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WEIHNACHTSbotschaft
des Ökumenischen Patriarchen

+ B a r t h o l o m a i o s
durch Gottes Erbarmen
Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch
allem Volk der Kirche
Gnade, Friede und Erbarmen
von Christus,
Unserem in BETHLEHEM gebORenen Erlöser

* * *

Brüder und im Herrn geliebte Kinder,

es hat Gott wohlgefallen, daß wir auch in diesem Jahr das große freudige Fest der Geburt des Fleisch gewordenen Wortes Gottes feiern. Der allgute Gott, der den Menschen als Person, das heißt mit Selbstbewußtsein und dem Vermögen, die anderen Personen zu erkennen und mit ihnen in Gemeinschaft zu treten, geschaffen hat, um ihn zum Teilhaber der Freude der Liebe zu machen, hat den Menschen nicht im Stich gelassen, als dieser die Liebe zu Ihm verriet und es vorzog, sich unabhängig von Gott zu entwickeln. Diese Wahl der Ersterschaffenen brachte über sie den geistlichen Tod, das Leben im Materialismus und die Sünde des Egoismus. Das war ein Zustand, dem der Mensch mit seinen eigenen Kräften nicht entkommen konnte. Darum ist das Wort Gottes Fleisch geworden und hat die menschliche Natur angenommen und geheilt, um den in Christus wiedergeborenen Menschen in die Lage zu versetzen, Gott in der Person Jesu Christi von neuem lieben zu können. Diese Wiederherstellung der Liebe zwischen Mensch und Gott, welche die Ursache der größten Freude in der Welt ist, ist der Grund des Wohlgefallens Gottes am Menschen, jenes Wohlgefallens, das die Engel in der Nacht der Geburt Christi in Bethlehem besungen haben. Diese Geburt feiern wir geistlich und von Freude erfüllt, indem wir an allen materiellen Gaben Gottes an den Menschen, der sich von Ihm entfernt hatte, maßvoll teilhaben. Denn diese Gaben sind der Beweis der Liebe Gottes zum Menschen.

Die meisten unserer Mitmenschen vergessen in ihrer von den vielfältigen Anlässen weltlicher Freude herrührenden Begeisterung und der übermäßigen Beanspruchung durch den Genuß der den reichen Nationen reichlich zur Verfügung stehenden vielfältigen Möglichkeiten zur Zerstreuung - die meisten Menschen vergessen die tiefere Bedeutung des Weihnachtsfestes. Bisweilen laufen sogar gläubige und fromme Christen Gefahr, von dieser weltlichen Perspektive dessen, was uns umgibt, verführt zu werden, die wahre Bedeutung der Fleischwerdung des Wortes Gottes zu vergessen und in dem Bestreben nachzulassen, dieses für ihr Leben so außerordentlich bedeutsame Ereignis auch als solches zu realisieren. Denn die große Bedeutung von Weihnachten besteht darin, daß Gott Fleisch und Mensch wird, um dem Menschen Gemeinschaft mit Gott zu geben. Er inkarniert sich, um dem Menschen die größte aller Möglichkeiten seiner Entfaltung darzubieten: Gott zu werden. Alle menschlichen Freuden und Genüsse sind gering im Vergleich mit der Freude der Teilnahme am Leben Christi.

Die Welt befaßt sich nicht mit dieser Möglichkeit. Sie begnügt sich damit, sterblich und den Leidenschaften unterworfen zu sein, und die Ziele, die sie dem Leben setzt, sind sehr begrenzt und diesseitig. Sie tendiert dazu, das Weihnachtsfest zu einem ganz und gar anthropozentrischen, der Kirche entfremdeten und seines christlichen Inhalts beraubten weltweiten Fest der Wintersonnenwende zu machen. Wir Christen sind dazu verpflichtet, im Widerspruch zu diesen säkularen Tendenzen alles zu tun, um die geistliche Bedeutung der Inkarnation und Geburt des Wortes Gottes bewußt zu machen. Sie schenkt uns die dem Ungläubigen unverständliche Möglichkeit der Teilhabe am Leben des Gottmenschen Christus, die uns mit unauslöschlicher himmlischer Freude erfüllen sollte. Aber um von dieser Freude  und diesem Frieden erfüllt zu werden, müssen wir diese Möglichkeit samt ihren Voraussetzungen akzeptieren, Jesus Christus, der sie uns schenkt, lieben, die göttliche Gnade erflehen und die Wirkung der Gnade Gottes und die von ihr verursachte Verwandlung ertragen.


Gott liebende Christen,

unser in der Höhle geborener und in die Krippe gelegter Herr Jesus Christus erwartet von uns, daß wir Ihm unsere Herzen öffnen, damit Er in ihnen wie in einer anderen Höhle Wohnung nehme. Von dort wird Er unsere Gedanken und Gefühle zu allem lenken, was gut und schön ist. Er wird unser Leben begleiten und unsere Herzen entzünden durch Liebe und Seligkeit, denn die Seligkeit geht allein aus der Liebe hervor. Laßt uns die Abhängigkeit von und die Hörigkeit gegenüber den Leidenschaften, die Fesseln unserer Seelen, die Sünde und jede verderbliche Begierde aus unseren Herzen verbannen. Laßt sie uns reinigen durch das Bad des Sündenbekenntnisses, durch welches die Seelen weißer als Schnee werden, damit wir Jesus Christus mit reinem Herzen und heiliger Bereitschaft in der Krippe unserer Herzen empfangen und Christus allmählich durch die geistliche Übung und die Bewahrung Seiner Gebote in uns Gestalt annehme, “damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in Seiner vollendeten Gestalt darstellen“ (Eph 4,13).

Wir grüßen euch väterlich an diesem besonderen Tag, gratulieren allen väterlich aus ganzem Herzen, erteilen allen unseren patriarchalen Segen und bitten Christus, den Urheber des Friedens, Krieg und Mord ein Ende zu setzen und unserem irdischen Chaos Frieden zu schenken. Euch aber, unseren geliebten Kindern und Brüdern wünschen wir, diese heiligen Tage in Frieden, jeglicher Freude und Jubel unter Gottes gnädigem Schutz zu verbringen, auf die Fürbitten der allheiligen Gottesgebärerin und aller Heiligen.

Die Gnade und das reiche Erbarmen Jesu Christi, der in der Höhle geboren und in die Krippe der Tiere gelegt wurde, seien mit euch allen.

Phanar, Weihnachten 2003
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel
Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott


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