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Weihnachtsbotschaft 2007

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland

und Exarchen von Zentraleuropa

Liebe Orthodoxe Christen in Deutschland!

Ein Dankeschön ist zu wenig angesichts der Größe der Liebe, die Sie alle bewiesen haben. Es mag Ihnen merkwürdig erscheinen, dass ich meine Weihnachtsbotschaft mit diesem Dank eröffne, und Sie werden sich fragen, worauf ich mich eigentlich beziehe. Der Grund meines von Herzen kommenden Dankes ist, dass Sie – über unsere Metropolie - in den letzten drei Monaten die große Summe von 130.000 € für die Opfer der Brandkatastrophe auf der Peloponnes in Griechenland gespendet haben. Es kann sein, dass wir durch dieses Geld die Probleme der Opfer nicht gelöst haben; aber wir haben, wenn auch nur zu einem kleinen Teil, zur Linderung ihrer Leiden beigetragen. Wir sind ihnen in der Stunde der Not beigestanden.

Aus diesem Grund danke ich ihnen heute, zum Fest der Liebe. In Zeiten wirtschaftlicher Depression haben Sie ungeachtet Ihrer persönlichen Schwierigkeiten aus Ihrem Mangel so viel beigetragen, wie Sie nur konnten, um den leidenden Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu kommen. Sie haben etwas von sich für unsere leidenden Mitmenschen geopfert. Gibt es ein schöneres Geschenk, das wir dem Gott der Liebe machen können, als sein Gebot zu befolgen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!? Das gesammelte Geld hat seine Bestimmung schon gefunden. Im nächsten Heft der Zeitschrift unserer Metropolie „Orthodoxi Parousia/Orthodoxe Gegenwart“ werden Sie eine genaue Beschreibung der Übergabe Ihrer Spenden auf der Peloponnes finden.

Dieses Beispiel von Solidarität, unsere Anteilnahme an der Last der Opfer der Brandkatastrophe, bildet den Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen an diesem großen Tag des Festes der Geburt des Herrn. Wie oft haben wir nicht in unserem Leben der Hilfe anderer Menschen bedurft, um irgendeine materielle oder seelische Last zu stemmen! Entweder ging es um den Transport eines schweren Gegenstandes oder um die Notwendigkeit, mit jemandem unsere seelische Bedrängnis zu teilen, oder um ein Problem, das uns beschäftigte. Wir alle haben erfahren und wissen, wie leicht eine Last, die wir heben müssen, wird, wenn wir nicht allein sind. Das gilt ganz besonders für alles, was das Herz betrifft; dass wir unseren Schmerz teilen, verschafft uns Erleichterung und gibt uns Kraft, weiter zu kämpfen, auch wenn das Problem auf diese Weise nicht sogleich oder vollkommen gelöst werden kann. Geteilte Freude, heißt es, ist doppelte Freude. Folglich ist auch geteiltes Leid halbiertes Leid.

Dass wir nicht auf unser Ich beschränkt bleiben, sondern an unsere Nachbarn denken und für sie sorgen, ist das wichtigste Kennzeichen unserer Identität als Christen. Ein wesentliches Element der Entfaltung unserer Persönlichkeit ist die Kultivierung unseres sozialen Gewissens. Das lernen wir  auf einzigartige Weise in der Eucharistiefeier unserer Kirche. Wir beten Gott an, indem wir uns in seinem Namen versammeln, geeint in demselben Glauben, derselben Hoffnung und derselben Liebe. In der Kirche werden wir verwandelt: Aus Individuen werden Geschwister, die nicht anders können als einander aufrichtig zu lieben.

Aus diesem wichtigen Grund sollen wir unsere Liebe zu Gott nicht nur während dieser festlichen Tage, sondern überall und immer durch die tätige Liebe zu unseren Nachbarn unter Beweis stellen, insbesondere durch die Liebe zu denen, die die lebendige Erfahrung der Gegenwart Gottes in ihrem Leben nicht gemacht haben. Hungernden Speise, Armen Bekleidung und Gästen Gastfreundschaft zu gewähren sowie Kranke und Gefangene zu besuchen ist keine bloß konventionelle Verpflichtung zur Ruhigstellung des Gewissens aus festlichem Anlaß. Das sind vielmehr diejenigen wirklichen Geschenke, die uns als Menschen auszeichnen. Wir haben uns leider angewöhnt, zu den Festen vorgefertigte – und darum auch weniger bedeutsame - Produkte zu kaufen und uns so dem Konsumgeist unserer Zeit zu beugen. Dagegen sind die wahren Geschenke unbezahlbar und verlangen unseren ganzen Einsatz. Gerade diese Geschenke haben ihren ganz besonderen Wert, denn sie sind nach dem Wort des Herrn Ausdruck unserer Liebe zu Gott, zu dem, der uns zuerst geliebt hat; zu dem, der uns sagt: Wenn wir von ganzem Herzen den Bedürftigen geben, dann ist es so, als ob wir unsere Gabe Gott selbst gegeben hätten.

So einsam wir uns auch bisweilen fühlen mögen, so verlassen und sogar verzweifelt wir auch sein mögen, es hilft uns, wenn wir niemals vergessen, dass Gott uns alle mit all unseren Lasten, so schwer sie immer sein mögen, und dazu die ganze Welt in seiner väterlichen Hand hält. Darin besteht unser wahrhafter Trost; daraus schöpfen wir Kraft. Seitdem Gott die Welt erschaffen hat und vor allem seitdem sein Sohn, unser Herr Jesus Christus, ein Mensch wie wir geworden ist, in allem uns gleich außer der Sünde, haben wir einen sicheren Halt, einen sicheren Grund in unseren Freuden und Leiden, die Gewissheit der Erlösung.

Es ist mein von Herzen kommender Wunsch, dass wir Gott stets und überall unser Herz und unsere Hände leihen, damit durch unsere Vermittlung alle Menschen, unabhängig davon, ob sie in unserer Nachbarschaft oder fern von uns leben, in ihrem Leben die Erfahrung von Gottes Gegenwart machen. Diese Gegenwart vertreibt die Traurigkeit und weckt jene Freude, die uns niemand nehmen kann. Diese Gegenwart vertreibt die Finsternis des Hässlichen und erleuchtet unser Leben durch die Schönheit. Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Bonn, den 25. Dezember 2007

 

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland


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