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VORLESUNG

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa


anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde
durch die Katholisch-Theologische Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn

"Der Sitz der Theologie im Leben"
 

(Bonn, 1. Februar 2006)

* * *

Im Bonner Generalanzeiger vom 16. August 2005 las ich, dass es Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein besonderer Wunsch des damaligen Bonner Professors Joseph Ratzinger war, dass auch orthodoxe Theologen an der Katholischen Fakultät Bonn promoviert werden sollten.[1] Dass er diesen Wunsch nicht durchsetzen konnte, habe dann neben anderem zu seinem Weggang nach Münster 1963 beigetragen. Wenn dies stimmt, so habe ich selbst, um ganz persönlich zu beginnen, davon nur profitieren können, da ich zu jener Zeit in Münster studierte und ihn dort dann zu meinen akademischen Lehrern zählen durfte.

Die Tatsache, dass heute ein orthodoxer Bischof des Ökumenischen Patriarchats den Titel des Doktors der Theologie honoris causa von eben dieser Bonner Fakultät erhält, der dies seinerzeit (noch) nicht möglich schien, erfüllt mich mit ganz besonderer Freude. Denn dies zeigt ja den ökumenischen Fortschritt, den es seitdem zwischen unseren Kirchen gegeben hat: Dinge, die damals nur schwer vorstellbar waren, sind heute möglich geworden. Dabei weiß ich durchaus, dass die heutige Ehrung durch Ihre Fakultät beileibe keine Selbstverständlichkeit bedeutet, die sozusagen eine Routinehandlung ökumenischer Gefälligkeit darstellt. Ich danke Ihnen deshalb tief bewegt und bin stolz darauf, nach Jahrzehnten des Lebens und Wirkens in der Bundeshauptstadt bzw. der Bundesstadt Bonn ab heute auch akademischer Bürger ihrer Universität zu sein.

Allerdings haben Sie womöglich einen Fehlgriff getan, als Sie mir diese Würde antrugen. Der verstorbene Metropolit Meliton (Chatzis) von Chalkedon hat bei einem ähnlichen Anlass einmal von zwei Arten der Theologie, ja von zwei Theologien gesprochen: die eine ist die akademische Theologie, die, auch wenn sie nicht frei von existentiellen Elementen ist, dem Rationalismus verpflichtet ist und als eine Gattung der Wissenschaft zu sehen ist, die verschiedene Fachgebiete hat. Die andere Art der Theologie ist, auch wenn sie nicht frei von wissenschaftlichen Elementen ist, die eucharistische, kerygmatische, pastorale und epistolare Theologie, die man auch als die Theologie der Väter bezeichnen kann.[2] Wie Metropolit Meliton kann ich heute nur sagen, wenn Sie, verehrter Herr Dekan und verehrte Herren Professoren, mir die Ehre „Doktor der Theologie“ zu sein, wegen meiner Verdienste um die erstbeschriebene Art der Theologie der Lehrstühle, der Hörsäle und der Gelehrtenstuben verliehen haben sollten, haben Sie einen Fehler gemacht, denn seit dem Verlassen der Universität habe ich nichts  mehr für die akademische Theologie getan... Ich stehe allerdings seit diesem Zeitpunkt im Dienst der Kirche als Diakon, Priester und Bischof, der sich bemüht, jene andere Art der Theologie zu pflegen, ohne ihre akademische Schwester zu missachten oder gar zu verachten.

Und so bitte ich Sie auch, die Wahl des Themas meiner heutigen Vorlesung zu verstehen, als Ergebnis eines jahrzehntelangen Ringens mit der ganz persönlichen Frage, wie es möglich sein kann, gleichermaßen auf die Stimme des Wortes Gottes und auf den Schrei des Volkes Gottes zu hören, wie man in der Kirche Diener Gottes und der Menschen sein kann, anders gefragt: welches ist der Sinn der Theologie oder wo ist ihr Sitz im Leben? So wird meine heutige Antwort auf diese Frage, der ich anhand einiger Stationen meines Lebensweges nachgehen möchte, denn auch eine ganz persönliche Antwort sein.

Gestatten Sie mir aber zunächst, noch einen zweiten Grund der Freude und Genugtuung zu nennen. In der Zeit, in der Joseph Ratzinger Professor in Bonn war, waren es insbesondere zwei griechische Doktoranden, die an der Bonner Katholisch-Theologischen Fakultät Vorlesungen hörten und Seminare besuchten. Beide sind seit langem Mitbrüder im bischöflichen Dienst: Stylianos Harkianakis, der seit über drei Jahrzehnten Erzbischof von Australien ist und lange Zeit orthodoxer Kopräsident der Theologischen Dialogkommission zwischen unseren Kirchen war, und Damaskinos Papandreou, der nach Jahrzehnte währendem Dienst im Orthodoxen Zentrum in Chambésy und als Metropolit der Schweiz, heute den Titel eines Metropoliten von Adrianopel trägt und aus gesundheitlichen Gründen seine ökumenischen Aktivitäten etwas reduzieren musste. Beide verbindet seit den Bonner Tagen nicht nur eine theologische und spirituelle Nähe zum heutigen Papst Benedikt XVI., sondern sogar – und damit verrate ich kein Geheimnis – eine enge persönliche Freundschaft zu ihrem ehemaligen Professor.[3] 1987 hat Ihre Fakultät Metropolit Damaskinos die Ehrenpromotion verliehen. Dass 19 Jahre später wieder ein Absolvent der Theologischen Hochschule von Chalki – im Griechischen sagen wir, ein mit der gleichen akademischen Muttermilch Genährter, ομογάλακτος, diese Ehrung erfährt, ist für mich der zweite Grund besonderer Freude.

Wie oft haben wir als Studenten den Hügel der Theologischen Hochschule in Chalki gemeinsam bestiegen – λόφος της ελπίδος (Hügel der Hoffnung) wurde er gemeinhin genannt. Wir waren überzeugt davon, dass die Theologie eine Hoffnung für die Kirche zu  sein habe und dass wir als Theologen diejenigen sein müssen, die auch in Zeiten der Stagnation und der Krise Hoffnungsträger seien. So verstanden wir drei, ebenso wie so viele unserer Kommilitonen, unseren Aufenthalt in Chalki als eine Art Inspiration – im wörtlichen Sinne – durch die „Große Kirche Christi“, wie wir das Ökumenische Patriarchat seit alters nennen. (Welch eine Ironie der Geschichte, dass dieser Hügel der Hoffnung durch die seit Jahrzehnten andauernde Schließung der Hochschule zu einem Fanal der Hoffnungslosigkeit zu werden droht...)     

In dieser Sicht der Theologie wurden wir von keinem geringeren bestärkt als vom damaligen Ökumenischen Patriarchen Athenagoras. Dieser große Charismatiker pflegte immer wieder die Mauern seiner Residenz gegen die Stille der Hochschule von Chalki einzutauschen, wo er manchmal wochenlang blieb, um bei den jungen Studenten aus aller Welt zu sein. Denn Patriarch Athenagoras liebte die Jugend, und dies war sicher einer der Gründe für seine häufigen Besuche auf Chalki. Manche sagten bereits damals, dass er aber auch die zukünftigen Entscheidungsträger des Ökumenischen Patriarchats aus der Nähe sehen und selektieren wollte. Er tat dies aber auf eine so diskrete Weise, dass wir nie Angst vor ihm hatten; Ehrfurcht ja, aber keine Furcht.

Ebenso wie sein Vertrauen in die Jugend blieb uns damals sein Misstrauen gegenüber einer bestimmten dogmatisierenden Art und Weise der Theologie nicht verborgen... Das ihm in unterschiedlichen Varianten zugeschriebene und vielfach kolportierte Wort, man könne die Einheit der Kirche am ehesten dadurch erreichen, dass man die Theologen auf eine einsame Insel verbanne, habe ich selbst nie von ihm gehört.[4] Aber in manchen seiner publizierten Äußerungen kann man diese Skepsis doch erkennen. Zu Olivier Clément sagte er einmal: „Die wahre Theologie steht nicht im Gegensatz zur Liebe: sie ist deren Ausdruck. Was sind die Dogmen anderes als die Symbole einer Liebeserfahrung? Im Grunde gibt es im Christentum ein einziges Dogma, alle anderen entfalten es nur, und das ist Christus selbst, Gott, der Mensch wird, damit der Mensch in der Kirche den Geist des Lebens empfangen kann. Man soll sich nicht mehr um Worte streiten. Man soll sich nicht mehr in Worten streiten...“[5]

Und doch: Liebe als Voraussetzung und gleichzeitig als Anwendung der Theologie war es sicher nicht, die uns primär in Chalki beigebracht wurde. Es war ein sehr schulmäßiges, um nicht zu sagen: scholastisches Studium, das neben den Vorlesungen insbesondere die Forschung in einer der damals bestdotierten theologischen Bibliotheken der Welt umfasste. Interessanterweise lernten wir aber neben den eigentlichen Studienfächern noch etwas anderes: dass Theologie etwas mit dem Gebet zu tun hat. Unser gesamter Tagesablauf in der Theologischen Hochschule war nämlich in den Rhythmus des orthodoxen Tagzeitengebetes eingebettet; in dieser Hinsicht konnte man Chalki mit jedem orthodoxen Kloster der Welt vergleichen. Dieses tägliche Stundengebet war mehr als nur eine praktische Übung in Liturgik; es war gewissermaßen ein ständiges Memento, dass nur wer betet, ein Theologe sein kann.

Seit jener Zeit beschäftigt mich die heute zu behandelnde Frage nach dem Sitz der Theologie im Leben. Wie kann es uns gelingen, die Theologie nicht irgendwo „dort oben, auf einem wunderschönen Hügel, der zudem noch auf einer Insel weit weg vom pulsierenden Leben der Welt“, womöglich auch der Kirche zu belassen? Hierzulande würde man vielleicht eher vom „Elfenbeinturm“ der theologischen Wissenschaft sprechen, den es zu erkennen und zu verlassen gilt...

Gegen Ende meiner Studienzeit wurde ich zum Diakon geweiht; Patriarch Athenagoras selbst wählte den Mönchsnamen Augoustinos für mich aus. Er wollte mich in den Westen schicken und meinte, der Name des größten Theologen der westlichen Kirche sei deshalb angebracht. Dies wiederum bewog mich, mich mit den Schriften des großen Kirchenvaters auseinanderzusetzen und führte dazu, dass etwa die  „Confessiones“ bis heute zu meiner bevorzugten Lektüre gehören.

Bald darauf wurde ich tatsächlich in den Westen geschickt und hatte die Gelegenheit zunächst in Salzburg und später in Münster die hiesige Theologie kennenzulernen. Für mich war dies die Zeit der Begegnung mit theologischen Koryphäen wie Karl Rahner und – wie bereits erwähnt – Joseph Ratzinger. Gleichzeitig entdeckte ich die römisch-katholische Kirche jener Zeit, die sich im konziliaren Elan jener Jahre gerade eben „meiner“ Frage nach dem Verhältnis der Kirche und ihrer Theologie zum „wahren Leben“ stellte. Das „Zauberwort“ jener Jahre hieß „aggiornamento“ und schon die Tatsache, dass es für diesen Begriff weder eine adäquate deutsche noch eine griechische Übersetzung gibt, zeigt, wie komplex er ist. Ich begann zu begreifen, dass das Heranführen der Kirche und der Theologie an den heutigen Tag - und dies meint ja wohl dieser Begriff – dort seine Grenzen findet, wo das “heute“ eine chronologische, messbare Größe und nicht ein diachronischer Begriff ist. Das σήμερον, das „heute“ der Kirche ist das die Zeit übersteigende und überwindende „heute“ der liturgischen Hymnen und nicht jenes der Politik oder der Nachrichtensendungen.

Immer konkreter stellte sich mir die Frage der Nutzanwendung der Theologie, als ich durch eine Fügung der Göttlichen Vorsehung – anders kann ich dies nicht bezeichnen – anstatt nach Chalki zurückzukehren, in den pastoralen Dienst der gerade gegründeten Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland berufen wurde. Es ging mir also genau so wie der Mehrheit meiner Landsleute, die eigentlich nur für einige Jahre als sogenannte „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen; aus diesen Jahren wurden Jahrzehnte, die wir nicht mehr als Gäste, sondern als integrierte und integrierende Mitglieder in der deutschen Gesellschaft zuhause sind. Auf einmal war ich gezwungen, alle meine erworbenen theoretischen Kenntnisse der Theologie praktisch anzuwenden. Und wieder stellte sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen den beiden erwähnten Arten der Theologie.

Mir ist bekannt, dass der Begriff „Sitz im Leben“, der aus dem Deutschen in so viele Sprachen übernommen wurde, ursprünglich aus der Formkritik stammt und bei einem Text seine Entstehungssituation bzw. Funktion bezeichnet, die es zu erschließen und bei seiner Interpretation zu berücksichtigen gilt, um ein Verständnis des Textes zu erhalten. Auch wenn er auf einen protestantischen Theologen namens Hermann Gunkel zurückgeht, der als Begründer der religionsgeschichtlichen Schule gilt, wird er heute auch außerhalb des Protestantismus und auch außerhalb der theologischen Forschung verwendet. Wenn ich heute diesen Fachterminus „Sitz im Leben“ auf die Theologie insgesamt anwende, stellt sich allerdings für mich nicht nur die Frage nach ihrer Herkunft, sondern auch nach ihrem Lebensumfeld sowie ihrer Zielsetzung und Anwendung.

Was meine Kirche und ihre Theologie betrifft, waren die zwei größten Herausforderungen des 20. Jahrhunderts, die sogar bis heute ihr Lebensumfeld bestimmen, zum einen die Russische Revolution, d.h. der Zusammenbruch des alten gewissermaßen staatskirchlichen   Systems, und zum anderen die Herausforderung durch die Ökumenische Bewegung, die durch die Begegnung mit den anderen Kirchen zustandekam.

Der Zusammenbruch eines Systems, in dem die Kirche fest eingebunden in staatliche Strukturen existierte, führte dazu, dass diese, nunmehr auf sich selbst gestellt, auf die Frage nach ihrer Existenzberechtigung neue, authentische Antworten geben musste. (Nebenbei bemerkt hat die Kirche in den ehemaligen Staaten des real existierenden Sozialismus heute ganz ähnliche Probleme...).

Die Flucht und Migration tausender orthodoxer Christen hatte darüber hinaus zur Folge, daß sie in direkten Kontakt zu den Kirchen des Westens treten konnten und mussten. Das theologische Resultat dieser Ost-West-Begegnung war erstaunlicherweise wiederum die Beschäftigung mit ekklesiologischen Fragen. Kallistos Ware formuliert es so: „Erneut mussten wir Orthodoxe uns fragen:  Warum gibt es die Kirche? Was haben wir als Glieder der Orthodoxen Kirche mit den westlichen Christen gemeinsam und was trennt uns? Wo können wir den Nicht-Orthodoxen etwas beibringen und wo können wir etwas von ihnen lernen?“[6]

So ist es sicherlich kein Zufall, dass es ein Theologe der russischen Emigration war, Nikolaj Afassanieff, der zu einer Wiederentdeckung der altkirchlichen eucharistischen Ekklesiologie beitrug, die von Theologen wie Sergij Bulgakow und Georgij Florovsky und später von Ioannis Zizioulas weiterentwickelt wurde. Dieser ekklesiologische Neuaufbruch hat ebenso wie das „Zurück zu den Vätern“ von Vater Florovsky[7] auf dem Theologenkongress von Athen 1936 bekanntlich nicht nur Auswirkungen auf die orthodoxe Theologie, sondern auch auf die Kirchen des Westens gehabt.[8]  

Und gleichzeitig hatte die Frage der Beziehung zwischen Kirche und Eucharistie auch ganz konkrete Auswirkungen auf unsere Gemeinden, etwa wenn es um die auch in unserer Kirche viel diskutierte Frage der Häufigkeit des Empfangs der heiligen Kommunion geht. Als Bischof einer Diözese mit etwa einer halben Million Gläubiger konnte ich – so verstehe ich meinen bischöflichen Dienst – diese Diskussion nicht nur passiv beobachten, sondern hatte sie auch aktiv zu fördern und zu befruchten. In Verantwortung für die Einheit meiner Metropolie konnte ich dabei extreme Positionen weder der einen noch der anderen Seite favorisieren. Es kann nicht angehen, dass eine skrupulante Kommunionsverweigerung zu einer irgendwie toten Eucharistiefeier in unseren Gemeinden führt, wo der zelebrierende Priester als einziger kommuniziert und der liturgische Ruf „Mit Glaube, Liebe und Gottesfurcht tretet hinzu!“, der die Einladung zum Empfang der heiligen Kommunion in der Göttlichen Liturgie der Orthodoxen Kirche ausspricht, von der Gemeinde mit einem ostentativen Fernbleiben beantwortet wird. Und gleichzeitig kann es nicht sein, dass wir den in unseren Gemeinden so sorgsam gehüteten Schatz einer gründlichen Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Kommunion durch Fasten, Beichten, Vorbereitungsgebete und gegenseitige Vergebung ohne weiteres aufgeben. Ein Beobachter der ökumenischen Szene hat im Zusammenhang mit immer lauter erhobenen Forderungen nach Interkommunion oder, noch besser, nach „offenem Abendmahl“ einmal das unschöne, aber zutreffende Wort vom „eucharistischen Heißhunger“ geprägt, der manche erfasst zu haben scheint.  So hatte ich als Bischof die heilige Pflicht, für eine regelmäßige Kommunionspraxis meiner Gläubigen zu sorgen, und gleichzeitig ihre Hochachtung vor diesem Mysterium zu bewahren. Mir scheint, dass die Warnung des Paulus vor dem unwürdigen Empfang des Leibes und des Blutes Christi[9] innerkirchlich und zwischenkirchlich viel zu wenig Beachtung findet.

Doch um die Eucharistie achten zu können, mussten wir erst einmal Orte haben, um sie feiern zu können. So entstanden in zahlreichen deutschen Städten orthodoxe Kirchbauten, die nicht nur das Stadtbild zu prägen beginnen, sondern auch sichtbares Zeugnis vom „dritten Partner in der Ökumene“ geben. Zu diesen Kirchen kamen Gemeindezentren, die vielfach zu einer „kleinen Heimat“ für unsere Gläubigen geworden sind. Denn was in der heutigen Sprache der Ökumene „die Liturgie nach der Liturgie“ genannt wird, ist ja im Bereich meiner Kirche eine seit Jahrhunderten gelebte Realität: Ausgangspunkt jedes gemeindlichen Lebens ist und bleibt die Feier der heiligen Eucharistie.

1972 wurde ich Vikarbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der Titel meines Bischofssitzes „in partibus infidelium“ war „von Elaia“, was übersetzt „Ölbaum“ bedeutet. In jener Zeit erfuhr ich, dass es in der römisch-katholischen Kirche der Titel eines Bischofs von Oliva gab. Ölbaum und Olive – welch passende Attribute für die Arbeiter im Ölberg des Herrn... In der Theologie und der Liturgie unserer Kirchen kommt ja dem Öl eine besondere Bedeutung zu: ist es doch Ergebnis von Gottes Segen und „Frucht der menschlichen Arbeit“. Diese menschliche Arbeit, oder anders gesagt: der soziale Kontext, war es auch, der den Sitz im Leben der Theologie unserer Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland in den 70er Jahren bestimmte. Meinem verehrten Vorgänger, Metropolit Irineos, der bis 1980 in Bonn wirkte, war diese Ausrichtung besonders wichtig. In unzähligen Projekten wurde damals die „Liturgie nach der Liturgie“ Wirklichkeit.

An dieser Stelle muss ich allerdings auf einen bezeichnenden Unterschied zwischen der „Sitz im Leben“-Theologie des Protestantismus und der orthodoxen Sicht der Dinge hinweisen: Den Vätern der religionsgeschichtlichen Schule ging es seinerzeit darum, die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und durch die populäre Vermittlung ihrer theologischen Forschungsergebnisse zu einer Erweiterung des religiösen Bewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten beizutragen. So entwickelten sie eine rege Vortragstätigkeit und publizierten populärwissenschaftliche Publikationen: Buchreihen wie die „Religionsgeschichtlichen Volksbücher“, die „Lebensfragen“, die „Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments“ oder das „Göttinger Bibelwerk“. Am bekanntesten ist sicher ihr großes enzyklopädisches Lexikon „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ (RGG). Dem entgegnet Alexander Schmemann, einer der großen Theologen des 20. Jahrhunderts: „Das Herabsenken der Theologie auf eine populäre Ebene kann nicht die Antwort sein. Für die Orthodoxie geht es genau um das Gegenteil, nämlich um das „Anheben“ des gesamten kirchlichen Lebens auf die Ebene eines theologischen Bewusstseins, um eine vitale Beziehung zwischen dem theologischen Diskurs und jedem Aspekt und jeder Ebene des Lebens der Kirche.“[10]

Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: in keinem der orthodoxen Gemeindezentren unseres Landes wird man einen Kindergottesdienst-Raum finden, in dem man das Mysterium der Göttlichen Liturgie sozusagen „kindgerecht“ aufbereiten sollte. Nein, das widerspräche diesem soeben zitierten orthodoxen Ansatz des „Anhebens“ und Hinführens der Menschen zu einer Ebene des theologischen Bewusstseins. Deshalb nehmen auch die Kinder gemeinsam mit den Erwachsenen an der Göttlichen Liturgie teil; vielleicht verstehen sie ja sogar mehr vom  „heiligen Spiel“ als ihre „verkopften“ Eltern... Und unsere Gemeinden bemühen sich, ihnen in den „κατηχητικά σχολεία, Katechese, d.h. orthodoxe, eucharistische und liturgische Unterweisung zukommen zu lassen. Diese ursprünglich aus der amerikanischen „Sunday school“-Bewegung stammende Einrichtung musste mit orthodoxen Inhalten, vor allem aber mit einer orthodoxen Religionspädagogik ausgestattet werden. Der „Sitz im Leben“ unserer Gemeinden hier in Deutschland erlaubt es übrigens nicht, Unterrichtsmaterialien aus Griechenland, die nichts mit der hiesigen Lebensrealität unserer Kinder zu tun haben, zu verwenden. Denn in diesen Büchern kommen etwa die anderen Kirchen, geschweige denn andere Religionen, nicht vor; kein Sankt-Martins-Zug, keine Fronleichnamsprozession, kein Adventskranz, keine Papstwahl, kein Jugendkreuzweg usw. So beginnt die Erziehung zur Ökumene für die Gläubigen unserer Metropolie bereits im Kindesalter und wir meinen, dass dies richtig sei.

Ein weiteres Lernziel ist es – wundern Sie sich bitte nicht! – , unsere Kinder und Jugendlichen zu guten Europäern zu erziehen. Ohne die eigene religiöse und nationale Identität aufzugeben, sollen sie in die hiesige Gesellschaft integriert sein. Beides scheint mir besonders wichtig zu sein. Denn gerade was die Frage des Verhältnisses zwischen Kirche und Nation betrifft, gibt es ja viele Anfragen an die orthodoxe Kirche, allerdings auch, dies sei gestattet, in aller Offenheit anzumerken, immer noch viele Vorurteile. Meine hier und da scherzhaft gemachte Bemerkung, Harnack sei noch nicht gestorben, hat mir in diesem Kontext sicher nicht nur Freunde gemacht.  Adolf von Harnack steht hier für den Typ des Wissenschaftlers, der sich trotz gründlicher Beschäftigung mit der Orthodoxie zu Sätzen wie folgenden hinreißen lässt. Ich zitiere: „Diese Kirche hat es verstanden, sich mit den einzelnen Völkern, die sie in sich hineingezogen hat, so zu verschmelzen, dass ihnen Religion und Kirche zu nationalen Palladien geworden sind, ja zu den Palladien. Gehen Sie zu den Griechen, zu den Russen, zu den Armeniern usw. – Überall werden sie finden, dass Kirche und Volkstum nicht zu trennen sind, und dass das eine Element nur in und mit dem andern existiert. Für ihre Kirche lassen sich die Angehörigen dieser Nationen, wenn es sein muss, in Stücke hauen.“[11] Dass diese Beurteilung aber beileibe kein Kompliment für die Bereitschaft zum Märtyrertod der orthodoxen Christen ist, geht aus folgendem Satz hervor „Der Traditionalismus und der mit ihr eng verbundene Ritualismus charakterisieren die griechische Kirche in hervorragendem Maße, aber eben daraus geht hervor, wie sehr sie sich von dem Evangelium entfernt hat“[12] und gipfelt in der schon legendären Bemerkung, das östlich-orthodoxe Christentum sei jene Art von Religion, für deren Beseitigung sich Jesus Christus ans Kreuz schlagen ließ.[13]

So schien der Krieg im ehemaligen Jugoslawien für manche geradezu eine Bestätigung dafür zu sein, dass in einem fast schon Huntington’schen Sinne der Kampf zwischen zwei Kulturen stattfinde: Hier der freiheitsliebende, fortschrittliche, tolerante Westen, drüben der obskurantistische, mittelalterliche, Waffen segnende Osten, der durch die Orthodoxie repräsentiert wird. Dass diese Einschätzung zu vereinfachend war und ist, wurde schon bald deutlich. Es gehört sicher zu den schmerzlichen Erfahrungen meiner nunmehr 25-jährigen Dienstzeit als Metropolit, dass die damaligen Appelle und Erklärungen aller kanonischen orthodoxen Bischöfe in Deutschland, die zu einer differenzierten Betrachtung des Jugoslawienkrieges aufriefen, kaum Beachtung gefunden haben, vermutlich auch deshalb, weil sie nicht in die politische Landschaft passten und manches der erwähnten Vorurteile widerlegt hätten. Heutzutage, wo man durch die Erfahrungen des Irak-Krieges nicht nur in der Politik, sondern auch in den Schwesterkirchen etwas kritischer mit den uns jeweils präsentierten Kriegsgründen umgeht, lohnt es sich ja vielleicht, diese Texte noch einmal nachzulesen...

Diese Erziehung zu „guten Europäern“ bedeutet, dass wir in der  Bundesrepublik Deutschland keine Ghettos errichten wollen. Bei aller Hochachtung für die Nation, der wir entstammen, kann und darf es keinen Chauvinismus in unseren Kirchengemeinden geben.

Auch der Lehrstuhl für orthodoxe Theologie in Münster und die Lehr- und Ausbildungseinrichtung für orthodoxe Theologie in München waren und sind keine nationalen oder theologischen Ghettos. Denn der Sitz im Leben unserer Theologie verlangt geradezu nach dem gegenseitig befruchtenden Dialog mit den anderen Theologien. Wir sind froh, dass – wie es scheint - in beiden Fällen die Weisheit über die Sach- und Sparzwänge gesiegt hat und dass die orthodoxe Theologie ihren gebührenden Platz behalten konnte. An dieser Stelle sei es mir gestattet, dem Wegfall des Studienfachs „Orthodoxe Theologie“ an der Universität Bonn nach dem Wechsel von Professor Nikolaou nach München eine Träne nachzuweinen. Sicher war die damalige Anbindung der orthodoxen Theologie an das Altkatholische Seminar nicht die beste Möglichkeit, sie muss aber aus ihrer historischen Genese heraus verstanden werden. Vielleicht kann ja die heutige Feststunde zum Ausgangspunkt einer Überlegung werden, wie man die Präsenz orthodoxer Theologie an der Bonner Universität verbessern kann. Keine Sorge, ich plädiere hier nicht für kostenintensive (und deshalb utopische) Neugründungen: ich bin nicht nur in meiner eigenen Kirche als Realist bekannt, wenn es um Finanzfragen geht! Aber es gibt für kreative Geister immer ein Instrumentarium von Möglichkeiten, theologisch Gewolltes durchzusetzen. Warum sollte es nicht zum Beispiel einmal im Jahr einen „dies academicus der Orthodoxie“ für die theologischen Fakultäten der Universität Bonn mit Gastvorträgen geben? Warum kann das fachliche Potential unserer Metropolie und der Orthodoxie hierzulande nicht für Lehraufträge oder ähnliches genutzt werden? Sollte man nicht an fächer- und fakultätsübergreifende Kooperationen denken dürfen, die zum Beispiel Gastvorlesungen in orthodoxer Theologie ermöglichen können? Als neuer Ehrendoktor appelliere ich an nunmehr meine Universität, hier kreativ tätig zu werden. Einer Hochschule, an der Professoren wie Franz Dölger, Heinrich Schlier, Erik Peterson, Wilhelm Schneemelcher, oder eben Joseph Ratzinger gelehrt und geforscht haben, um nur einige Namen der Vergangenheit zu erwähnen, jene der Gegenwart sprechen für sich selbst, stünde dies durchaus gut an.

Der Sitz im Leben unserer Theologie hier in Deutschland führte übrigens dazu, dass wir orthodoxe Christen unterschiedlicher Nationalitäten uns hier begegnen und besser kennenlernen. Dass wir zur Zeit durch das Nebeneinander verschiedener Jurisdiktionen eine Organisationsstruktur haben, die in einem gewissen Widerspruch zum kanonischen Recht unserer Kirche steht, wissen wir. Und gleichzeitig galt es auch hier, Wege und Möglichkeiten zu finden, unserem pastoralen, ekklesialen und ökumenischen Auftrag glaubhaft gerecht zu werden. So kam es zur Gründung der „Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland“ (KOKiD), die sich als Verband der Diözesen in Deutschland konstituiert hat. Neben anderen Aufgaben ist hier die Errichtung bzw. Durchführung des orthodoxen Religionsunterrichtes in zunächst vier Bundesländern als bedeutende Aufgabe zu nennen.

Dieser Dienst, den die KOKiD ebenso wie die gesamte Kirche zu leisten hat, ist der gleiche, dem auch die Theologie verpflichtet ist; wir haben uns daran gewöhnt, ihn mit den Begriffen Leitourgia, Martyria und Diakonia zu umschreiben. Darüber hinaus ist es auch Pflicht der Theologie, prophetisch zu sein. Aufgabe der Propheten ist es ja nicht nur die Menschen auf kommende Ereignisse, sondern auf ihre Aufgabe oder gar auf ihren Abfall vom Willen Gottes hinzuweisen. Der Sitz der Theologie im Leben einer globalisierten Welt wird deshalb stets auch sein, die Augen für die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit zu öffnen. Eine dieser theologischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ist sicher auch die zunehmende Präsenz des  Islam in unserer Gesellschaft. Auch hier kann die orthodoxe Kirche und Theologie Hilfestellung leisten. Dabei meine ich nicht den „nicht dogmatischen, aber unterschwelligen Monophysitismus“[14], den uns etwa Friedrich Heiler vorwirft, der uns angeblich dem Islam annähere. Ich meine vielmehr das, was man den „Dialog des Lebens“ genannt hat: eine Jahrhunderte lange Erfahrung des Zusammenlebens mit dem Islam, aus der stets Konvivenz werden muss. Mein besonderer Gruß gilt in dieser Stunde deshalb einem der Veteranen des christlich-islamischen Dialogs, Papst Schenuda III. Ich freue mich, dass ich heute in seine Nachfolge als Doktor honoris causa dieser Fakultät treten darf und beglückwünsche Sie, verehrtes Kollegium, noch einmal zu Ihrer Entscheidung diesen weisen Theologen, den authentischen Vater seiner Kirche und aufrechten Glaubenszeugen, geehrt zu haben.

Lassen Sie mich resümieren: Man hat die Theologie nach einem Wort des Eusebius von Cäsareea als θεοπρεπής διδασκαλία, als Gott geziemende Lehre bezeichnet. Und so ist sie meiner Meinung nach bis heute zu verstehen. Jeglicher Versuch, sie zu einer innerweltlichen Sozialwissenschaft zu reduzieren ist von vorne herein gescheitert. Natürlich entsteht und lebt sie nicht in einem kulturellen Vakuum; zu warnen gilt es aber dennoch vor der Versuchung, sie rein kontextuell zu verstehen. Nach orthodoxem Verständnis kann es keine „feministische Theologie“ oder keine „Theologie der Befreiung“ geben, nicht weil wir Schwierigkeiten mit der Würde der Frau oder der Freiheit hätten, sondern weil alles in der Theologie, was den Menschen betrifft, eben diese Würde der Frau in gleicher Weise wie die Würde des Mannes betont. Und dass man im Südosten Europas, wo man Jahrhunderte lang in Unfreiheit und Unterdrückung leben musste, die befreiende Kraft des Evangeliums sehr wohl erkannte, weil nur sie Hoffnung schenkte, muss nicht eigens erwähnt werden! Es war dann schließlich nicht von ungefähr am 25. März 1821, dem Tag des Ευαγγελισμός, dem Tag der Verkündigung der Frohen Botschaft an die Gottesmutter, an dem das Magnifikat in der Lesung zitiert wird, dass die Griechische Revolution begann. Καθείλεν δυνάστας από θρόνων και ύψωσεν ταπεινούς… (Er stürzte Mächtige von ihren Thronen und erhöhte die Niedrigen…)[15]. So ist die Theologie θεοπρεπής, da sie Zeugnis von der „Hoffnung der Auferstehung“ ablegt. Und nur dann dient sie wirklich den Menschen.

Verehrter, lieber Herr Dekan, sehr geehrte Herren Professoren der Fakultät, ich weiß nicht, ob Sie jene wunderbare Rede kennen, die seinerzeit Odysseas Elytis, der große Dichter des griechischen Lichtes und des ägäischen Meeres, 1979 beim Festessen anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur gehalten hat. Er sprach dabei von seinem Land, in dem seit 3000 Jahren Sonne ήλιος und Freiheit ελευθερία genannt werden.

Heute am vorletzten Tag der vierzigtägigen Festzeit der Geburt unseres Herrn Jesus Christus wäre es ja durchaus reizvoll, diese zentralen Begriffe seiner Dichtung zu analysieren. Bekannt ist ja auch sein Gedicht „Tης δικαιοσύνης ήλιε νοητέ, wo die Kombination der Begriffe „Sonne“ und „Gerechtigkeit“ für uns westliche und östliche Theologen sofort christologisch klingt und schwingt.

Nein, ich möchte Elytis, wie folgt variieren: „Ich komme aus einer Kirche, in der seit bald 2000 Jahren das Wort ευχαριστία die Bedeutung Dank, Danksagung und gleichzeitig die Bedeutung Eucharistie hat, mit der das Wort in alle Sprachen der Welt Einzug gefunden hat. In jeder Göttlichen Liturgie beginnt jener Teil, der als Anaphora bezeichnet wird, mit den Worten Ευχαριστήσωμεν τω Κυρίω (Lasset uns Dank sagen dem Herrn!). Ja, lasset uns Dank sagen dem Herrn für diese Stunde nicht-eucharistischer und dennoch so intensiver ökumenischer Gemeinschaft! Und lassen Sie mich nochmals Ihnen Dank sagen, verehrter Herr Dekan und verehrtes Kollegium der Katholisch-Theologischen Fakultät zu Bonn, für die mir heute erwiesene Ehre. In diesem Sinne: ευχαριστώ!


[1]  "Kein Panzerkardinal, kein Panzerpapst". Artikel im „Bonner Generalanzeiger“ v. 16. August 2005.

[2]  Vgl. Χαλκηδόνια. Μνήμη Μελίτωνος Χατζή, Μητροπολίτου Γέροντος Χαλκηδόνος 1913 -1989. Αθήνα 1999. S. 155.

[3]  Vgl. Interview mit Vinzenz Pfnür in „Die Welt“ v. 22.04.2005. Der heutige Papst selbst schreibt 1975 über die Gastvorlesungen von Metropolit Stylianos Harkianakis an der Regensburger Universität, sie seien „die Wiederbegegnung mit einem Schüler aus der Zeit unserer Bonner Wirksamkeit, der uns in den gemeinsamen Jahren am Rhein für immer zum Freund geworden war.“ Zit. n. Stylianos Harkianakis, Orthodoxie und Katholizismus. Mit einem Vorwort von Joseph Ratzinger. München 1975, S. 9.

[4]  Der französische Theologe Olivier Clément schreibt Patriarch Athenagoras folgende Sätze zu „Zuerst wollte ich sie <die Theologen> alle auf eine Insel bringen lassen, um etwas aufatmen zu können, um den Christen der verschiedenen Bekenntnisse die Möglichkeit zu geben, sich frei und ungezwungen kennenzulernen, ohne ständig gesagt zu bekommen, dass die einen Recht haben und dass die anderen Unrecht haben oder dass sie immer auf der Hut sein müssen. Aber ich denke, dass man die Theologen auf eine Insel bringen müsste, damit sie gründlich diskutieren. Der Augenblick ist gekommen.“ Vgl. Olivier Clément, Patriarch Athenagoras – Porträt eines Propheten, München 1982, S. 101.

[5] Zit. n. Olivier Clément, a.a.O., S. 95.

[6] Επισκόπου Διοκλείας Kαλλίστου Ware, Η Ορθόδοξη θεολογία στόν 21º αιώνα, Αθήναι 2005, S. 16f.

[7] Vgl. die griechische Übersetzung seines Athener Vortrags: + Φλωρόφσκυ, Γεωργίου (μετάφρ. Ιωάννη Κουτσουρίδη), Πατερικές σπουδές καί σύγχρονη Θεολογία. In: Γρηγόριος ο Παλαμάς 73 (1990) S. 803-810.

[8] Vgl. etwa die Arbeit von Peter Plank, Die Eucharistieversammlung als Kirche. Zur Entstehung und Entfaltung der eucharistischen Ekklesiologie Nikolaj Afanas’evs (1893-1966). Würzburg 2. Aufl. 2000.

[9] Vgl. 1 Kor 11,27ff.

[10] Protopresbyter Alexander Schmemann, The Task of Orthodox Theology in America. Paper read at the first Conference of Orthodox Theologians in America, Sept. 26-27, 1966. In: St, Vladimir’s Seminary Quarterly 10 (1966), S. 180 ff.

[11]  Zit. n. Ernst Benz, Die Ostkirche im Lichte der protestantischen Geschichtsschreibung von der Reformation bis zur Gegenwart, Freiburg/München 1952, S. 233.

[12] a.a.O., S. 236.

[13] a.a.O., S. 243.

[14] Friedrich Heiler, Die Ostkirchen, (=Neubearbeitung von „Urkirche und Ostkirche), München/Basel 1971, S. 427.

[15] Lk 1,52.


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