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Weihnachtsbotschaft 2003

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!


Wir alle stimmen darin überein, daß Weihnachten ein, wenn nicht das Fest der Freude sei. Die Faszination der Lichter, die sentimentalen Weihnachtslieder auf Straßen und Plätzen, die verführerischen Konsumangebote sind nur einiges von dem, was zu unserer weihnachtlichen Euphorie beiträgt. Ist das aber wirklich die Freude dieses Festes, oder gehört diese Freude einer anderen Wirklichkeit, der unser Weihnachtsfest schließlich zum Opfer gefallen ist?

Denn die wahre Weihnachtsfreude gilt einer Person. Sie gilt Christus, der geboren wird, um die Welt zu erlösen. Ich fürchte allerdings, daß wir heute in aller Vordergründigkeit und Sentimentalität den Sinn des Festes verloren haben und daß unsere Freude nicht mehr der Teilnahme an dem unvergleichlichen Ereignis der Gottesgeburt entspringt. Welchen Raum geben wir Christus in unserer Weihnachtsfeier? Das Evangelium berichtet uns, daß es bei seiner Geburt keinen Platz für ihn gab. Schließlich fand sich ein Stall. Und kaum war er zur Welt gekommen, wurde er auch schon vertrieben und ein Flüchtling. Das ist der Beginn des Lebens Jesu auf Erden, das mit seinem Tod und seiner Auferstehung endet, jenen Ereignissen seines Lebens, denen wir unsere Erlösung verdanken.

Ist es nun dieses Ereignis unserer Erlösung, über das wir uns freuen, oder ist der Schatz unserer Herzen anderswo verborgen? In unserer krisengeschüttelten Zeit beruhigen wir unser Gewissen dadurch, daß wir einmal jährlich ein Almosen geben. Und dennoch wird sich nichts ändern, wenn wir nicht anerkennen, daß wir für den gegenwärtigen Weltzustand mitverantwortlich sind. Die Welt leidet, und die Verantwortung derer, die Christen genannt werden, ist riesig. Auf der Suche nach den Herodesgestalten jedweder Couleur brauchen wir nicht weit zu gehen. Wir selbst, die wir durch unsere Selbstbezeichnung die Zugehörigkeit zu ihm behaupten, haben ihn verraten; d. h. wir haben ihn aus unserem Leben verbannt und geben uns nur den Anschein, als ob wir ihn anerkennten. Die Wahrheit aber ist, daß auch wir Christus in unserem Leben keinen Raum geben. Noch nicht einmal einen Stall bieten wir ihm an. Wir finden auch nichts dabei, ihn in die Flucht zu schlagen, also dahin, wohin unser Interesse kaum noch reicht. Denn seine Anwesenheit beunruhigt uns.

Und dennoch! Alljährlich und unablässig wartet Christus geduldig darauf, daß wir ihm Beachtung schenken. Daß wir ihn nicht desinteressiert übergehen, als ob er nur einer von vielen wäre. Und das nicht um seinet-, sondern um unseretwillen! Er ist unsere Freude, und wer mit Christus lebt, der lebt wirklich. Nichts gegen den bunten Festschmuck, die Weihnachtsbräuche, gegen die Verpackung. Aber es ist töricht, sich damit zu begnügen und den herrlichen Kern der Sache aus dem Auge zu verlieren. Stellen Sie sich vor: Ein Kind käme zur Welt, und wir interessierten uns nur für seine Kleider, seine Wiege und sein schön geschmücktes Zimmer, während das Kind selbst in irgendeinem Winkel sich selbst überlassen bliebe. Das scheint uns unglaublich. Aber verhalten wir uns nicht gerade so gegenüber dieser einzigartigen Geburt, der Geburt Christi?

Ich lade Sie also heute ein zu einem Aufstand der Liebe. Lassen Sie uns heute unser Herz öffnen und Christus Raum geben, auf daß er unserer Alltäglichkeit Sinn, Orientierung, Erlösung schenke. Lassen Sie uns die Gelegenheit beim Schopf ergreifen und in Einfachheit und Beharrlichkeit  versuchen, unser Christsein in der Kirche, das heißt durch Wort und Tat, zu bewähren und so wahrhaft Weihnachten feiern.
 

In väterlicher Liebe

Metropolit Augoustinos von Deutschland
 


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