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Osterbotschaft
des Ökumenischen Patriarchen

+ B a r t h o l o m a i o s
durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche
Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus,
dem in Herrlichkeit auferstandenen Erlöser

* * *

Brüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, im Herrn geliebte Kinder!

Christus ist auferstanden!

Von neuem erschallt der Ostergruß der Christen in den überwiegend prosperierenden christlich geprägten Gesellschaften. Allerdings weisen  diese Gesellschaften die Frage nach dem Tod und die Beschäftigung mit ihm zurück und leben so, als gäbe es den Tod nicht und als wäre die Auferstehung überflüssig. Gleichwohl „ist“, wie der Hymnendichter sagt, „das Mysterium des Todes entsetzlich“ und eine alltägliche Realität. Der Schrecken des Todes, der offenkundig diejenigen befällt, deren Gesundheit gefährdet ist oder die sich mit den Problemen des Alters konfrontiert sehen, zerstört, selbst dann, wenn der Tod durch ärztliche Kunst hinausgezögert wird, allmählich den Frieden des Herzens und erfüllt die Seele mit ungerechtfertigter Angst, ja führt in vielen Fällen, wenn die Dauer der Ungewissheit unerträglich wird, sogar zum Selbstmord.

Dieser Ungewissheit hat die Auferstehung Christi ein Ende bereitet. Der Tod herrscht nicht mehr über das Leben. Er ist nicht mehr das unausweichliche Ende unserer Existenz. Die Grabplatte bedeckt nicht auf ewig unser Leben mit ewigem Schweigen. Der Stein, der den Eingang des Grabes Christi verschloss, ist weggewälzt, und Christus ist als Sieger aus dem Grab hervorgegangen, ohne vom Stachel des Todes getroffen zu sein, als Erstgeborener der Toten. Seitdem ist die Pforte des Grabes hinter ihm für alle offen geblieben. Alle, die ihm folgen, haben ihre Todesangst verloren. Alles ist jetzt von Freude und Hoffnung erfüllt. „Tod, wo ist dein Stachel? Hades, wo ist dein Sieg?“ ruft triumphierend unser Vorgänger, der hl. Johannes Chrysostomus, aus.

Gewiss erscheinen unsere Worte auch heute vielen „wie Märlein“, wie leeres Gerede. Als die Athener den Apostel Paulus auf der Pnyx von der Auferstehung der Toten reden hörten, lachten sie und ließen ihn mit der ironischen Bemerkung stehen: „Darüber wollen wir dich ein anderes Mal hören.“ Sogar die Apostel, die doch vom Herrn selbst gehört hatten, er werde am dritten Tag auferstehen, schenkten der Botschaft der salbentragenden Frauen, der Herr sei auferstanden, zunächst keinen Glauben.

Wir aber, im Herrn geliebte Brüder und Kinder, erleben die Wiederholung des Todes und die ständige Auferstehung des Herrn. Und das nicht nur auf dem Altar im Gotteshaus, der Golgotha darstellt, sondern auch im Leben der Heiligen, sowohl derer aus vergangenen Zeiten wie auch der gegenwärtigen. Der Herr ist auferstanden und hat uns das Leben geschenkt. Und das nicht nur damals, sondern auch jetzt und fortwährend. Auf diese Weise wurde der Tod zu einem Durchgang in ein anderes Leben. Er ist nun nicht mehr ein Gefängnis der Seelen, eine verschlossene Hürde, ein Zustand der Hoffnungslosigkeit. Die Mauern seines Heerlagers sind eingerissen, die Türen zerschmettert. Jeder, der Christus nachfolgt, kann mit Ihm ins Leben zurückkehren.

Brüder und Kinder im Herrn, glaubet und hofft! Lasst Euch von der Todesangst und allen Ängsten des Lebens befreien. Für Gläubige wie Euch gibt es keinen Tod mehr. Läutert Euch an Seele und Leib und tretet ein in die Nachfolge Christi, der auch Eure Auferstehung ist. Christus ist auferstanden, und auch Euch ist der Weg zur Auferstehung gebahnt. Die herrliche, freudige Botschaft der Auferstehung gilt Euch! Sie ist Euch weder fremd noch gleichgültig. Mit jedem österlichen Gruß „Der Herr ist auferstanden!“ erfülle sich Euer Mund mit Freude! Denn „Er ist wahrhaftig auferstanden“, und mit ihm sind auch wir auferstanden.

Seine lebendigmachende Gnade, die das Kranke heilt und das Fehlende ergänzt, sei mit Euch allen. Amen.

 

Ostern 2007
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


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