(07.09.2003)
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Hochwürdigste Patriarchen, Kardinäle und Bischöfe,
Exzellenz Bischof Mussinghoff,
liebe Freunde von der Gemeinschaft Sant’ Egidio,
liebe Brüder und Schwestern!
Es ist für mich eine große Freude, an dieser ehrwürdigen
Stätte mit Ihnen zusammen zu sein, wo Generationen von Christen gebetet
und Gottesdienst gefeiert haben. Diese Kirche atmet noch die Luft der Einheit,
denn sie wurde in einer Zeit errichtet, als Osten und Westen noch in Einheit
verbunden waren. Auch der Baustil dieses Domes gibt Zeugnis für das
Band der Einheit. Es ist bedeutsam, dass wir unsere Tage des Reflexion und
des Gebetes in diesem Dom beginnen, dass Christen aus vielen Kirchen und
Konfessionen hier versammelt sind, dass wir zusammen auf das Wort des Herrn
gehört haben, das uns alle verbindet und uns alle aufruft, die Einheit
zu suchen und gemeinsam für den Frieden in der Welt tätig zu sein.
Wir haben im Evangelium gehört, wie die Leute einen taubstummen Mann
zu Jesus brachten, damit er ihn berühre. Und das Evangelium erzählt,
wie Jesus ihn beiseite nahm, von der Menge weg, ihm die Finger in die Ohren
legte, dann die Zunge des Mannes mit Speichel berührte, zum Himmel
aufblickte, seufzte und zu dem taubstummen Mann sagte: Effata: Öffne
dich! Wir sehen die große Liebe Jesu, seine Zuneigung und gleichsam
seine konkrete Freundschaft, wie er sich viel Mühe gibt, um diesen Kranken
zu heilen. So wollen diese Tage auch eine Gelegenheit sein, zu Jesus zu kommen,
damit er uns die Ohren öffnet, um uns zu verstehen, nicht nur unter
uns Christen, sondern auch Menschen anderer Religionen und Kulturen. Und
das Wort Jesu, kann auch uns die Zunge lösen, damit wir die Sprache
des Evangeliums sprechen, die eine Sprache der Freundschaft und des Friedens
ist, eine universale Sprache, die wir noch wenig gelernt haben.
Doch die Erfahrung dieser Tage, die mittlerweile lange Geschichte der Friedenstreffen,
zeigt uns, wie viele Früchte diese Sprache des Evangeliums hervorbringen
kann. Ich denke an den Frieden in Mosambik, für den die Gemeinschaft
Sant’ Egidio viel gearbeitet hat, an die Sprache der Versöhnung, die
aus dem Evangelium hervorgeht, die mit vielen Gesten der Freundschaft verbunden
war, wie im Evangelium beschrieben wird, und die eine große Frucht
des Friedens hervorgebracht hat. Ich denke an viele Bemühungen im Dialog
zwischen Christen und Muslimen, mit anderen Religionen, mit Nichtgläubigen,
Politikern und Menschen aus der Kultur im Rahmen dieser Friedenstreffen.
Die Zeiten, die vor uns liegen, scheinen nicht einfach zu sein. In der
Welt sehen wir beunruhigende Zeichen, Taubstummheit scheint eine verbreitete
Krankheit zu sein. Doch wir sind als Christen davon überzeugt, dass
das Wort des Herrn viel vermag, dass für Gott nichts unmöglich
ist. Und die Tatsache, dass wir hier heute Morgen vereint sind, ist eine
Hoffnung und verwirklicht schon den alten Traum, von dem wir im Buch des
Propheten Jesaja gehört haben. Die Wüste wird wieder blühen
und sprudelnde Quellen brechen hervor durch das Wort Gottes. Die Wüste
dieser Welt scheint zu wachsen; die traurigen Nachrichten aus dem Nahen Osten,
aus Afrika und aus anderen Teilen der Welt, scheinen das zu bestätigen.
Doch als Christen sind wir nicht resigniert, und dürfen es nicht sein.
Wenn wir vereint sind, können wir diese Resignation überwinden;
und gemeinsam können wir Gottes Traum besser verstehen und leben, von
einer Welt, in der die Wüste für alle blüht, nicht nur für
einige wenige auf einer glücklichen Insel im Norden der Welt, sondern
auch im armen Süden, überall wo Menschen leiden. Der Herr sagt
uns: „Habt Mut, fürchtet euch nicht!“ Haben wir Mut in diesen Tagen,
fürchten wir uns nicht, in Freundschaft aufeinander zuzugehen, aufeinander
zu hören und die Sprache des Friedens zu sprechen. Amen.