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Osterbotschaft 2004

des Metropoliten Augoustinos
 von Deutschland
und Exarchen von Zentraleuropa

“Alles ist von Freude erfüllt
durch die Erfahrung der Auferstehung.“


Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Freude hatte uns schon die Geburt Christi bereitet, denn sie bedeutet, daß unser Erlöser für uns geboren wurde. Welchen Wert hätte diese Geburt, wenn sie nicht unserer eigenen Geburt, unserem eigenen Leben Sinn gegeben hätte? Aber welchen Wert hätte eine Erlösung, wenn sie uns nicht darüber hinaus von der Furcht und dem Schatten unseres eigenen Todes befreit hätte? Das ist es, warum gerade heute unsere Freude vollkommen wird: Christus hat dem Tod seine Macht genommen. Er hat das schreckliche Ende, das der Tod ist, zu einem Aufstieg ins Licht verwandelt, hat an die Stelle seiner unerbittlichen Endgültigkeit den Anfang ewigen Lebens gesetzt. Der in Bethlehem geboren und in Jerusalem begraben wurde, unser Herr und Gott, hat durch seine Auferstehung den Ort der Verwesung, das Grab, zum Ursprung der Unverweslichkeit und der Freude gemacht.

In diesem Moment wird alles von Freude überstrahlt. Alles ist jetzt frei. Es gibt kein Ende mehr. Allein die Kraft der göttlichen Liebe hat die physischen Grenzen des Lebens der Kinder Gottes überwunden und die verzweifelten Versuche der Wissenschaft, dem Leben durch Klonen Ewigkeit zu verleihen, überflüssig gemacht.

Dennoch stellt sich uns eine brennende Frage: Wie ist es möglich, diese Freude zu erfahren? Wie können wir den Zweifel aus unserem Herzen verbannen und in Freiheit leben? Die Antwort lautet: nur durch die persönliche Erfahrung der Auferstehung. Das ist die Erfahrung der salbentragenden Frauen im Anblick des leeren Grabes. Wenn wir die Auferstehung wirklich erleben wollen, so müssen wir das zuerst wollen und uns dann von den Fesseln unserer Bequemlichkeit befreien. Wir müssen unseren Geist und unser Herz von uns liebgewordenen Vorurteilen befreien. Was sind wir nicht alles bereit zu glauben, welch kleine und unbedeutende Dinge! Wir tun dies, weil es leicht ist und zu nichts verpflichtet. Aber wir ahnen auch: Wenn wir den Auferstandenen mit unseren eigenen Augen sehen wollen, so nicht ohne Entschlossenheit, ohne Verantwortung für unser Tun, ohne “den guten Kampf zu kämpfen“. Hinter jeder menschlichen Erfahrung verbirgt sich eine Handlung, eine Tat. Die Erfahrung der Auferstehung ist keine Angelegenheit individueller Beliebigkeit. Die Auferstehung erschließt sich jedem von uns nur in jener Gemeinschaft, in jenem gemeinsamen Handeln, in jenem gemeinsamen Leben, in jener Gemeinschaft par excellence, die wir “Kirche“ nennen.

Wir erfahren die Auferstehung, die höchste Offenbarung der göttlichen Liebe, wenn wir den Mut haben, das lebenslange Wagnis der Liebe frei zu wählen: Gott, die Menschen und die ganze Welt zu lieben. Liebe ist kein Slogan, sie wird nicht fertig verpackt verteilt. Liebe ist eine Fähigkeit und eine Gabe. Fähigkeit, weil sie ein persönliches und gemeinschaftliches Handeln voraussetzt. Gabe, weil sie zu ihrem Gelingen der Gnade Gottes, der selbst Liebe ist, bedarf.

Auf diese Weise werden auch wir zu heutigen Zeugen der Auferstehung, empfängt unser Leben den Reichtum und die Fülle einer Freude, die keine Macht der Welt uns je entreißen kann. Auch nicht in jenen schweren Stunden, in denen wir als Menschen an unsere Grenze stoßen und verzweifeln. Die existentielle Erfahrung der Auferstehung ist jenes Geheimnis, das uns das wahrhaft selige Leben schenkt.

Laßt uns ein Leben der Auferstehung führen, ein Leben in Freude, ein Leben in Fülle, ein Leben mit Christus, ein Leben der Liebe, das von jener “Schönheit“ durchdrungen ist, “die die Welt retten wird“. Das ist mein Wunsch für uns alle, heute und jederzeit.

Christus ist auferstanden!


Bonn, Ostern 2004

Metropolit Augoustinos von Deutschland
 


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