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PREDIGT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

im Orthodoxen Gottesdienst
 
auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag

(Köln, 7.6.2007)

* * *

"Lebendig, kräftig und schärfer..." fällt es uns überall auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln in die Augen, - aber das Motto wirkt unvollkommen, herausgerissen aus einem Zusammenhang, der uns unbekannt bleibt, der beliebig ausgefüllt werden kann und anscheinend auch wird.
...lebendig, kräftig und schärfer..., wer will, wer kann das von sich sagen? Der Kirchentag? Der Protestantismus? Oder wir alle als Glieder der Kirche Jesu Christi?
Und auf wen oder was ist diese Lebendigkeit, diese Kraft und diese Schärfe gerichtet, worauf zielt sie ab?
Sollen wir uns mit diesen Worten in innerweltlichen Bereichen bewegen, uns mit den Problemen unserer Welt und des mensch­lichen Zusammenlebens beschäftigen? Müssen wir uns lebendig, kräftig und schärfer als bisher für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, für Bewahrung der Schöpfung einsetzen, - alle Ziele, die unserem zeitlichen Wohl dienen, aber kaum etwas mit unserem Heil, mit dem ewigen Leben zu tun haben?

Ehe wir uns mit diesen wichtigen Fragen und Antworten befassen, müssen wir uns allerdings über die Herkunft dieses Wortes klar werden. Dazu muss auch das Bruchstückhafte des Satzes im ursprünglichen Sinne vervollständigt werden.
Im vierten Kapitel des Hebräerbriefes finden wir das, was wir suchen, und wir lesen: "Das Wort Gottes ist lebendig, kräftig und schärfer als ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."

In der Bibel ist das Schwert wie im gesamten Altertum und Mittelalter bis in die Neuzeit hinein die eigentliche ritter­liche Waffe. In der Heiligen Schrift wird es zugleich zum Bild für Macht und Krieg, für Schmerz, aber auch für die Zunge, für das scharfe Wort. Im Neuen Testament wird es darüber hinaus als Wort Gottes zur geschliffenen Waffe im Kampf zwischen Glauben und Unglauben, der die Welt- und Heilsgeschichte bewegt. Und das nicht nur in diesem Wort des Hebräerbriefes, sondern auch in der Offenbarung des Johannes, in der Gestalt des apokalyptischen Gottes und Menschensohnes, der sieben Sterne in seiner Hand hat, aus dessen Mund ein scharfes zwei­schneidiges Schwert geht und dessen Angesicht leuchtet wie die Sonne in ihrer Macht, hat das richtende Gotteswort seine heilsgeschichtliche Bedeutung erlangt.

Und damit befinden wir uns plötzlich in einer Welt, die weit über die Kirchentagswelt hinausführt. Wir blicken in die umfassendere Wirklichkeit Gottes. Es geht nicht mehr in erster Linie um Impulse, die der Kirchentag der Politik, der Wirt­schaft und Gesellschaft geben wird. Es geht auch nicht zuerst darum, dass wir als Kirche die Erscheinungen unserer Welt und des menschlichen Zusammenlebens kritisch betrachten. Welche unmaßgeblichen Meinungen sind denn dafür unsere Kriterien?

Wenn wir der Offenbarung Gottes gegenüberstehen - und darum geht es hier -, haben wir vor allem zuzuhören und zu lernen. In Wahrheit ist das Gotteswort das Kriterium; hier wird über uns und unser Denken und Tun, unsere Gedanken und Sinne des Herzens geurteilt. Tatsächlich ist das Wort aus dem Hebräerbrief ein Wort, das uns richtet. Versuchen wir denn nicht immer wieder, im Wort Gottes unser eigenes Reich aufzubauen; versu­chen wir nicht, uns die Wahrheit zu erschleichen und damit das wahrhaft göttliche Reden immer auf’s Neue zu verunreinigen?

Im Wort Gottes werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, mit der ewigen Wahrheit, die in Jesus Christos Fleisch geworden ist in dieser Welt. Gott ist wahrhaftig Mensch geworden und nicht nur in die Materie eingegangen, Wort und Wahrheit sind zu uns gekommen. Ist es aber nicht so, dass wir in Wirklichkeit diese Wahrheit im göttlichen Wort nicht gerade mit Freude empfangen, dass wir das Licht, das mit Christus in unsere Finsternis einbricht, nicht begreifen wollen?

"Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."
Gott gebe, dass uns vor diesem seinen Richterwort Furcht ankommt! Nur dann können wir erkennen, welche Gnade uns durch die Wahrheit Gottes geschenkt wird. Nur wenige Verse müssen wir im Hebräerbrief weiterlesen, um zu begreifen, dass bei Gott richtende Wahrheit und barmherzige Gnade zusammengehören. Denn nun heißt es: "Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist, gleichwie wir, doch ohne Sünde.
Darum lasst uns hinzutreten zu dem Gnadenthron, damit wir Barm­herzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn uns Hilfe Not sein wird."

In Ehrfurcht und Vertrauen dürfen wir uns Gott nahen, um an der offenbarten Wahrheit teilzuhaben und an der Heilsgeschichte Gottes in dieser Welt mitzuwirken. Gott will uns diese Gnade gewähren, empfangen wir sie in Dankbarkeit!

Amen.


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