und unermüdlich auf der ganzen Welt die Wahrheit verkündet und uns alle dazu auffordert, unseren Glauben an diese Wahrheit unablässig zu erneuern.

Was besagt diese Wahrheit? Sie besagt, daß Gott um eines einzigen Zieles willen Mensch wurde: damit der Mensch, jeder Mensch, ein Gott der Gnade nach werde. Gott wurde Mensch und hat um des Menschen willen freiwillig den Tod auf sich genommen und hat, was noch wichtiger ist, den Tod besiegt, um jedem von uns die Fähigkeit zu verleihen, vom Tod zum Leben zu gelangen. Der Tod wurde tödlich verwundet, so daß jener Übergang, der uns alle erwartet, der Abschied von diesem Leben, nun kein definitives Ende mehr ist, sondern das neue Leben jenseits von Schmerz, Trauer und Jammer. Darum betonen wir, sooft wir das Glaubensbekenntnis sprechen: "Ich harre der Auferstehung der Toten und des Lebens der kommenden Welt". Dieser Glaube gibt jedem Augenblick unseres Lebens auf Erden Sinn, weitet unseren Horizont und stärkt unsere Hoffnung und unsere Fähigkeit, für unsere Würde und die Schönheit der Welt zu kämpfen.

Die österliche Gewißheit, die wir mit dem Ruf "Christus ist auferstanden!" bezeugen, ist auch die Voraussetzung unserer eigenen Auferstehung und zugleich unsere Absage an Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit, ist unser Atem und unsere Lebenskraft, das Geheimnis unserer untrüglichen Freude.

Darum antworten wir alle, die wir auf den Namen Christi getauft sind, aus ganzem Herzen: "Der Herr ist wahrhaft auferstanden!

Ich wünsche Ihnen allen, daß Sie jene Kraft erfahren, die nur der Glaube an Christus, den Auferstandenen, uns geben kann.

Mit väterlicher Liebe

Ihr Metropolit Augoustinos von Deutschland.


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