* * *
Christus ist auferstanden!
"So wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferstanden ist, selten auch wir in einem neuen Leben wandeln" (Rom 6,4).
Der triumphale Ruf "Christus ist auferstanden!", das Lied des Sieges über den Tod und die Unterwelt, wird heute voll Freude von unzähligen gläubigen Christen in der ganzen Welt wiederholt.
"Die Kirche legt das Trauerkleid ab und bekleidet sich stattdessen mit einem weißen lichtstrahlenden Gewand, als ob sich auf ihm die Reinheit und der Glanz des Engels widerspiegelten, der den Stein vom Grab weggewälzt hat", schreibt der tiefgläubige von der Insel Skiathos stammende griechische Schriftsteller Alexandros Papadia-mantis, der vor hundertfünfzig Jahren geboren wurde und vor neunzig Jahren gestorben ist.
Die Kirche Christi feiert und der Mund der Gläubigen füllt sich mit Freude, da sie rufen: "Der Herr ist auferstanden!". Darum wissen wir, "dass Christus, nachdem Er von den Toten auferstanden ist, nicht mehr stirbt und der Tod keine Macht mehr über Ihn hat" (Rom 6,9). Außerdem glauben und wissen wir, dass wir, da wir durch die Taufe mit Christus begraben werden, auch in Ewigkeit mit Ihm leben werden. Das ist die Erlösung, das ist auch die Ursache unserer Freude und der festlichen österlichen Feier. Das neue Leben in Christus ist eine unbezweifelbare Wirklichkeit. Das Leben des Gläubigen nach der Auferstehung Christi ist nicht mehr so, wie es vor ihr war. Schon ist der Heilige Geist herabgestiegen, um in der Kirche Wohnung zu nehmen, so dass unser ganzes Leben von der göttlichen Gnade, den ungeschaffenen Energien der Gottheit, die uns vielfältige Wohltaten erweisen und uns erneuern, umfangen wird.
Doch ergibt sich aus dieser großen Gabe Gottes an uns auch die der Dankbarkeit und der Liebe zu Ihm geschuldete Verpflichtung, das Geschenk anzunehmen, uns das dargebotene Leben der Auferstehung anzueignen, ein Leben zu führen, das dieser Berufung wert ist und sich in dieser neuen Wirklichkeit vollzieht. Denn die Auferstehung Christi ist nur dann ein Ereignis, das die Person eines jeden von uns betrifft, wenn wir uns mit Christus vereinigen, d. h. wenn wir um unserer Sünde willen mit dem Bild Seines Todes zusammenwachsen, um auch mit Ihm in Gott zu leben - wiedergeboren im Heiligen Geist und stets von Ihm gereinigt, so daß Er beständig in uns wohnt.
Diese neue Lebenswirklichkeit, das neue Leben, in das uns die Auferstehung Christi einführt, ist das Leben in der göttlichen Gnade, ein Leben, das, soweit wir es zulassen, vom Heiligen Geist geleitet wird.
Die Welt ist für uns erweitert worden. Sie findet ihre Grenzen nicht in der Materialität. Die Grenzen unserer Interessen sind nicht die Grenzen der geschaffenen Natur. Wir schauen auch auf das Leben jenseits des Leibes und bereiten uns vor für die Ewigkeit.
Innerhalb dieser Perspektive der Auferstehung gewinnen die innerweltlichen Ereignisse eine andere Dimension. Die weltlichen Nöte offenbaren sich ihrem wahren Wesen nach als vorübergehend. Die Last menschlicher Leiden wird durch die Hoffnung erleichtert. Die gottgegebenen Freuden werden geheiligt und als Vorgeschmack der ewigen Freude, die uns niemand nehmen kann, erfahren. Unser ganzes Leben wird so verwandelt, dass es sich von dem Leben der Menschen, die von Christus getrennt sind, grundlegend unterscheidet. Schon herrscht in unseren Herzen die Auferstehungsfreude, eine Gewissheit, die uns Mut, Optimismus und Interesse für den Mitmenschen und für die ganze Schöpfung schenkt.
Im Herrn geliebte Kinder,
Die Auferstehung ist kein Ereignis, das unser Leben unbeeinträchtigt ließe. Sie ist vielmehr der Grund unseres Optimismus, unserer Kreativität, unserer Liebe, unseres Interesses für alle und für alles und unserer unentwendbaren Freude in Christus.
In väterlicher Liebe erbitten wir für euch alle, dass ihr forthin in der Fülle der Auferstehungsfreude lebt und von jetzt an "in einem neuen Leben" wandelt, geleitet und geheiligt von jener göttlichen Gnade, die das Schwache heilt und das Fehlende ergänzt.
Dem aber, der von den Toten auferstanden ist und uns das neue Leben geschenkt hat, Christus, unserem wahren Gott, sei Dank, Herrlichkeit und Ehre in Ewigkeit. Amen.
Ostern 2001
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott