(16.10.2005)
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Liebe Mitbrüder im priesterlichen
Amt, Priester und Diakone,
Liebe Schwestern und Brüder,
Liebe Kinder!
„Liebet eure Feinde und tut Gutes und leihet, ohne etwas dafür zu erhoffen!“ Dieser Satz aus dem heutigen Evangelium ist als der Kernsatz der christlichen Botschaft bezeichnet worden. Das radikal Neue, was Jesus Christus den Menschen seiner Zeit und den Menschen unserer Zeit immer wieder verkündet, ist das Gebot der Feindesliebe. Viele von uns sind überzeugt davon, gar keine Feinde zu besitzen und manche sind deshalb gar der Meinung, dieser Satz des Evangeliums sei überholt. Doch wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, stellen wir fest, wie viele Vorurteile nationaler, religiöser oder anderer Art ein jeder von uns mit sich mitschleppt.
Wenn wir unseren Mantel in die Reinigung geben wollen und deshalb seine Taschen untersuchen und leeren, stellen wir fest, was wir alles mit uns mitschleppen. Es ist jener lästige und überflüssige Ballast, den wir mit uns tragen, und den es gilt, loszuwerden. Wie schön wäre es, wenn es uns gelänge, zum Beispiel mit diesen Vorurteilen aufzuräumen und Schluss zu machen.
Es reicht, an diesem Tag an die Flüsse von Tinte zu erinnern, die von Christen zum Schreiben von Büchern und Artikeln gegen andere Christen verwendet wurden. Wie viel Hass und Fanatismus hat es in der Vergangenheit gegeben! Doch jede Form des Fanatismus, insbesondere der religiöse Fanatismus, kann nicht zu einem gesegneten Miteinander der Menschen beitragen. Und Jesus Christus, unser Heiland und Gott, verlangt noch mehr von uns: „tut Gutes“. Die Liebe, nicht nur die Feindesliebe, kann nicht mit einem bloßen Lippenbekenntnis abgetan werden. Die wahre Liebe ist stets tätige Liebe, genau so wie wahre Reue stets tätige Reue ist.
Und die dritte Aufforderung dieser zentralen Botschaft des Evangeliums lautet dann „Ieihet, ohne etwas dafür zu erhoffen!“ Jemandem etwas geben, weil man sich deshalb einen materiellen oder anderen Vorteil erhofft, das kann jeder, so tun es heute alle, das ist die Devise der materialistischen Welt, in der wir leben. „Was bekomme ich dafür?“ „Wer zahlt mir das?“ sind im Grunde die am häufigsten gestellte Fragen der heutigen Zeit. Und an dieser Stelle kommt Christus und vermittelt uns einen ganz anderen Lebensentwurf: Tut Gutes und sprecht nicht darüber! Helft anderen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten! Seid Diener der Nächsten!
Hilfe und Dienst am Nächsten haben wir orthodoxe Christen - nicht nur in dieser Stadt - vielfach erfahren von unseren ökumenischen Geschwistern, insbesondere von der katholischen und der evangelischen Kirche. Ein Ergebnis dieser Hilfe ist diese wunderschöne Kirche, die in den letzten 25 Jahren zur religiösen Heimat so vieler Gläubigen ganz unterschiedlicher Nationalität geworden ist. Bereits gestern Abend habe ich den Schwesterkirchen gedankt. Gerne wiederhole und bekräftige ich diesen Dank heute.
Lieber Vater Sorin!
Wir haben Sie soeben in den Rang eines Erzpriesters erhoben, den höchsten Titel, welche unsere Kirche einem Weltpriester verleiht. Die deutsche Bezeichnung "Erzpriester" weist auf das griechische Wort Πρωτοπρεσβύτερος hin. Die deutsche Vorsilbe "Erz-" hat also nichts mit dem Metall Erz zu tun, sondern müsste eigentlich "Erst-" heißen, denn, wie es im Weihegebet, das wir gerade gelesen haben, heißt, sollen Sie als erster unter den Priestern beim Bischof stehen. Dies betrifft zunächst Ihren Platz in der Göttlichen Liturgie. Darüber hinaus bedeutet es aber auch, dass Sie auch weiter hin in ihrem pastoralen Dienst bei Ihrem Bischof und zu Ihrem Bischof stehen werden, so wie Sie es auch bisher getan haben. Und gestatten Sie mir noch diesen Hinweis: wir verleihen Ihnen diesen Titel ganz ausdrücklich auch für Ihren Dienst an der inner-orthodoxen Zusammenarbeit an der Maria-Schutz-Kirche in Freiburg und für Ihre Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Ostkirchen dieser Stadt sowie Ihr ökumenisches Engagement. Seien Sie weiterhin der Garant und der Motor der orthodoxen Einheit dieser Stadt! Setzen Sie das Werk Ihres verehrten Vorgängers Vater Popa fort! Und mögen Sie dann auch sein gesegnetes biblisches Alter erreichen! Axios! Wrednick jeßte!
Liebe Väter, liebe Schwestern und Brüder,
Sie alle, die Angehörigen der russischen, serbischen, rumänischen und griechischen Kirchengemeinden, aber auch alle Georgier, Erythräer und natürlich alle Deutschen, beglückwünsche ich zum heutigen Jubiläum. 25 Jahre sind für die Kirchengeschichte keine lange Zeit; für uns aber sind sie eine wichtige Zeitspanne unseres Lebens. (Dies sage ich als jemand, der gerade sein 25jähriges Jubiläum als Metropolit von Deutschland feiern darf!) Ihnen rufe ich deshalb in väterlicher Liebe zu: Seien Sie stolz auf diese Ihre Kirche! Sorgen Sie immer besser für sie!
Und der Gott des Erbarmens möge alle Tage Ihres Lebens mit Ihnen sein.