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Osterbotschaft 2003

des Metropoliten Augoustinos
 von Deutschland
und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Ehre sei dem Herrn der Herrlichkeit, der uns auch in diesem Jahr würdigt, nach einer langen Vorbereitungszeit, die die vierzigtägige österliche Fastenzeit und die Heilige Große Woche umfaßt, das abendlose Licht Seiner Auferstehung zu empfangen. Unser Jubel ist um so größer, je mehr wir uns bewußt machen, daß dieses abendlose Licht ausschließlich um unseret-, um der Menschen der ganzen Welt willen existiert. Unser Herr Jesus Christus ist vom Dunkel des Todes zum Licht des Lebens übergegangen und hat uns aus grenzenloser Liebe diesen Seinen Sieg geschenkt. Der Tod wurde zu unseren Gunsten besiegt. Auferstehung bedeutet Leben. Und dieses Leben ist das Geschenk der Liebe Christi an Seine Kinder.

Unsere Schwierigkeit, die Größe dieser Liebe zu erfassen, beleuchtet eine Passage des Epheserbriefes des heiligen Apostels Paulus. Er bittet den Heiligen Geist, Herz der Epheser zu stärken, damit Christus durch den Glauben darin Wohnung nehmen könne. Nur so, fährt der Apostel fort, können wir die Weite und die Breite, die Höhe und die Tiefe des Mysteriums unseres Heils erfassen. Nur so können wir die Liebe Christi erkennen, die jede menschliche Fassungskraft übersteigt.

Die Auferstehung ist also das Mysterium der Liebe, das unser Verstand nicht erreichen kann und die Teilhabe unseres Herzens voraussetzt. Es verlangt den Glauben, der sich in der Liebe verwirklicht. Dieser Glaube, den wir brauchen, um wirklich feiern zu können, kann weder mit wissenschaftlichen Experimenten, noch mit mathematischen Gleichungen unter Beweis gestellt werden. Und das deshalb, weil der Glaube eine Qualität der Liebe ist. Wir glauben, wenn wir lieben, und wir lieben, wenn wir glauben. Die Liebe zeigt sich weder auf der Waage noch auf dem Röntgenschirm. Unser Glaube ist jene Liebe, mit der wir die Liebe Christi beantworten. Er hat uns zuerst geliebt, und das so sehr, das Er uns von der Furcht vor dem persönlichen Versagen und dem Nihilismus befreit hat.

Wenn wir also täglich die Freude des Lebens kosten und die Schönheit der Liebe genießen wollen, dann müssen wir nur den auferstandenen Christus zum Maßstab aller Dinge unseres Lebens machen. Wenn wir mit Christus leben, dann leben wir wirklich. Darum läßt sich auch Seine Auferstehung nicht auf den Ostersonntag reduzieren. Die Auferstehung ist ein Ereignis, das wir, wenn wir nur wollen, in allen Details unseres Lebens täglich erfahren können. Zum Beispiel dann, wenn wir uns aufrichtig selber prüfen und falsche Verhaltensweisen korrigieren. Wenn wir denen verzeihen, die uns geschadet haben. Wenn wir das Übel, das wir anderen zugefügt haben, beseitigen. Wenn wir helfen, wo es nottut. Ja sogar mit einer Geste der Liebe und nur mit einem einfachen Lächeln.

Worum es uns geht, ist, daß wir Wege finden, die uns erlauben, jeden Tag unseres Lebens zu einem Tag der Auferstehung zu machen. Und wenn wir den Eindruck haben, daß uns die Inspirationen dazu fehlen, dann laßt uns einfach die Gelegenheiten ausschöpfen, die uns das Leben in der Kirche gibt, in der wir unablässig von neuem die Botschaft aller Botschaften vernehmen: Christus ist auferstanden!

Ich grüße Sie in väterlicher Liebe und mit dem herzlichen Wunsch, daß Gott Ihnen all Seine Gaben reichlich gewähre.


Bonn, Ostern 2003

Metropolit Augoustinos von Deutschland


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