[Zurück zur vorigen Seite]


Weihnachtsbotschaft 2002

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Weihnachten ist der Anfang unserer Hoffnung und unserer Freude. Die Geburt Christi ist dasjenige Ereignis, das die menschlichen Dinge von Grund auf verändert. Gott wurde Mensch, um uns durch die gnadenhafte Teilnahme an Seiner Menschheit Anteil an Seiner Gottheit zu geben. Ohne diese unbegreifliche Wahrheit in unser Bewusstsein zu heben, können wir uns dem Mysterium der Geburt Christi nicht auf orthodoxe Weise nähern.

Wenn unser Feiern rein äußerlich bleibt, wenn wir mit Weihnachten nichts verbinden als nur Lichter und Geschenke, dann stimmt etwas nicht. Wenn uns Weihnachten weiter nichts bedeutet, dann ist es für uns lediglich ein Anlass, unsere sentimentalen Bedürfnisse zu befriedigen, oder, was noch schlimmer wäre, einfach innezuhalten und der unerträglichen Alltäglichkeit für einen Augenblick zu entkommen.

Unser Fest hat allerdings einen ganz anderen Anspruch. Wenn wir sagen: "Christus ist Fleisch geworden", sprechen wir von einem Ereignis, dessen Aktualität unser Vorstellungsvermögen übersteigt. Wir sprechen nicht von einer abstrakten Idee. Wir sprechen über das Leben an sich, das Leben, das alles umfasst: unsere Freuden und Leiden, unsere Ängste und Kämpfe, unsere Erfolge und Misserfolge. Der, der heute geboren wird, ist die personale Liebe, die Liebe als Person. Diese Liebe ist das A und 0 des Lebens, sein Geschmack und seine Schönheit.

Worin besteht das Geheimnis, das uns verrät, dass wir verstanden haben, was wir feiern? Das Geheimnis Siegt darin, dass wir uns die Geburt Christi, die in einem konkreten historischen Augenblick stattfand, in der Kirche unablässig zu eigen machen. In der Kirche, d. h. in dem Leib, der uns in der Einheit mit dem Haupt, mit der Quelle unseres Lebens, mit Christus bewahrt. Das Geheimnis besteht, mit anderen Worten, darin, dass wir der Geburt Christi in uns Raum geben. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater mit Sorge, das Ziel seines ganzen Dienstes sei, dass "Christus in euch" - und das heißt im erweiterten Sinn: in uns allen - "Gestalt gewinnt". Wenn wir die Gestalt Christi sichtbar in uns bergen, haben wir die Fähigkeit, unser eigenes Leben und die ganze Welt zu verstehen. und zu deuten.

Dazu bedarf es, wie der Apostel Paulus fortfährt, des ungebrochenen Eifers, unsere Liebe zu Gott und zu den Menschen im Zusammenhang des Alltags sprechend und handelnd zu bewähren. Und das nicht nur am 25. Dezember, sondern das ganze Jahr hindurch, an allen Tagen unseres Lebens. Das bedeutet nichts anderes als die Umwandlung unseres Lebens in ein unablässiges existentielles Weihnachten.

Christus kommt und klopft an die Pforte des Herzens eines jeden von uns, um auch unserem Leben Bedeutung und Substanz zu geben. Wird Er aber Herzen finden, die bereit sind, Ihn aufzunehmen? Ich wünsche Ihnen und mir, dass keiner von uns allein bleibe, dass vielmehr wir alle die Güte Seiner Gegenwart kosten.

In väterlicher Liebe

Metropolit Augoustinos von Deutschland


[Zurück zum Seitenanfang]

[Zurück zur vorigen Seite]