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PREDIGT

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

im Hohen Dom zu Aachen

(07.09.2003)

* * *

Hochwürdigste Patriarchen, Kardinäle und Bischöfe,
Exzellenz Bischof Mussinghoff,
liebe Freunde von der Gemeinschaft Sant’ Egidio,
liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für mich eine große Freude, an dieser ehrwürdigen Stätte mit Ihnen zusammen zu sein, wo Generationen von Christen gebetet und Gottesdienst gefeiert haben. Diese Kirche atmet noch die Luft der Einheit, denn sie wurde in einer Zeit errichtet, als Osten und Westen noch in Einheit verbunden waren. Auch der Baustil dieses Domes gibt Zeugnis für das Band der Einheit. Es ist bedeutsam, dass wir unsere Tage des Reflexion und des Gebetes in diesem Dom beginnen, dass Christen aus vielen Kirchen und Konfessionen hier versammelt sind, dass wir zusammen auf das Wort des Herrn gehört haben, das uns alle verbindet und uns alle aufruft, die Einheit zu suchen und gemeinsam für den Frieden in der Welt tätig zu sein.

Wir haben im Evangelium gehört, wie die Leute einen taubstummen Mann zu Jesus brachten, damit er ihn berühre. Und das Evangelium erzählt, wie Jesus ihn beiseite nahm, von der Menge weg, ihm die Finger in die Ohren legte, dann die Zunge des Mannes mit Speichel berührte, zum Himmel aufblickte, seufzte und zu dem taubstummen Mann sagte: Effata: Öffne dich! Wir sehen die große Liebe Jesu, seine Zuneigung und gleichsam seine konkrete Freundschaft, wie er sich viel Mühe gibt, um diesen Kranken zu heilen. So wollen diese Tage auch eine Gelegenheit sein, zu Jesus zu kommen, damit er uns die Ohren öffnet, um uns zu verstehen, nicht nur unter uns Christen, sondern auch Menschen anderer Religionen und Kulturen. Und das Wort Jesu, kann auch uns die Zunge lösen, damit wir die Sprache des Evangeliums sprechen, die eine Sprache der Freundschaft und des Friedens ist, eine universale Sprache, die wir noch wenig gelernt haben.

Doch die Erfahrung dieser Tage, die mittlerweile lange Geschichte der Friedenstreffen, zeigt uns, wie viele Früchte diese Sprache des Evangeliums hervorbringen kann. Ich denke an den Frieden in Mosambik, für den die Gemeinschaft Sant’ Egidio viel gearbeitet hat, an die Sprache der Versöhnung, die aus dem Evangelium hervorgeht, die mit vielen Gesten der Freundschaft verbunden war, wie im Evangelium beschrieben wird, und die eine große Frucht des Friedens hervorgebracht hat. Ich denke an viele Bemühungen im Dialog zwischen Christen und Muslimen, mit anderen Religionen, mit Nichtgläubigen, Politikern und Menschen aus der Kultur im Rahmen dieser Friedenstreffen.

Die Zeiten, die vor uns liegen, scheinen nicht einfach zu sein. In der Welt sehen wir beunruhigende Zeichen, Taubstummheit scheint eine verbreitete Krankheit zu sein. Doch wir sind als Christen davon überzeugt, dass das Wort des Herrn viel vermag, dass für Gott nichts unmöglich ist. Und die Tatsache, dass wir hier heute Morgen vereint sind, ist eine Hoffnung und verwirklicht schon den alten Traum, von dem wir im Buch des Propheten Jesaja gehört haben. Die Wüste wird wieder blühen und sprudelnde Quellen brechen hervor durch das Wort Gottes. Die Wüste dieser Welt scheint zu wachsen; die traurigen Nachrichten aus dem Nahen Osten, aus Afrika und aus anderen Teilen der Welt, scheinen das zu bestätigen. Doch als Christen sind wir nicht resigniert, und dürfen es nicht sein. Wenn wir vereint sind, können wir diese Resignation überwinden; und gemeinsam können wir Gottes Traum besser verstehen und leben, von einer Welt, in der die Wüste für alle blüht, nicht nur für einige wenige auf einer glücklichen Insel im Norden der Welt, sondern auch im armen Süden, überall wo Menschen leiden. Der Herr sagt uns: „Habt Mut, fürchtet euch nicht!“ Haben wir Mut in diesen Tagen, fürchten wir uns nicht, in Freundschaft aufeinander zuzugehen, aufeinander zu hören und die Sprache des Friedens zu sprechen. Amen.


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