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Brüder im Bischofsamt, im Herrn geliebte Kinder,
wieder grüßen wir euch voller Freude mit dem österlichen Gruß "Christus ist auferstanden!"
Dieser Gruß beinhaltet und verkündet den Kern unseres christlichen Glaubens: "Des Todes Tötung feiern wir." Diese Botschaft ist ursprünglich und kühn, denn trotz der 2000 Jahre, die von der Geburt des auferstandenen Herrn Jesus bis heute vergangen sind, hat die Menschheit unserer Tage, so sehr der Mensch gewordene Gott das Leben auch geehrt hat, dieses nicht liebgewonnen.
Leider ist die Bereitschaft, Menschen zu töten, überall verbreitet. Privatleute töten ihre Gegner, um sich durchzusetzen. Verbrecher morden, um zu rauben oder um Zeugen, die sie überführen könnten, zu beseitigen. Terroristen morden, um Völker und Regierungen zu zwingen, ihre Forderungen anzunehmen. Ideologen morden, um die Ausbreitung ihrer Ideologie zu erleichtern. Völker geraten aneinander aus Gründen des Rassismus und ungezählte Bürger werden auf beiden Seiten ermordet, weil der Geist der Versöhnung und Friedfertigkeit fehlt. Fanatiker ermorden diejenigen, die ihren Fanatismus nicht teilen. Auch religiöse Fanatiker ermorden bisweilen Menschen, die einen anderen Glauben haben als sie selbst. Gewissenlose Menschen morden zur Befriedigung ihrer Mordlust. Einige nehmen sich selbst das Leben, weil ihnen die Last der göttlichen Gabe des Lebens unerträglich erscheint. Allgemein gilt, daß der grundsätzlich von allen Menschen und von Gott verurteilte Mord mehr und mehr als ein hinnehmbares erlaubtes Mittel erscheint, wenn man mit ihm gewisse Ziele verwirklichen kann, denen das menschliche Leben unerlaubterweise untergeordnet wird.
Mitten in diesem Meer von Blut erscheint der Auferstandene, der von den Menschen ermordete Anführer und Spender des Lebens und schärft allen ein, daß das Töten keine Errungenschaft ist, daß es die Auferstehung und das Gericht gibt, daß das Leben stärker als der Tod ist und daß diejenigen sich vergeblich mühen, die für die Verwirklichung ihrer Pläne den Tod ihres Mitmenschen in Kauf nehmen. Unser auferstandener Herr Jesus Christus hat durch seine Auferstehung sein Wort bestätigt, nach dem er selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Aber noch mehr hat er bestätigt, daß Gott den Tod nicht geschaffen hat, und daß er am Untergang der Lebenden keinen Gefallen hat (Weisheit 1,13). Denn Gott hat alles erschaffen, damit es immerwährenden Bestand habe. Der Tod kam in die Welt wegen der Gottlosigkeit der Menschen. Jedoch erträgt die Liebe Gottes die Herrschaft des Todes über den Menschen nicht und hat deshalb die Folgen der menschlichen Verfehlung aufgehoben.
Er ist Fleisch geworden, hat einen sterblichen Leib angenommen und freiwillig den ihm von den Menschen zugefügte Tod am Kreuz auf sich genommen. Aber er ist aus eigener Kraft auferstanden, weil er dem Tod nicht unterworfen war, und wurde so zum Begleiter aller, die mit ihm zugleich auferstehen wollen. Der Erstgeborene unter den Toten, der Erste unter den Auferstandenen, der Spender des Lebens und der Auferstehung hat den vernichtet, der die Gewalt des Todes innehat. An den Tod, jene todbringende Schlechtigkeit des Menschen gewöhnt, fällt es dem heutigen Menschen schwer, die Freude und die Tiefe der Auferstehung, der Erneuerung und des ewigen Lebens, das uns unser auferstandener Herr Jesus Christus schenkt, zu begreifen. Aber alle, die die Freude der Auferstehung schon jetzt kosten und kennenlernen, spüren, daß sich ihr Mund mit Freude füllt, wenn sie rufen: "Der Herr ist auferstanden."
Mit denen, die diese Freude erleben, feiern heute wir alle, feiern die orthodoxen Christen die Auferstehung des Herrn und rufen einander den Gruß des Sieges zu: "Christus ist auferstanden!"
Ostern 2005
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott