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"Aus der Höhe hat uns heimgesucht unser Erlöser ...
Brüder und im Herrn geliebte Kinder,
die Sehnsucht nach der Wahrheit ist so alt wie der Mensch und umfasst die
ganze Menschheit. Vielfältig und mühselig sind die Versuche, mit
denen die Menschheit es unternahm und noch unternimmt, sich ihr anzunähern.
Und es ist vernünftig, die Wahrheit zu suchen, denn ihre Erkenntnis
befreit uns von Irrtum und Lüge und von allem, was diese nach sich ziehen.
Aber unglücklicherweise beschreiten wir bei der Wahrheitssuche nicht
immer den richtigen Weg. Es gab und es gibt noch immer viele falsche Lehren,
die den Anspruch erhoben und noch heute den Anspruch erheben, der Wahrheit
Geltung zu verschaffen,
Gerade heute wenden sich mehr denn je Befürworter "östlicher"
oder anderer überkommener Lehren an uns und empfehlen uns diese als Jungbrunnen
und Quellen natürlicher und übernatürlicher Kraft. Sie versprechen
uns den Erwerb geistlicher Erfahrungen und verschiedener Mächte und
versuchen uns so zu überzeugen, dass sie die; ganze Wahrheit enthalten
und die mächtigste Kraft im Kosmos darstellen.
Doch wir, Brüder und im Herrn geliebte Kinder, wissen aus Erfahrung
genau, dass die Geburt unseres Herrn Jesus Christus, die wir heute feierlich
begehen, "der Welt das Licht der Erkenntnis aufgehen ließ". So sagt
auch das heilige Evangelium, dass "das Volk, das im Finstern wandelt", durch
die Geburt unseres Herrn Jesus Christus "ein großes Licht sah", und
dass "denen, die im Land und im Schatten des Todes saßen, ein Licht
aufging" (Mt 4.16). Dasselbe verkündet auf dichterische Weise der Hymnenschreiber,
wenn er sagt: "Die einst in Nacht und Schatten wir lebten, wir haben die
Wahrheit gefunden".
Diese Wahrheit, die wir gefunden haben, ist kein intellektuelles Konzept,
keine Theorie über die Welt, über Gott und über den Menschen.
Sie ist der Schöpfer der Welt, der Sohn, das Wort Gottes, unser Herr
Jesus Christus, der demütig in der unscheinbaren Höhle um unseres
Heiles willen zur Welt kam und einem jeden von uns, sei er ein Gerechter
oder ein Sünder, in Tat und Wahrheit Seine grenzenlose Liebe geoffenbart
hat. Der, der uns zugesichert hat, dass Er selbst der Weg, die Wahrheit und
das Leben ist und dass wir, wenn wir Ihn finden, es nicht nötig haben,
eine andere Wahrheit zu suchen, denn Er selbst ist die einzige Wahrheit.
Er selbst ist die ganze Wahrheit.
Auf östliche oder anderswoher stammende Irrlehren und ihre verführerischen
Versprechungen sind wir nicht angewiesen. Vielmehr wissen wir, dass sogar
die Weisen, die ansonsten dem Irrglauben verfallen waren, von Osten her
kamen, um unseren Herrn Jesus Christus als ihren König anzubeten. Diesen
Jesus Christus, der sich aus Liebe Seiner königlichen Herrlichkeit
entäußert hatte und dem Menschen gleich geworden war, um ihn
Gott gleich zu machen, sollen wir lieben. Ihm sollen wir folgen aus ganzem
Herzen und aus ganzer Kraft.
Darum lasst uns den demütigen Hirten von Bethlehem folgen, aber auch
jenen Weisen, denen "ein Stern das Wort offenbarte, das vor der Sonne war,
und das zu uns gekommen ist, um der Sünde ein Ende zu bereiten". Doch
lasst uns jenen zeitgenössischen "Weisen" und Gurus, die Christus nicht
folgen, sondern uns andere "Erlöser" anbieten, das Ohr verweigern.
In keinem anderen ist, Brüder und im Herrn geliebte Kinder, das Heil
als nur an Christus. Sowohl als Individuen wie auch als Völker und
als Menschheit erwarten wir das Heil von Christus allein. Wenn wir ihm fernbleiben,
werden wir uns im Dunkeln und im Schatten der Lüge und des Todes wiederfinden
und dasselbe Grauen erleiden wie die Menschheit, die sich auf die todbringenden
Pfade der Unwahrheit verirrt hat und sich darum in Qualen windet.
"Die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden" (Jo 1,17).
Aber auch die Freude, der Friede, die Erlösung und Jegliches Gut findet
sich nur bei Ihm.
Ehre sei Gott In den Höhen. Ehre sei Dem, dem es wohlgefiel, dass
Sein Sohn und Wort für uns Fleisch wurde und uns Anteil schenkte an
Seiner ganzen Wahrheit und Seiner uns rettenden Gnade. Ehre, Lob und Dank
sei auch dem in einer elenden Krippe geborenen Jesus Christus und Seinem
Heiligen Geist, der den ganzen Bau der Kirche bildet und erhält und
sich uns Gläubigen gibt.
Das geben wir Euch väterlich zu bedenken und versichern Euch unserer
inständigen väterlichen Fürsprache und erteilen Euch unseren
patriarchalen Segen und flehen aus ganzem Herzen, dass ihr die heilige zwölftägige
Festzeit und ebenso auch das nahe bevorstehende neue Jahr der Güte
des Herrn in Friede und Freude verbringt.
Die Gnade und das reiche Erbarmen Jesu Christi, unseres Herrn, der um unseres
Heiles willen in Bethlehem aus der immerdar jungfräulichen Gottesgebärerin
Maria geboren und in die Krippe der Tiere gelegt wurde, seien mit Euch allen.
Amen.
Phanar, Weihnachten 2002
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott